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Sind Lesben und Schwule
etwas Besonderes?
Bundesrat
präsentiert schwachen Kompromissvorschlag zur Registrierten Partnerschaft
Nach jahrelangen Forderungen
schwuler und lesbischer Organisationen nach gleichen Rechten hat nun der
Bundesrat ein Gesetz über eine registrierte Partnerschaft angekündigt.
Allerdings brauchen gleichgeschlechtliche Paare noch einige Jahre Geduld
bis soweit ist. Und eine volle Gleichstellung will der Bundesrat (noch)
nicht: Für uns sollen Sonderregeln gelten ...
Langer Kampf um
gleiche Rechte
Zur Erinnerung: Seit Jahren fordern Lesben und Schwule «gleiche
Rechte für gleichgeschlechtliche Paare». 1995 haben die Lesben-
und Schwulen-Organisationen eine entsprechende Petition mit 85'000 Unterschriften
im Bundeshaus eingereicht.
Auf Grund dieser Petition und mehrerer Vorstösse im Nationalrat hat
das Bundesamt für Justiz im Juni 1999 einen Bericht veröffentlicht,
welcher die rechtlichen Benachteiligungen gleichgeschlechtlicher Paare
im Schweizer Recht auflistet und mögliche Massnahmen aufzeigt. Im
Vernehmlassungsverfahren zu diesem Bericht hat sich die grosse Mehrheit
der Parteien und der Kantone für die Schaffung einer registrierten
Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare geäussert.
Am 27. September letzten Jahres hat - parallel dazu - der Nationalrat
mit grosser Mehrheit beschlossen, die entsprechende Gesetzgebung an die
Hand zu nehmen.
Ruth Metzler kündigt
Handeln an
Nun hat Bundesrätin Metzler am 25. Oktober das Bundesamt für
Justiz beauftragt, einen Gesetzesentwurf für eine registrierte Partnerschaft
auszuarbeiten. Auch der Bundesrat ist damit der Meinung, die rechtliche
Lage von Lesben und Schwulen solle bald verbessert werden.
Dadurch beginnt nun die Verwaltung endlich mit der konkreten Arbeit an
einem Gesetz über eine registrierte Partnerschaft. Das Parlament
seinerseits hat seine Arbeiten in dieser Sache suspendiert und wartet
auf die Vorschläge des Bundesrates.
Gesetz frühestens
2004
Die Geduld der Schwulen und Lesben dürfte allerdings noch einige
Jahre strapaziert werden.
Konkret ist etwa mit folgendem Zeitplan zu rechnen: Bis nächsten
Sommer sollte die Verwaltung einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet haben.
Dann will Ruth Metzler erneut eine Vernehmlassung durchführen ...
Zeitbudget: ein halbes Jahr. Im Frühjahr 2002 könnte der Bundesrat
seinen Antrag an das Parlament verabschieden. Das Parlament braucht -
inklusive Differenzbereinigungen zwischen National- und Ständerat
- wohl mindestens ein Jahr, um das Gesetz zu beraten. Also wird es Frühjahr
2003, bis hier mit einem Resultat zu rechnen ist. Kommt noch ein Referendum
zu Stande (und damit ist zu rechnen, falls nicht ein Wunder die christlich-fundamentalistischen
Kreise noch bekehren sollte ...), so könnte eine Abstimmung etwa
im Herbst 2003 stattfinden.
Die ersten gleichgeschlechtlichen Paare könnten sich - ein Volks-Ja
in der Abstimmung vorausgesetzt - also im Sommer 2004 registrieren lassen.
Frühestens.
Andere Länder
sind weit voraus
Es könnte auch schneller gehen. Die Lesbenorganisation Schweiz (LOS)
und das Schwulenbüro Pink Cross haben diesen Sommer selbst einen
Gesetzesentwurf ausgearbeitet und ihn in zwei Sprachen der Rechtskommission
und dem Bundesamt für Justiz vorgelegt. Er lehnt sich eng an die
Gesetze über eine registrierte Partnerschaft an, welche in den skandinavischen
Ländern bereits seit Jahren in Kraft sind. Andere Länder haben
nämlich bereits seit Jahren Erfahrungen mit der registrierten Partnerschaft
gesammelt: So hat Dänemark seit 1989 ein entsprechendes Gesetz, und
inzwischen haben Norwegen, Schweden, Island und Holland mit einem solchen
Gesetz nachgezogen. Die Gesetze dieser Länder müssten an sich
für die Schweiz nur angepasst werden.
Seit 1999 können übrigens auch in Frankreich gleich- und gemischtgeschlechtliche
Paare einen - allerdings viel weniger weit gehenden - Pacte civil de solidarité
(Pacs) schliessen.
Volksabstimmung
zur registrierten Partnerschaft
Doch das drohende Referendum bremst in der Schweiz das politische Räderwerk:
Im Gegensatz zur Situation in anderen Ländern kann eine entsprechende
Gesetzgebung bei uns nicht einfach durch das Parlament verabschiedet werden.
Sie untersteht dem fakultativen Referendum. Das heisst: Das Volk dürfte
in dieser Frage das letzte Wort haben.
LOS, Pink Cross und weitere Organisationen beginnen bereits heute, sich
auf den nötigen Abstimmungskampf vorzubereiten.
Sonderlösung für Schwule und Lesben?
Das drohende Referendum hat leider auch zur Folge, dass bereits jetzt
nach Kompromissen und abgeschwächten Lösungen gesucht wird.
Ruth Metzler schlägt eine Sonderlösung für gleichgeschlechtliche
Paare vor. Im Gegensatz zur Regelung in den skandinavischen Ländern
und in Holland sollen registrierte Paare nicht die gleichen Rechte wie
Ehepaare erhalten. Für sie sollen vielmehr «relativ eigenständige
Regeln» gelten. Wo konkret die Unterschiede liegen sollen, ist jedoch
unklar.
An ihrer Pressekonferenz hat die Bundesrätin festgehalten, dass der
Tatsache Rechnung getragen werden solle, dass Schwule und Lesben in der
Regel kinderlose Doppelverdiener seien. Eigenständige Regeln seien
deshalb etwa im Güterrecht und bei der Kinderadoption angebracht.
(Das Güterrecht regelt die Frage, wie die Güter der beiden Personen
bei Auflösung der Partnerschaft aufgeteilt werden.)
Schwule und Lesben
wollen keine Sonderrechte
Pink Cross und LOS haben das Suchen nach Sonderlösungen für
Schwule und Lesben kritisiert. Schwule und Lesben wollen kein Sonderrecht,
sondern schlicht die gleichen Rechte und Pflichten wie Ehepaare. Kinderlose
und doppelverdienende Hetero-Paare - wie beispielsweise das Ehepaar Metzler
selbst - dürfen ja auch ohne Wenn und Aber heiraten.
Es gibt keinen Grund, diese Rechte Schwulen und Lesben vorzuenthalten.
Es gibt auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren viele - insbesondere lesbische
- Paare, welche Kinder aufziehen (vor allem solche, die aus früheren
Beziehungen stammen). Es gibt ebenso Paare, bei denen eine der beiden
Personen vorübergehend oder dauerhaft die Erwerbsarbeit reduziert
oder aufgibt. Sonderlösungen sind in keiner Weise sachlich gerechtfertigt.
Damit steht leider
fest: Die Schwulen- und Lesbenbewegung kann sich noch längst nicht
zurücklehnen. Um den schleppenden Fahrplan zu beschleunigen und um
zu verhindern, dass für gleichgeschlechtliche Paare ungerechtfertigte
Sonderlösungen getroffen werden, ist noch viel Einsatz nötig.
Bernhard Pulver
Eine Internetlösung der  |