| Wirbel um
Sex-Parties Barebacking: «Ficken ohne» schreibt auch in der Schweiz Schlagzeilen Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Trendbewusste Veranstalter wollten in der Schweiz erstmals sogenannte «Barebacking»-Partys durchführen: Fick-Partys, an denen mit vielem hantiert wird - aber bestimmt mit einem nicht, mit Gummis. «Barebacking», das soviel bedeutet wie «ohne Sattel reiten», gilt in Amerika als denkwürdige Trendsportart und bedeutet vor allem eines: Sex ohne Gummi. Deren Anhängerschaft nimmt ständig zu, davon zeugen unzählige Homepages im Internet. Diesen Herbst sollte der ungeschützte Stoss-Verkehr auch in der Schweiz Einstand feiern.Die Reaktionen blieben nicht aus: Kritiker machten gegen die Veranstalter mobil, die Medien schalteten sich ein, die Initianten sprachen von einem Missverständnis, zogen ihre Projekte zurück und mögen heute nicht mehr über die Geschichte sprechen, drohen gar mit Anwälten. Was war passiert? Mitte Oktober kamen trendbewusste Veranstalter auf die Idee, ihre leeren Räume für Barbacking-Partys zu nutzen. Ein Club publizierte einen entsprechenden Termin per Internet. Der Club heisst Phoenix, steht in Urdorf und war jahrelang die erste Adresse in Sachen Aids-Prävention - trotz eigenem (hochklassigen) Darkroom. Dass ausgerechnet dieser Sexclub die Diskussion um Barebacking (BB) initiert, erstaunt. Immerhin handelt es sich dabei um das offizielle Clublokal des Lederclubs «Loge70», der wiederum Herausgeberin des international gerühmten «Safer Sex für Ledermänner» ist. Auch im «Bunker» sollte eine BB-Party abgehalten werden - wie der Betreiber sagt, organisiert von einem Untermieter. Peter Suter, Phoenix-Präsident, weist Vorwürfe zurück, die gegen seine Adresse erhoben werden. Er beteuert, dass der Präventionsgedanke stets gesichert gewesen sei. Die Besucher sollten per Handzettel auf die Gefahren von ungeschütztem Sex aufmerksam gemacht werden. Suter hat hierfür sogar die Zürcher Aids Hilfe kontaktiert. Die liess sich jedoch auf keine Zusammenarbeit ein. «Wir wollten und konnten zwar kein Verbot aussprechen», sagt ZAH-Mitarbeiter Thomas Seeholzer. Die ZAH habe aber klar Ablehnung gegenüber entsprechenden Plänen signalisiert. Die Proteste und Boykottdrohungen - vorwegs aus den eigenen Reihen - bewegten den Phoenix Club, den BB-Termin fallen zu lassen. Doch damit kehrte in Urdorf noch lange keine Ruhe ein. «Danach begann die Schlammschlacht erst richtig», sagt Klaus Stratenwerth, Präsident der Loge 70 und Lebenspartner von Peter Suter gegenüber dem Cruiser. Konkurrenzneid und Missgunst gegenüber dem Club und seiner Person hätten bewirkt, dass «die Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt ist». In der Tat erreichten Boykottaufrufe und empörte Emails nicht nur die Gay Community, sondern auch Reporter des Tele Züri. In gewohnt reisserischer Manier strahlte der Sender einen schlecht recherchierten Bericht aus. Die ratlose ZAH versuchte darin etwas hilfos zu arguementieren, Reto Rahm vom Kink Shop betrieb Aufklärungsarbeit. Fazit: Die Schwulen wurden wieder einmal als hormongetriebene Immerficker dargestellt und Rage-Manager Beat durfte der Fernsehwelt lächelnd seinen Darkroom mit Sling präsentieren. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Trotzdem bleiben etliche Fragen unbeantwortet: Was ist in der Prävention schiefgelaufen? Was bewegt Leute zum bewussten Risikoverhalten beim Sex? Und weshalb springen Party-Veranstalter auf diesen Trend auf? Und sind diese tragbar, beispielsweise als Präsidenten eines Clubs? Eines ist gewiss: BB-Partys sind ein harter Rückschlag, und längst nicht nur für die Aids-Prävention. Die Verantwortlichen des Club Phönix jedenfalls scheinen aus der BB-Geschichte gelernt zu haben. Barebacking-Partys sind für uns kein Thema mehr», sagt Peter Suter. Wenngleich der Phoenix-Mann mittlerweile sogar Reumut beweist: Das Thema ist damit keineswegs vom Tisch. Davon ist auch Thomas Seeholzer von der Zürcher Aids-Hilfe überezugt. «In Zukunft werden wir damit noch öfters konfrontiert.» Thomy Schallenberger
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