| Romy Haag: Grenzgängerin auf
Stöckelschuhen Das Mannsweib fasst ihr schlillerndes Leben in einem Buch zusammen Romy Haags Grenzgang zwischen den Geschlechtern hat sie weit herum bekannt und das Thema Transsexualität zum öffentlichen Thema gemacht. In der Biografie «Eine Frau und mehr» beschreibt der Glamour-Star sein fazettenreiches Leben. Sex, Showbiz, Glanz und Leid liegen im Leben des Mannsweibs dicht beisammen. Im Buch erzählt sie ihre Geschichte mit ureigenem Blickwinkel auf die Gesellschaft und räumt schonungslos auf mit Klischees über sich und ihr Leben als Transsexuelle. «lch wollte nie ein Freak sein. Ich wollte Respekt», zieht die Künstlerin heute Bilanz im Kampf für Toleranz und gegen Vorurteile. Das Leben der Romy Haag verlief wechselreich. Schon mit zehn entdeckt Edouard Frans Verba, dass er lieber Mädchen sein möchte. Mit zwölf feierte der Knabe seinen ersten Auftritt im Pariser Transvestiten-Cabaret «Madame Arthur» - und hatte Sex mit einem Mann. Fortan zeigt sich Edouard nur noch als Mädchen, verlässt mit dreizehn das Elternhaus in Den Haag. Der schüchterne Junge wird zu Romy Haag, dem Star. In den Siebzigerjahren eröffnet sie in Berlin den Nachtclub «Chez Romy Haag». Darin treffen sich Popstars wie David Bowie, Freddie Mercury und Mick Jagger. «Eine wunderbare Zeit», sagt die Künstlerin im Telefoninterview. Hallo Romy. Du klingst ziemlich gehetzt. Viel um die Ohren? Romy Haag: Und wie. Ich bin auf dem Sprung nach Los Angeles und habe keine Zeit. Wegen des Buches? Romy: Unter anderem. Es gibt auch sonst viel für mich zu tun. Neue Projekte, unter anderem neue Platten. Das Buch verkauft sich prächtig. Wie erklärst Du Dir den Erfolg? Romy: Ich habe sehr offen geschrieben, wahnsinnig offen und ehrlich. Die Leute waren verblüfft. Und sprachlos. Warum? Romy: Viele glauben, ich sei eine Diva. Und vergessen dabei, dass ich auch Mensch bin, der seine private Seite hat. Ich kämpfe um Toleranz. Noch immer und immer mehr. Und deshalb hast Du in die Tasten gegriffen? Romy: Das ist ein Grund, weshalb ich das Buch geschrieben habe. Der Kampf der Transsexuellen und Schwulen ist noch nicht ausgestanden. Allerorts herrscht Scheintoleranz und das wird immer schlimmer! Glamour als politische Aktion?Romy: Wenn Du dem so sagen willst, ja!
Kurt Büchler |