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Sexuelle Orientierung
als Verbrechen
Schockierende Berichte
am Rande der Session der UNO Menschrechtskommission in Genf
Die Zahl der verhafteten,
gefolterten oder getöteten Personen ihrer sexuellen Orientierung
wegen auf der ganzen Welt lässt sich nicht beziffern. Selbst «entwickelte»
Länder, wie etwa die USA - wo in einzelnen Staaten noch entsprechende
Gesetze in Kraft sind - gehören dazu.
Vom 18. März bis 26. April wurde im Genfer Palais des Nations, die
58. Session der Menschenrechtskommission durchgeführt, bei der auch
die Schweiz aktiv beteiligt war. Nichtstaatliche Organisationen haben
am Rande der Session die Diskriminierung und Verfolgung von sexuellen
Minoritäten verurteilt und verlangten mehr Schutz.
Menschenrechte
und sexuelle Minoritäten - wo stehen wir heute?
Zu diesem Thema führten am 8. April, ebenfalls im Palais des Nations
Vertreter von Nichtstaatlichen Organisationen, Rechtsanwälte und
Spezial-Berichterstatter der Menschenrechtskommission ein Panelgespräch.
Moderiert wurde es von Yves de Matteis, früher Secrétaire
Romand von PINK CROSS und heute Delegierter PINK CROSS für internationale
Fragen.
Berichtet wurde über Verhaftungen und Todesdrohungen gegenüber
Mitgliedern von Organisationen, die sich für die Rechte von Homosexuellen
und Transsexuellen einsetzten.
Asma Jahangir, Spezial-Berichterstatterin, sagte aus, dass seit April
2001 - der Vorjahrestagung - immer wieder «beängstigende Informationen»
eingegangen sind über Personen, die wegen ihrer sexuellen Veranlagung
Opfer von Todesdrohungen wurden. In diesem Zusammenhang richtete sie einen
dringenden Appell an die Regierungen von Argentinien, Ecuador, Mexiko
und an die zuständigen Autoritäten in Somalia.
Der Präsident der Arbeitsgruppe «Willkürliche Haft»,
Louis Joinet, unterstrich, dass seine Arbeitsgruppe immer mehr von Personen
kontaktiert wird, die ihrer sexuellen Orientierung wegen festgehalten
werden. Er hat die Nichtstaatlichen Organisationen gebeten, seine Arbeitsgruppe
über alle Fälle zu informieren. Er sieht allerdings ein juristisches
Problem, denn das Mandat der Arbeitsgruppe beinhaltet die «Willkürliche
Haft» von Personen, die wegen ihrer Meinung eingesperrt werden -
und die sexuelle Orientierung sei keine «Meinung».
Es wird gegenwärtig diskutiert, wie man den Schutz auf diese Verfolgten
ausdehnen könnte. Die Arbeitsgruppe befasst sich bereits mit zwei
Serien solcher Fälle: Die Verhaftung von rund 50 Personen wegen Homosexualität
in Ägypten. Für ein zweites Land ist das Verfahren noch hängig
und kann deshalb noch nicht offen gelegt werden.
Ignacio Saiz von Amnesty International hat die Verhaftung und Folterung
von Transsexuellen in Ecuador, vor allem in Guayaquil, erwähnt.
Aditya Bondyopadhyay, indischer Rechtsanwalt spezialisiert auf HIV/Aids,
hat von der Diskriminierung gegenüber den Hijras, den Eunuchen, gesprochen.
Man schätzt, dass es in Indien zwischen einer halben und einer Million
Hijras gibt, obwohl seit der Unabhängigkeit des Landes, vor mehr
als einem halben Jahrhundert der Staat ihre Existenz verneint. Die Hijras,
die «Impotenten», betrachten sich weder als Männer noch
als Frauen, sondern bezeichnen sich als einem dritten Sex zugehörend.
Sie erhalten keinen Identitätsausweis, und damit haben sie auch keinen
Zugang zu den sozialen Diensten wie Spital oder Unterkunft. Noch nie wurde
ein öffentliches Amt einem Hijra gegeben, weil das Engagement Männern
oder Frauen vorbehalten ist. Um überleben zu können, arbeiten
viele als Prostituierte.
Verurteilt wurden auch die Verhaftungen von verschiedenen Sozialarbeitern
in Lucknow in Indien, die sich zusammen homosexuellen Gruppen am Kampf
gegen Aids beteiligten. Einer von ihnen wurde für sieben Monate eingesperrt.
Alex Whinnom von der britischen «Press for Change», hat die
schlechte Behandlung von Transsexuellen in Grossbritannien angeprangert:
Belästigung, Vergewaltigung und Entzug der medizinischen Betreuung.
Er wehrt sich auch gegen das britische Gesetz, das keinen Wechsel der
Sexualität zulässt.
Auch die offizielle
Schweiz meldete sich zu Wort
Am 22. März appellierte Botschafter François Nordmann, - permanenter
Vertreter der Schweiz bei den Internationalen Organisationen und Chef
der schweizerischen Delegation der 58. Session, dass die Schweiz ein steigendes
Bewusstsein fördern will, damit Verfolgung und Diskriminierung der
Menschen ihrer sexuellen Präferenzen wegen betrachtet werden wie
Verletzungen der Menschenrechte. Er berichtete auch, dass in der Schweiz
ein Gesetz der registrierten Partnerschaft in Arbeit ist und dass diese
neue juristische Einrichtung die staatliche Anerkennung von homosexuellen
Paaren garantiert.
Am 26. März sprach Bundesrat Joseph Deiss zum Thema «Rassismus,
rassistische Diskriminierung, Xenophobie und alle Formen der Diskriminierung»,
dass die Menschenrechtskommission jederzeit und überall den Dialog
zur stärkeren Beachtung der Menschenrechte führen soll. Er äusserte
den Wunsch, dass die 58. Session zu mehr Humanität führen solle.
Kurt Büchler
Die brutalsten
Facts
Argentinien 2000
Nach Misshandlungen stirbt ein HIV-Positiver im Spital
Ägypten Ende
2001
23 schwule Männer werden zu bis zu 5 Jahren Schwerstarbeit verurteilt
Venezuela Januar
2002
Eine Transsexuelle wird zum Tode verurteilt, und ihre Kampfgenossinnen
werden eingesperrt
Algerien Februar
2002
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz wird ein junger schwuler Mann verhaftet
und verschwindet
Eine Internetlösung
der
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