«Einsamkeit hat auch etwas Schönes»

Peter Plate von «Rosenstolz» über das Leben und die neue CD «Kassengift»

Kein «Kassengift», denn das gleichnamige Album von Rosenstolz ist in Deutschland bereits die Nummer eins und sorgt in der Popszene für grosses Echo. Der Cruiser unterhielt sich mit dem erfolgreichen Rosenstolz-Duo.

Auf «Kassengift» schlagt ihr erstmals ganz neue Töne an. Wieso?

Peter Plate: Wir mussten uns einen Tritt in den Arsch geben und auch andere Musikelemente zulassen. Trotzdem erkennt man unsere Balladen immer noch. Das wird auch so bleiben, denn ich liebe Balladen. Auf dem neuen Album hat es viele davon, denn ich war letzten Winter oft traurig, weil mein Freund beruflich lange in den USA war.

Euer Album heisst «Kassengift», weil eure Songs nach wie vor von diversen Radiostationen nicht gespielt werden ...

Peter Plate: Ja, es ist eine kleine Rache, aber eine mit Augenzwinkern. Lustigerweise wird unser neues Video zu «Amo Vitam» gerade jetzt von MTV und VIVA gespielt.

Inzwischen wird die Hitparade immer häufiger von ehemaligen «Big Brother»-Insassen dominiert. Stört euch das nicht?

Peter Plate: Ich habe nichts dagegen, dass Zlatko und Co. singen und dass es Leute gibt, die das kaufen wollen. Ich finde es aber ausserordentlich schade, dass viele ernsthafte Künstler von den Plattenfirmen nicht unterstützt werden.

Warum singt ihr «Amo Vitam» in Latein?

Peter Plate: Zuerst war die Melodie da, und ich wusste, dass es in Richtung Opernarie gehen würde. Und da wäre Deutsch eindeutig nicht möglich gewesen. Viele dachten zwar, wir seien wahnsinnig, doch jetzt ist «Amo Vitam» die erfolgreichste Single von Rosenstolz.

«Amo Vitam» bedeutet «Ich liebe das Leben», aber im Song heisst es dann auch: «Warum bin ich einsam?» Bist du denn oft einsam?

Peter Plate: Absolut. Gerade in meinem Beruf, wo man viel unterwegs ist und von Stadt zu Stadt reist, gibt es diese Momente. Aber Einsamkeit hat auch etwas Schönes und Inspirierendes.

«Total Eclipse» singt ihr auf Englisch. Plant ihr noch weitere englische Songs?

Peter Plate: Nein, das war eine Ausnahme, da AnNa und ich grosse Klaus-Nomi-Fans sind. Wir arbeiten hingegen an einem französischen Album mit alten Rosenstolz-Songs.

Schön, doch zurück zu einem gesellschaftlichen Thema. Die deutsche Regierung will Schwule und Lesben endlich gleichstellen. Was hältst du davon?

Peter Plate: Ich fürchte, es wird lediglich eine Light-Version geben. Dabei sollte man mal grundsätzlich das Modell Ehe in Frage stellen.

Du bist seit mehr als 10 Jahren mit deinem Freund Ulf zusammen. Treu?

Peter Plate: Unsere Beziehung ist sexuell offen, in der Liebe bin ich aber absolut treu.

Hast du viele One-Night-Stands?

Peter Plate: Sagen wir es so: Ich gehöre zu denen, die nach einem One-Night-Stand noch grüssen.

Was sagst du dazu, dass immer mehr «Bareback»-Partys stattfinden?

Peter Plate: Es ist schrecklich und total bescheuert. Man hat ja schliesslich auch Verantwortung gegenüber dem anderen.

Letztes Jahr hast du dich zu Gunsten der Aids-Hilfe öffentlich am TV für eine Nacht angeboten. Eingelöst?

Peter Plate: Ja, die 10'000 Mark gingen an die Deutsche Aids-Hilfe. Es gab aber lediglich ein Nachtessen mit einem wohlhabenden Herrn und seinen Freunden - nicht mehr. Ansonsten bin ich ja «billiger» zu haben.

Du schreibst Song für Song. Keine Angst davor, dass du irgendwann total ausgebrannt bist?

Peter Plate: Nein, denn Songschreiben ist das, was mir am meisten Spass macht. Es ist mein persönliches Tagebuch des Lebens. Es wird also noch viel zu hören sein von Rosenstolz.

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