Thomy's Talk

Mit Respekt

Und wieder mussten ein paar unschuldige Sträucher und Büsche dran glauben, nur weil sich hirnamputierte Schwanzwesen in der Öffentlichkeit nicht zu benehmen wussten. Das kostet Hasel & Co. regelmässig Äste und Grünzeug.

Der Büsisee, genauer der anliegende Rastplatz, gleicht einer Wüste. Kein Strauch steht mehr, kein Busch hat die Attacken der Gemeindegärtner - oder gibt es Autobahngärtner? - überlebt. Bis in den nächsten Sommer ist nichts mehr mit den populären Mannschafts-Spielen wie «Büsche-zum-Wackeln-bringen» oder «Sich-hinter-den-Sträuchern-verstecken». Das verbliebene Grünzeug reicht knapp dazu aus, dass ein Hund seine Notdurft daran standesgemäss verrichten kann.

Hat sich einer meiner geschätzten Lesern schon jemals zwischen Dämmerung und Sonnenaufgang auf einem dieser Autobahnraststätten aufgehalten? Nur minutenlang, womöglich um Pipi zu machen oder um Hamburger oder Würstchen herunterzuschlingen? Solche Reisenden kennen das Prozedere genau: Innerhalb einer Nanosekunde wird jedem klar, dass dort auch andere Würstchen hoch im Kurs stehen. Umstehende zeigten dieses ungefragt und lockten mit neckischem Zuwinken. Mitunter am helligsten Tag. En Guete!

Genau das sprengt die Grenzen des guten Geschmacks. Ob schwul, hetero oder irgendwo dazwischen: Nehmt Euch bitte gefälligst zusammen! Niemand motzt, wenn Rastplätze, Parkanlagen, Wäldchen oder Uferböschungen zur Nachtzeit kurzfristig zur Cruising-Zone umfunktioniert werden. An den Trampelpfaden, als ob Herden von Böcken und Ziegen durchs Gestrüpp getrippelt wären, stösst sich kaum jemand. Lassen Hormonschübe aber Männer mitten am Tag zuerst ins Auto und dann vor den Augen anderer übereinander steigen, ist das eine Schweinerei.

Apropos Schweinerei. Auf der Werdinsel gab es an sonnigen Tagen vermehrt brünstige Hängebauchschweine zu beobachten, die keinerlei Scheu vor Hündelern, Müttern mit Kindern und Polizisten zeigten - wahrscheinlich als Zeichen ihrer Dekadenz. Unter den Augen unbeteiligter Passanten zelebrierten die Schweine ihr Paarungsspiel. Selbst die eingeläutete Jagdsaison liess sie kalt. Denn sie wissen: Hier kommen ganz andere Dinge zum Abschuss.

Auch auf der Werdinsel fallen Jahr für Jahr arme Büsche den Scheren städtischer Angestellter zum Opfer. Damit wieder Zucht und Ordnung einkehre. Deshalb schreibe ich es mit aller Deutlichkeit: FKK steht nicht für FiKKen!

Vielleicht lässt sich die Misere stadtnaher Buschlandschaften im nächsten Jahrtausend beheben. Eigentlich braucht es dafür nicht viel. Die umtriebigen Schwanzwesen - ob es auch unter meinen Lesern welche gibt? - müssten lediglich den Sinn eines Wortes begreifen lernen und danach leben. Das Wort heisst Respekt!

Euer Thomy.

 

Eine Internetlösung der