«Liebe kann man nicht spielen!»
Peter Hofmann über schwule Beziehungen und zu seinem neuen Buch

In seinem zweiten Roman «Allein die Welt dazwischen» verstrickt Peter Hofmann geschickt die Kleinbürgerlichkeit von Familie und Leben auf dem Land mit einer schwulen Zweierbeziehung und der Tatsache, wie schnell eine solche auseinander brechen kann. Das Buch ist flüssig geschrieben und hat eine Intensität, der man sich nach den ersten paar Seiten nicht mehr entziehen kann. «Allein die Welt dazwischen» schoss in Deutschland von Null auf Platz eins in der schwulen Bestsellerliste.

Oft braucht es nicht viel, dass zwei Männer eine Beziehung wieder beenden. An was liegt das?
Peter Hofmann: Viele müssen wieder lernen, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen. Man muss eine Beziehung auch wirklich wollen und innerlich dafür bereit sein. In meinem Buch versuche ich aufzuzeigen, dass es sich manchmal lohnt, die Flinte nicht gleich wieder ins Korn zu werfen. Schliesslich hat auch die so genannte «Freiheit» in der Szene ihren Preis.

Wie darf man das verstehen?
Auf der einen Seite Geborgenheit in einer Beziehung und auf der anderen ein offenes Sexleben mit anderen Partnern und Gay-Life, das geht nicht immer gut. Man muss den Begriff Freiheit etwas in Frage stellen.

Bitte erklär das genauer.
Eine Freiheit, wo ich mir jede Woche den Sex in Darkrooms oder ähnlichen Plätzen suchen muss, kann auch schnell zum Zwang werden. Ich bin aber ganz und gar kein Szenehasser, wie man das mir auch schon vorgeworfen hat. Aber wer nur noch Szene lebt, findet sich ganz schnell in einem Ghetto wieder, wo im schlimmsten Fall keine Entwicklung mehr stattfindet.

Was verstehst du unter Entwicklung?
Wenn ich lese, dass sich ein 45jähriger im Internet noch als Boy bezeichnet, dann muss ich dahinter schon ein grosses Fragezeichen setzen. Ausserdem gibt es mir zu denken, wie viele inzwischen wieder unsafe Sexpraktiken betreiben.

In deinem Buch geht es aber auch um das Kleinbürgertum, um aufgesetzte Familientraditionen und unterdrückte Gefühle. Haben diese Passagen autobiographische Züge?
Sicher hatte es auch persönliche Gründe, dass ich ein Buch über Familie und Spiessbürgertum geschrieben haben, aber letztendlich ist es ein Mix. Es sind Essenzen und Zutaten aus verschiedenen Leben, die mir bekannt sind und mit denen ich konfrontiert wurde.
Schlussendlich spreche ich aber ein Thema an, das viele angeht: Man muss alte Brücken abbrechen, um einen Neuanfang wagen zu können. Sich frei machen, um wieder etwas Neues aufzubauen. Und dazu braucht es in der Regel die Konfrontation mit der Vergangenheit, sprich mit den Umständen wie man als Kind und Heranwachsender das Elternhaus und damit verbundene Traditionen erlebt hat.

Hast du inzwischen deine Liebe gefunden?
Ich bin seit gut einem Jahr mit meinem Freund zusammen und ich hoffe, dass etwas Längerfristiges draus wird. Ich hatte aber schon vor dieser Beziehung lange Zeit das Gefühl, dass etwas fehlt.
Die Abenteuer verloren an Reiz und hinterliessen immer mehr einen schalen Nachgeschmack, eine Leere. Ich werde mir also grosse Mühe geben, dass ich noch lange mit meinem Freund zusammen sein und etwas aufbauen kann. Ausserdem liebe ich ihn.

Nochmals die gleiche Frage wie zu Anfang. Warum klappt es denn jetzt bei so vielen schwulen Pärchen nur für kurze Zeit?
Im Grunde ist unsere ganze Gesellschaft infantil geworden. Eine Spassgesellschaft, wo nur noch das Ich wirklich zählt und nicht mehr das Du. Und schwule Männer leben das patriarchale Muster genauso wie die heterosexuellen. Es ist ein einfaches Muster: Die Selbstverwirklichung und der Spass stehen an oberster Stelle und da haben Liebe und Verbindlichkeit oft keinen Platz mehr. Bestenfalls wird ein Beziehung gespielt, aber Liebe kann man nicht spielen.

PW

Zur Person: Peter Hofmann wurde 1965 in Sonneberg/Thüringen geboren und lebt seit 11 Jahren als freischaffender Rundfunkjournalist in Potsdam. Sein Gedichtband «Hurenherz» erschien 1994, sein erster Roman «Berlinsolo» vor einem Jahr beim Querverlag.

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