«Drôle de Felix»

Ein Schwulenfilm der anderen Art

Er ist schwul, farbig, arbeitslos und lebt in Frankreich. Felix. Eines Tages entdeckt er die Adresse seines Vaters und beschliesst, diesen aufzusuchen. Und hier beginnt der Film «Drôle de Felix» von Oliver Ducastel und Jacques Martineau. Eine wunderbare Odyssee in die Schönheit menschlicher Güte. Der Cruiser unterhielt sich mit den Filmemachern.

Der Film «Drôle de Felix» wird trotz der darin behandelten Themen wie Aids, Rassismus, Homosexualität oder Vatersuche von einer stimulierenden Leichtigkeit geprägt. Wie ist Ihnen das gelungen?

Oliver Ducastel: Das rührt vom Standpunkt her, wie wir die einzelnen Themenkreise filmten. Das heisst, wir haben zwei Männer, die sich im Bett küssen, in der gleichen Art gefilmt wie einen «Bruder» und eine «Schwester», die in der Nacht etwas besprechen. Oder zwei Jungs, die aus dem Busch kommen und sich fragen, was sie mit dem Präservativ anfangen sollen, weil sie die Natur nicht verschmutzen wollen.

Jacques Martineau: Die Medikamente hingegen geben Felix eine gewisse Beschränkung, eine Art Regularität, die im Widerspruch zur Zufälligkeit seiner Reise steht.

Trotzdem hinterlässt der Film einen erfreulichen Eindruck von Freiheit ...

Jacques Martineau: Bezüglich der Identität und der Familie spricht der Film auch davon. Es geht darum, wie man seine eigene Freiheit findet.

Oliver Ducastel: Wir drehten den Film auch mit einem grossen Gefühl der Freiheit. So haben wir beispielsweise nie die mindesten Vorurteile um uns herum gespürt. Auch nicht, als wir die Schauspieler nackt und sich küssend gezeigt haben. Geholfen hat dabei sicher auch, dass wir für den Dreh genügend Zeit zur Verfügung hatten. Und das ist schliesslich auch eine nicht verständliche Freiheit. Der Schauspieler Sami Bouajila trägt den Film von Anfang bis Ende. Wie haben Sie ihn ausgewählt? Oliver Ducastel: Wir sahen ihn zum ersten Mal in Karim Dridis «Bye-Bye» und waren hingerissen von der Vielfalt seines schauspielerischen Talents, seiner Eleganz und seiner Ausstrahlung. Als wir ihn zum ersten Mal trafen, bestätigte er unseren Eindruck.

Auf seiner Reise von Dieppe nach Marseille wird den Zuschauern auch der aktuelle Zustand Frankreichs gezeigt. Auf der einen Seite stehen die netten Bekanntschaften, die Felix macht, und auf der anderen Seite wird er mit dem Rassismus konfrontiert. Ist das nicht zu sehr Schwarzweissmalerei?

Oliver Ducastel: Es geht um einen Zustand Frankreichs aus extrem subjektiver Sicht, auf einer speziellen Reiseroute, die besonders die Auvergne durchquert und die grossen Städte wie Paris und Lyon auslässt. Es stimmt, wir entschlossen uns bewusst, mehr Zeit mit sympathischen Menschen zu verbringen. Doch im Grunde genommen schnitten auch diese Figuren problembeladeneThemen an, die jedes für sich allein einen ganzen Film füllen würden. Unsere Arbeit soll vielmehr zum Denken anregen und nicht zuletzt Unterhaltung sein.

 

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