Mr. Gay: fröhlich und unkompliziert
Thomas will in seinem Amtsjahr etwas tun und sich für die Schwulen einsetzen

Thomas ist ein junger Mann, «just a nice guy». Einige halten ihn für stolz, unnahbar. Ist er nicht - er ist eher scheu. Er ist hübsch. Er ist unkompliziert. Im Gespräch leuchten seine Augen, wenn er etwas erzählt. Seine Fröhlichkeit ist ansteckend. Er studiert Communication Systems in Lausanne, wohnt in Bern, hat einen Zwillingsbruder, der Medizin studiert. Vor zwei Jahren war er auch für zehn Monate in Schweden, hat schwedisch gelernt und festgestellt, dass die Gay-Szene in Schweden gar nicht so toll ist, wie man immer denkt. Im Dezember 2001 wurde er zum Mr. Gay 2002 gewählt. Ja natürlich, er ist schwul.

Er nimmt sein neues «Amt» ernst. «Für mich ist es eine moralische Verpflichtung. Ich will etwas tun, möglichst etwas bewegen in meinem Jahr als Mr. Gay. Ich möchte, dass die Toleranz gegenüber Schwulen (und auch Lesben) grösser wird. Das ist kein Problem mehr in der Stadt Zürich oder praktisch keines mehr. Zürich ist die Hauptstadt der schwulen Szene in der Schweiz. Aber es gibt andere Städte und auch ländliche Gegenden in der Schweiz, wo das Umgehen mit dem Schwulsein nicht so selbstverständlich ist. Und dafür will ich mich einsetzen. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes sollen merken, dass es uns gibt. Wir sind vorhanden!» meint Thomas. «Dass es nun (hoffentlich) bald möglich ist, eine schwule Partnerschaft eintragen zu können, ist faszinierend. Ich würde es auch cool finden, ein Kind aufziehen zu können. Aufgaben gibt es noch sehr viele. Aber auch ich bin kein Zauberer. Und ich will auch nicht die ganze Welt in Rosa tauchen. Vielleicht kann ich auch jungen Schwulen ein wenig helfen, ihnen ein kleines bisschen Lebensberatung geben.»

«Die Zeit gleich nach der Mr. Gay-Wahl war schon anstrengend. All die Termine mit den Medien. Plötzlich rissen sie sich um mich, bloss weil ich diese Wahl gewonnen habe. Ich mache aber auch interessante Feststellungen. An Parties oder auch auf der Strasse gucken mich sehr oft schwule Männer an und wenden dann ihren Blick wieder ab. Sie wagen es nicht, mich anzusprechen. Dabei bin ich doch haargenau der gleiche Mensch wie vorher. Nun wird es sicher wieder etwas ruhiger werden und dann habe ich wieder etwas mehr Zeit für mich.»
Am Samstag 12. Januar 2002 durfte Thomas im Bierhübeli in Bern während der «Nacht des Rosaroten Adrians» den «Rosaroten Adrian für besondere Verdienste» präsentieren und SBB-Gutscheine unter die glücklichen Gewinner im Publikum verteilen.
So war es am 1. Dezember im Volkshaus

«Ich war, wie alle Kandidaten vor der Wahl nervös. Gegenseitig machten wir uns Mut. Dann grelles Scheinwerferlicht, viele Leute - darunter auch mein Bruder und meine Schwester. Das Interview ist kurz, und ich habe sogar die Chance meinen Bruder zu umarmen. Nach dem Interview gehe ich zurück in den Presseraum. Wir hätten alle wohl ein Beruhigungsmittel brauchen können. Dann kam das Finale. Wir alle gingen wieder auf die Bühne. Nach und nach stehen nur drei für die ersten Plätze. Roman ist Dritter. Jetzt erhalten ich und Alex den Pokal in die Hand gedrückt. Wir beide sind extrem nervös, schauen uns an und haben extremes Herzklopfen. Beide warten wir nur noch auf einen Namen... Nach Sekunden, die mir eine Ewigkeit schienen... «Mister Gay 2002 heisst Thomas». Meine Gefühle machen einen Sprung. Ich bin irgendwo zwischen Nervosität, Happiness und Dankbarkeit. Ich sehe die Menge, die mich bejubelt und ich halte den Pokal in die Höhe… Ich könnte weinen vor Freude. Alles geht jetzt so schnell. Ich erhalte einen riesengrossen Blumenstrauss und muss noch ein paar Worte an das Publikum richten… danach geht es in den Presseraum.

Alle Finalisten sind versammelt. Die Medien stürzten sich auf mich. Ich muss Fragen beantworten, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe… «Was willst du als Mr. Gay erreichen? Mit welchen konkreten Vorschlägen?» Mein Bruder und meine Schwester sind glücklicherweise auch da und werden vom Blick gerade unter die Fittiche genommen. Es tut gut, jemanden dabei zu haben, der Kraft gibt. Fernsehen, Radio, Zeitung - nach zwei Stunden ist alles vorbei. Ich kann mich ein bisschen an der Black-Party umsehen…»


Umfrage zur Mr. Gay-Wahl

Die Mistergay.ch-Organisation möchte deine Meinung ins zukünftige Konzept einfliessen lassen. Wer soll den Anlass moderieren? Wer soll in der Jury sitzen? Wie lange soll die Wahl dauern? Wie viele Finalisten sollen auf der Bühne sein? Welche Sponsoren würdest du begrüssen? Diese und andere Tipps kannst du auf der Homepage www.mistergay.ch eintragen.

PS. Die nächste Wahl wird bereits am 5. Oktober 2002 an der Black Party in Zürich sein.

 

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