Bischof von Sion sieht Pink
Schwul/lesbische Lebensfreude und gleiche Rechte sollen «schädlich» für die Walliser sein.

Anfangs Jahr gab es in der Presse eine kurze Meldung: Sion verhält sich ablehnend gegenüber dem Aufmarsch von Schwulen und Lesben zur Pride 2001. Etwas später in der NZZ: «...haben die Behörden von Sitten den Wunsch geäussert, man möchte dem Städtchen die für den Sommer hier geplante Gay Pride ersparen. Das war etwas naiv, denn solche Wünsche werden gewöhnlich als Aufforderung verstanden, etwas erst recht zu tun…»
Ab Mitte März mischte dann auch der Bischof von Sitten samt Teufel mit. In der Botschaft zur Fastenzeit nannte er Gay-Pride «ein Spiel des Teufels». In einem Zeitungsinterview kam es schliesslich noch dicker: «der Anfang des Untergangs unserer Kultur». Wobei er unverblümt Vergleiche mit dem römischen Reich machte: «... was waren die Zeichen des Untergangs? Die Dekadenz!» (gemäss Bischof Brunner ist offenbar dekadent das Gleiche wie homosexuell).
Dann meldete sich noch die Gruppe «RomanDit», Traditionalisten wohl aus dem Umfeld des erzkonservativen Priesterseminars Ecône mit einem ganzseitigen Inserat in der Walliser Zeitung «Nouvelliste». Ein Pamphlet der übelsten Sorte. Der Verfasser schreckt vor Unwahrheiten und verdrehten Aussagen nicht zurück, wie etwa: «Homosexuelle sind eine Gefahr für die Jugend und die Gesellschaft, sie sind kriminell und Träger diverser Krankheiten». Fazit des Inserates - mit einer Petition sollen die Behörden von Sion aufgefordert werden die «Gefahr» Gay Pride zu verbieten. Über einen französischen Provider erschien der Inhalt des RomanDit-Inserates auch im Internet .
Als Folge all dieser Entwicklungen war glücklicherweise im Wallis der bischöflich beschworene Teufel los. Beim «Nouvelliste» hagelte es Proteste. Der Chefredakteur François Dayer kam unter Druck und brachte eine Klarstellung: die Redaktion habe mit den Inseraten nichts zu tun und zudem müsse sie sich nicht für die sprachlichen Exzesse eines Inserates verantworten. Weiter meinte Dayer jedoch, eine Gay Pride in der Kantonshauptstadt führe kaum dazu, die Dialogbereitschaft und die Akzeptanz gegenüber Homosexuellen zu fördern. Er befürchte im Gegenteil eine Verhärtung der Fronten. Eine wohl eher flaue Antwort.
Sogar der Bischof von Sitten wurde aus seiner Reserve gelockt: er distanzierte sich im «Nouvelliste» von den Texten des RomanDit-Inserates und zeigte sich «très étonné», dass sein Name mit der RomanDit in Verbindung gebracht wurde. Aber in der Sache bliebt er bei seiner Meinung: «... et ma position en la matière n'a pas changé». Die Verteufelung geht also weiter.
Wogen machen vor der Deutschschweiz nicht halt
Jetzt bieten gesamtschweizerische Schwulen- und Lesbenorganisationen, die Aidshilfe und weitere Vereinigungen auf schweizerischer und kantonaler Ebene Schützenhilfe. Der französische Provider kippt nach Protesten die skandalöse RomanDit-Seite aus dem Netz. Es entsteht eine Aufklärungskampagne: ein Inserat widerlegt die üblichen Vorurteile (als Antwort auf das RomanDit-Inserat) und erklärt, warum Sion als Pride Veranstaltungsort ausgesucht wurde.
In Genf, Lausanne, Fribourg und Bern fanden in den vergangenen Jahren diese Veranstaltungen bereits statt und im Jahr 2002 während der Expo wird der Pride in Neuchâtel stattfinden. Um den Kreis in der Romandie zu schliessen bleiben nicht mehr viele Kantone und deren Hauptorte übrig. Jetzt ist das Wallis an der Reihe. Und das ist nun mal Sion, Bischofssitz hin oder her.
Der Pride 2001 findet in Sion statt!
Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 22. März den Gay Pride bewilligt. Die Veranstalter haben eine Bitte an die Deutschschweizer «en conclusion, nous vous invitons cordialement, chères amies et chers amis du Valais, à venir à notre rencontre dans les rues de Sion le 7 juillet 2001. Nous pourrons engager le dialogue, dissiper les malentendus et faire la fête avec vous. Faire la fête contre l'intolérance et pour les libertés de tous.»
Also liebe Cruiser Leser und Leserinnen: Auf ins Wallis! Lasst uns am 7. Juli Farbe bekennen und Buntheit nach Sion bringen - zeigen wir uns solidarisch mit der Gay-Community der Romandie. Mit viel Pink und allen Regenbogenfarben. Das wird ein himmlisches Fest in einer paradiesisch schönen Ecke der Schweiz.
Martin Ender

 

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