 |
Schwullesbische Filme
in Frauenfeld
Pink Apple veranstaltet
zum fünften Mal ein Filmfestival
Der Film war nicht
der Anfang. Am Anfang stand das Bedürfnis von wenigen Schwulen und
Lesben im Thurgau, andere Gleichgesinnte im Kanton aus dem Dornröschenschlaf
aufzuwecken, etwas in Bewegung zu bringen. Man wollte einen Treffpunkt
und Diskussionsort für Schwule und Lesben schaffen. Und der Öffentlichkeit
zeigen, dass es im Kanton noch anderes gibt als Bauern und Äpfel.
Filmvorführungen schienen für diese Idee wie geschaffen. Und
natürlich sollten die Filme schwullesbischen Inhalt haben.
Daniel Bruttin bringt die Anfänge auf den Punkt: «Ich wollte
schon immer Entwicklungshilfe leisten». Daniel ist von den ersten
Stunde an und bis heute dabei. Zur Zeit ist er der einzige im Organisations-Team,
der im Thurgau fest sesshaft ist. Und darum ist ihm die Idee immer noch
besonders wichtig:
Pink Apple soll schwullesbische Öffentlichkeit machen. «Es
ist einer der wenigen Anlässe, der Homosexualität thematisiert.
Damit dies weiterhin möglich ist, sind wir darauf angewiesen, dass
Schwule und Lesben im Thurgau aus ihren Verstecken kommen und Pink Apple
besuchen. Die Eintritte der Besucher sind für das Gelingen von Pink
Apple auf dem Lande wichtig, ebenso aber auch die Menschen, die wir gerne
im Cinema Luna in Frauenfeld begrüssen wollen.»
Pink Apple ist in den fünf Jahren in Frauenfeld zu einer Institution
geworden. Darüber hinaus zeigt das Festival eine Auswahl von Filmen
jeweils anschliessend auch in Zürich im Rahmen des Kulturmonats «Warmer
Mai».
Ein Film aus dem interessanten Gesamtprogramm sei hier besonders erwähnt.
«La Parade (notre histoire)» vom jungen Lausanner Filmemacher
Lionel Baier. Zufall oder nicht? In Frauenfeld, wo ein offen schwullesbisches
Leben nicht einfach ist, wird ein Film gezeigt, der aufzeigt, welche Schwierigkeiten
Schwule und Lesben im vergangenen Jahr anderswo in einem konservativen
Kanton der Schweiz hatten, im Wallis.
Man erinnert sich. Den Organisatoren der Gay Pride in Sitten wurden Knüppel
in den Weg gelegt, wo es nur ging. Die Stadt, der Bischof, die ultrakonservative
Vereinigung «RomanDit» wollten die Parade verhindern. Lionel
Baier witterte sehr früh Zünd- und Filmstoff. Sieben Monate
lang hat er die Vorbereitung zur Gay Pride 2001 mit der Kamera begleitet.
Der Film ist in der Westscheiz bereits angelaufen und er wird in den Medien
mit viel Beifall bedacht. Sogar der «Nouvelliste» widmete
dem Filmereignis eine ganze Seite, und die NZZ urteilt «Der Dokumentarfilm
ist ein vielschichtiges und anrührendes Stück Kino geworden,»
und meint weiter «auch die regionalen Mentalitätsunterschiede
hat er mit der Kamera ausgelotet». Lionel Baier drückt es so
aus: 200 Kilometer beträgt die Strecke von Genf nach Sitten - und
20 Jahre.»
Natürlich blickt das Festival auch weit über den lokalen Horizont
hinaus, etwa mit einer Trilogie britischer Filmemacherinnen zum Thema
Gendercrossing, Crossdressing und Rollenspiel in Japan.
Das Frauenfelder Filmfestival steht dieses Jahr unter dem Patronat von
Ettore Cella. Der Schweizer Schauspieler und Regisseur wurde kürzlich
von der Stadt Zürich geehrt. Vom «Tages-Anzeiger» befragt,
wem er einen Preis verleihen würde, sagte er: «Meinem Lebensgefährten,
der es mir ermöglicht, dass ich mit 88 Jahren all das machen kann,
was mich interessiert.»
Pink Apple in Frauenfeld:
15. April - 1. Mai
In Zürich im Rahmen des «Warmen Mai»: 2. - 8. Mai
Programminfos unter
www.pinkapple.ch
Eine Internetlösung
der
|