Warmer Mai - für «uns» gemacht
Ein Zürcher Festival, das sogar schwule Kulturmuffel begeistern kann

Kulturbeflissene Schwule und Lesben machen schnell die Erfahrung, dass «unsere» Themen spärlich vertreten sind. Gängige Kultur zu geniessen ist denn auch nicht so einfach. Nichts gegen Romeo und Julia. Aber Romeo und Julius oder Julia und Romina wären uns lieber. Die ständige Übersetzung der Gefühle macht uns müde. Dennoch sollten wir uns nicht im Fernsehsessel hängenlassen bei den TV-Soaps und -Krimis, nur weil sie die Quoten-Schwulen und -Lesben bereits eingeführt haben.
Wer mit Verdi wenig anfangen kann, wen Shakespeare und Schiller kalt lassen und wer sich auch an Rembrandt nicht erwärmen kann, ist der gleich ein Kulturmuffel? Nicht unbedingt, wahrscheinlich hat er ganz einfach «seine» Kultur noch nicht entdeckt.

Es ist Zeit für unsere Kultur, es ist Zeit für den Warmen Mai!

Wer mit Marianne Dahinden über den Kulturmonat Warmer Mai spricht, spürt sofort: Sie ist mit Leib und Seele dabei. Auf die Frage «macht's Freude?» kommt ein schnelles und kräftiges «Ja!». Und man sieht ihr die Begeisterung auch an. Von Anfang an ist sie dabei und führt zusammen mit Oliver Fritz das Copräsidium des Vereins Warmer Mai.
Der Warme Mai geht auf die EuroGames 2000 in Zürich zurück. Die Vorarbeiten fingen fast zwei Jahre vorher an. Es ging darum, vor den schwullesbischen Sportspielen sozusagen ein Warm-up zu organisieren, die Öffentlichkeit auf den internationalen Anlass aufmerksam zu machen, Goodwill zu schaffen für einen grossen Event der Lesben und Schwulen. Die Arbeitsgruppe stellte ein reichhaltiges Programm zusammen. «Dann gab's eine so gute Resonanz, und wir hatten selber den Plausch daran und sagten uns, das machen wir weiter. Wir gründeten nach den EuroGames einen Verein mit dem Ziel, den Kulturmonat Warmer Mai weiterzuführen.»
So gibt es dieses Jahr in Zürich bereits zum dritten Mal schwullesbischen Kulturgenuss - vielfältiger denn je! Die Veranstalter des Festivals fassen den Begriff Kultur im weitesten Sinne: «Einerseits die kulturellen Angebote Musik, Film, Theater, Kabarett. Kultur ist aber auch alles, was wir zusammen machen, das reicht von den Partys bis Open-Stage, wo Lesben und Schwule was vorlesen. All das ist identitätsstärkend, und alles, was wir miteinander machen, empfinden wir als Kultur.» Und vom Ursprung her zu verstehen, finden auch noch einige sportliche Anlässe Einzug ins Programm.
Ervan Rached, Presseverantwortlicher beim Warmen Mai formuliert es so: «Wenn man einmal mehr das unbeliebte Schema E und U bemühen will: bei uns sind sehr viel Gattungen aus beiden Lagern vertreten. Der Warme Mai ist ein sehr grosser Freiraum - sowohl für diejenigen, die daran arbeiten wie auch für die, die den Warmen Mai besuchen. Es ist eine Chance, aus dem Szene-Alltag oder aus dem Gewohnten überhaupt auszubrechen.»
Die Veranstaltungsorte des Warmen Mai füllen eine ganze Liste. Doch von Montag bis Donnerstag ist der Provitreff das Zentrum. «Das zelebrieren wir richtig. Am ersten Tag ist die Vernissage der Ausstellung und das Welcome-Dinner. Zusammen essen, zusammen trinken, zusammen es schön haben, das ist eben auch Kultur. Und anschliessend gibt's jeden Abend ein kulturelles Programm. Auch mit Leuten, die das erstemal auf der Bühne stehen. Im Festival sollen auch Geschichten mit Werkstattcharakter Platz haben.
Übrigens: Der Provitreff ist der ideale Ort, sich für den Warmen Mai zu erwärmen. Nach Feierabend den Apéro geniessen, schön essen, in entspannter Atmosphäre miteinander reden... und dann kann man immer noch entscheiden: will man eine Veranstaltung besuchen oder einfach draussen sitzen, was trinken und einen lauen Maiabend geniessen.

 

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