Schrill oder stinknormal?
Am CSD/Gay Pride gibt's keinen Garderobenzwang!

Regelmässig und rechtzeitig zum CSD gibt's die guten Ratschläge: "Demonstrieren ist ja schon gut. Schwule und Lesben haben ja Recht, Rechte zu fordern - aber müssen sie am CSD so schrill daherkommen? Mit Federn, in Lack und Leder oder halbnackt? Geht's nicht auch diskreter?"
So tönt's nicht ausschliesslich von der Kanzel und aus Behördenmunde. Nicht allein im Wallis. Auch in Zürich. Und nicht nur aus dem Hetero-Block. Nein, es gibt auch unter uns eine ganze Menge Leute, denen der CSD-Auftritt zu karnevalistisch ist.
Nur, eine Ausrede darf das nicht sein, nicht mitzumachen. Mann/Frau darf ja auch ganz alltäglich angezogen daherkommen. Oder wie wär's in der Berufskleidung? Erkennbar als Arzt, Bauarbeiter, Polizist oder wie's die "NETWORKer" vorgemacht haben im Anzug als "schwule Führungskräfte und Unternehmer". Ganz nach dem Motto-Untertitel des Zürcher CSD: "Lesben und Schwule sind überall". So oder so, die schrillen Figuren und Farbtupfer gehören einfach zum CSD. Denn für die Pressefotografen sind die grauen Mäuse nicht so dankbar wie die schrillen Outfits. Und die Presse soll uns ja wahrnehmen und durch die Berichterstattung auf uns aufmerksam machen. Danken wir's also den Schrillen, wir, die so normal daherkommen.
Der Christopher Street Day ist ein wichtiger Anlass, die Anliegen von Schwulen und Lesben bekannt zu machen. Zur Erinnerung: 1969 in New York wehrten sich schwule Männer erstmals gegen die willkürlichen Razzien der Polizei. Im Zentrum stand die Bar "Stonewall" an der Christopher Street. Die New Yorker wurden auf die Missstände aufmerksam. Und in den folgenden Jahren breitete sich die Idee, sich offen, kämpferisch, fordernd und feiernd zu zeigen, über die ganze Welt aus unter dem Begriff Christopher Street Day (CSD).
Die Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben ist in den gut 30 Jahren seit "Stonewall" zwar gewaltig angewachsen. Andererseits zeigt eine aktuelle Studie, dass sich 2/3 der befragten Lesben und Schwulen am Arbeitsplatz diskriminiert fühlen. Sei es durch Mobbing, Hänseleien, dumme Sprüche, Beschimpfungen und Beleidigungen.
Es ist also wichtig, dass möglichst viele (mindestens das andere Drittel) am CSD auf die Strasse gehen. In Zürich, im Wallis und weltweit - stellvertretend für alle, die sich (noch) nicht so offen zeigen können oder wollen.

CSD Zürich, 23. Juni
Der Zürcher CSD unter dem Motto: "Work Together, Arbeit - Liebe - Leben" sucht in diesem Jahr den Dialog mit Gewerkschaften und Arbeitgebern und hat sie eingeladen mitzumachen. Der Einladung Folge leistet auch ein prominenter Redner für die Eröffnungskundgebung auf dem Helvetiaplatz: Bundespräsident Moritz Leuenberger wird dem CSD Zürich das nötige Gewicht geben. Allein diese Tatsache ist doch einen Besuch des CSD in Zürich wert. Man darf auf die Rede gespannt sein. (Zu hoffen, dass auch die "Sachbearbeiterin" Bundesrätin Ruth Metzler sie zu hören bekommt.)
Der CSD Zürich ist einerseits politische Demonstration. Andererseits eine Riesenparty. Man darf von A bis Z mitmachen oder wählen. Die Eröffnungsfeier auf dem Helvetiaplatz berücksichtigt die politischen Anliegen. Der Zug durch die Stadt wird schon beiden Aspekten gerecht und die grosse Partystimmung ist auf dem Platzspitz angesagt. Auch hier gilt das Motto "together". Eingeladen sind nämlich alle, ob lesbisch, schwul, bi, oder hetero. Dank dem angebotenen Kinder-Hütedienst auf dem Platzspitz durch die Pfadi können auch Personen mit Kindern dabei sein. Und natürlich gibt's in allen bekannten Lokalen spezielle CSD Partys bis tief in die Nacht.

Unser Tipp: Wer in Zürich Bedenken hat, von Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Kunden gesehen zu werden, kann ja den CSD im Wallis oder in Ravensburg oder sonstwo auf der Welt besuchen.

Gay Pride der Romands: Sion, 7. Juli

Ins Wallis können auch alle fahren, die in Zürich bereits gefeiert haben. Nach zwei Wochen ist man ja wieder partyfit! Wir haben im letzen Cruiser ausführlich berichtet über die Widerstände gegen die Gay Pride in Sion. Unterdessen geht die Opposition weiter. Der Protest gegen "Zuhälterei der Homosexuellen auf dem Schulhof" hat wohl damit zu tun, dass die Walliser zum Gay Pride das Motto gewählt haben: "éducation", im Signet als "Eduqu' à Sion". Jetzt kommen uralte Ängste auf, dass durch Erziehung die Walliser Kinder schwul und lesbisch werden könnten.
Aufklärung tut not. Grund genug, auch hinzufahren, mit den Romands Solidarität zu zeigen, sie zu unterstützen - auf dass auch in Sion eine eindrückliche Demo und ein Riesenfest stattfinde! Und wer noch nicht genug hat und zwischen Zürich und Sion noch was erleben will, der fahre nach Ravensburg.

Christopher Street Day Baden Württemberg: 30. Juni in Ravensburg

Für 2001 wurde das Motto "Land in Sicht!"gewählt. Der CSD am See gewinnt Land wie die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen in Deutschland. Lebenspartnerschaft ist hier keine Zukunftsmusik mehr. So ist auch verständlich, dass es bei der Organisation des CSD der letzten Jahre immer weniger Probleme gab. In Lindau war die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Polizei ausgesprochen gut. Dieses Jahr in Ravensburg genauso. Von sich aus präsentierte das Ordnungsamt Ravensburg akzeptable Demo-Strecken.
Verschiedene schwule Freizeitgruppen bieten gemeinsam über das CSD-Wochenende Programme an. Mit einer Info-Meile auf dem Festplatz Kuppelnau startet das Programm am 30. Juni ab 10 Uhr. Um 13 Uhr beginnt die CSD-Südwest Demo/Parade am Bahnhof Ravensburg.
Verschiedene Talk-Gäste und Live-Acts, wie die Tanzgruppe "River Dance" aus Basel und DJ Hartmut Thomas werden für Stimmung sorgen. Bei der Abendgala im Bärengarten wird mit einer schwulen Version der "West Side Story" und einer 70er/80er Party der CSD-Südwest gefeiert.
Infos rund um den CSD-Südwest Ravensburg 2001 gibt's unter csdamsee@gmx.de

Der Cruiser hofft, dass allen Cruiser Lesern mindestens einer der drei Termine passt. Und wünscht einen schönen CSD. Wo auch immer.

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