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Von der Federboa
zur Amtskette "Ich bin weltweit
die erste transsexuelle Frau in einem nationalen Parlament", sagt
Georgina Beyer selbstbewusst über sich. In ihrem Heimatland Neuseeland
feiert die Presse sie als "Supreme Queen". Wo sie auftritt,
wird die 43-jährige mit stehender Ovation begrüsst. Mitte der Achtzigerjahre, die konservative Farmer- und Bauerngesellschaft Neuseelands befand sich im Umbruch, sollte auch die Zeit der Veränderung für Beyer werden. Eine der Debatten war die erbitterte Diskussion über die Legalisierung der Homosexualität. "1985 hatten die Menschen Angst, die Entkriminalisierung der Homosexualität werde die Gesellschaft tiefgreifend und negativ verändern. Heute wissen wir, dass die Gesellschaft tatsächlich tiefgreifend verändert wurde. Sie ist sehr viel toleranter und offener geworden", erinnert sich Peter Wells, Regisseur des 1985 gedrehten Films "Jewel Star". Er habe damals zwei Jahre mit den Zensurbehörden des Landes ringen müssen, bis sein Film "ein Tag im Leben einer Transsexuellen" im Fernsehen gezeigt wurden durfte. Der Film erhielt dann jedoch fünf Nominierungen für den neuseeländischen Fernsehpreis GOFTA. Darunter den für die beste Hauptdarstellerin. Und das war Georgina Beyer. Keine vier Jahre später
begann Georgina Beyer, eher zufällig, ihre politische Karriere, die
sie innerhalb von gerade mal neun Jahren von der Aktivistin gegen Kürzungen
im Sozialetat zur international bekannten Parlamentsabgeordneten werden
liess. In Beyers erstem Wahlkampf war ihre Transsexualität ein grosses Medienthema. "Ich war 17, als ich begann, alles Männliche in mir zu zerstören". Die von Maoris abstammende Beyer hatte sich selbst geoutet. Einen Monat vor ihrer Wahl in das Parlament Neuseelands veröffentlichte sie ihre Biografie "Change For The Better". "Die Wähler haben das Recht genau zu wissen, wer sich um ein Mandat bemüht", findet Beyer. Ihre Wiederwahl 1998 mit rund 90 Prozent der Stimmen war ein Erdrutschsieg. Offene Anfeindung wegen ihrer Transsexualität erfährt Georgina Beyer nicht. "Georginas Gegner", ist sich Regisseur Peter Wells sicher, "trauen sich nicht aus der Deckung heraus. Dazu ist Georgina zu beliebt. Aber die Betonköpfe' laueren nur darauf, dass Georgina einen falschen Zug macht, und dann kommen sie aus dem Unterholz." Das Verhältnis zu ihrer Familie ist distanziert. "Mich erfüllt es heute noch mit Bitterkeit, dass vor allem mein Bruder und meine Schwester nicht da waren, als ich sie am meisten benötigte." Ihre wichtigste Vertrauensperson und engste Freundin ist seit den Coming-Out-Tagen die opulente Carmen. Die heute 65-jährige, die schon in den prüden 50er und 60er Jahren als Transsexuelle in ganz Neuseeland bekannt war, ist "unsere Stammesälteste", sagt Beyer. Es bedurfte zweier Anläufe der heutigen Ministerpräsidentin Helen Clark, um Beyer zum Einstieg in die landesweite Politik zu überreden. "Das erste Mal habe ich abgelehnt. Ich war glücklich in meinem Job als Bürgermeisterin." Im Herbst 1999 gab sie dem erneuten Werben der Labourpolitikerin nach. Die Rechnung Clarks, die mit der Kandidatur Beyers die Weltoffenheit und Liberalität ihrer Partei unterstreichen wollte, ging auf. Georgina Beyer eroberte in dem lange als konservative Hochburg geltenden Wahlkreis Wairarapa das Direktmandat. Für eine zweite Amtszeit steht Beyer nicht zur Verfügung. Sie will sich wieder stärker für die Menschenrechte von Schwulen, Lesben und Transsexuellen einsetzen und dafür auch auf internationaler Ebene ihren Ruhm als "erste transsexuelle Parlamentsabgeordnete" nutzen. Für ihre Prominenz und ihren Kultstatus zahlt Beyer auch ihren Preis. Die 43-jährige ist Single und macht sich wenig Hoffnung auf einen festen Partner. "Zum einen müsste der mit dem Medienrummel klarkommen. Und zum anderen muss ein Mann, der sich mit einer transsexuellen Frau einlässt, sich zwangsläufig mit seiner eigenen Sexualität und seiner Rolle als Mann auseinander setzen. Das zusammen ist für die meisten zu viel." Selbst mal einen Mann für die Nacht "aufzureissen" traut sie sich in Neuseeland nicht. "Ich habe immer die Befürchtung, dass jemand sein Sexabenteuer mit der Beyer' brühwarm an die Medien weiterreichen könnte." Für Vergnügungen dieser Art reise sie gelegentlich nach Sydney. Michael Lenz
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