Schlagerfans sind tolerant
«Hauptsache du liebst» brachte Leonard noch mehr Fans

Erst einmal herzliche Gratulation zu deiner neuen CD, sie gefällt mir sehr gut! Fast im Jahresrhythmus erscheint ein Album von dir, an dem du auch textlich und als Komponist mitarbeitest. Wie frei bist du bei einer Produktion und wer arbeitet alles mit?
Da ich Mitproduzent bin, habe ich sehr viel Mitspracherecht und bestimme selbst, welche Lieder ich singe und welche nicht. Im Gesamten sind mit allen Musikern, Chorsängern und Toningenieur bestimmt an die 20 Leute an einer solchen Produktion beteiligt.

In einem Interview habe ich gelesen, dass du den Eurovision immer mitverfolgst. Wann erleben wir Leonard mal an einem Grand Prix Eurovision?
Ich würde sehr gerne mal daran teilnehmen, aber bis jetzt klappte das nie so richtig.

Wie ist das Leben als Prominenter, der auf der Strasse angesprochen wird. Kommst du gut damit klar?
Wenn mich die Leute direkt ansprechen und mit mir plaudern, habe ich kein Problem damit. Schlimm ist es allerdings, wenn sich die Leute umdrehen und miteinander tuscheln.

Deine TV-Produktionen wurden vom Schweizer Fernsehen ziemlich stiefmütterlich behandelt. Die ewige Geschichte vom dem Propheten im eigenen Lande?
Nicht unbedingt, durch meine Fernsehtätigkeit hat mein Bekanntheitsgrad in der Schweiz stark zugenommen. Durch das zeitintensive Fernsehengagement musste ich allerdings das Auftrittsgeschäft in Deutschland vernachlässigen. Nach meinem Rücktritt als Mode-rator bei «RondoMondo» möchte ich mich jetzt wieder vermehrt auf das Singen konzentrieren.

Du bist seit einiger Zeit in festen Händen, und dass dein Partner ein Mann ist, konnte man vor einigen Jahren als Headline im Blick lesen. Überdeutlich stand da schwarz auf gelb: «Leonard ist schwul!». Was hast du da gefühlt?
Ich fand es anmassend, dass man daraus eine Schlagzeile wie bei einem Verbrecher gemacht hat. Zumal ich ja vorher nie ein grosses Geheimnis um meine Sexualität machte. Ich habe es den Leuten zwar nicht unter die Nase gebunden, aber wer in den Interviews zwischen den Zeilen gelesen hat, wusste längst, was Sache war. Deshalb waren die Fans auch gar nicht überrascht. Ich hatte nicht eine einzige wirklich negative Reaktion.

Warst du schockiert oder hast du davon gewusst?
Es stand ja tags zuvor schon im «Sonntags-Blick» und Wochen vorher habe ich es auch mal bei Roger Schawinski gesagt. Als ich dann die Riesenschlagzeile sah, war ich schon überrascht. Aber nichts desto trotz habe ich mein Trainingszeugs geschnappt und bin am gleichen Morgen ins Fitnesscenter gegangen. Als die Leute genauso wie immer reagierten, dachte ich, so richtig scheint's niemanden zu interessieren. Ich habe das Thema Homosexualität dann sogar in das Lied verpackt «Hauptsache du liebst». Dieses Lied wurde von der Plattenfirma später als Single ausgekoppelt und war 5 Wochen lang der meistgespielte Titel in den deutschen Radiostationen. Das beweist, dass die Schlagerfans viel toleranter und weiter sind, als manche wahrhaben wollen.

Nun versteckst du dich nicht mehr gross, du hast aber auch keine Lust darüber zu sprechen. Wird noch viel in deinem Privatleben herumgestochert oder respektieren die (Boulevard-)Medien deine Privatsphäre?
Ich habe kein Problem über mein Privatleben zu sprechen, denn ich habe punkto Partner wirklich den Lotto-Sechser mit mindestens 5 Zusatzzahlen erwischt. Aber ich mag keine gemeinsame Homestorys, weil dann nur wieder irgendwelche Gerüchte entstehen, wenn mein Partner sich erlaubt mal mit jemand anderem Essen zu gehen. Zudem liegt es an ihm zu entscheiden, ob er mit mir aufs Foto will oder nicht.

Bald ist der CSD und wieder müssen wir für unsere Anlie-gen kämpfen, die registrierte Partnerschaft fordern. Würdest du deinen Lebenspartner «heiraten», oder kannst du dir das nicht vorstellen?
Es ist absolut selbst-verständlich, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte bekommen müssen. Eine Liebe kann sich nur dauerhaft festigen, wenn man sie auch gegen aussen zeigen kann. Es ist traurig, dass man über dieses Thema überhaupt noch diskutieren muss. Alles andere ist inakzeptabel und im höchsten Masse diskriminierend.

Was bedeutet dir der CSD, bist du schon mal mitgelaufen?
Ich finde, der CSD sollte weniger «schrill» daher kommen. Ich glaube, dass man damit gewisse Vorurteile gegenüber Schwulen noch untermauert. Aber ich hätte keine Probleme da aufzutreten. Ich hatte eine Anfrage für Köln dieses Jahr, die ich aber aus Termingründen nicht annehmen konnte.

Welcher Schlagerinterpret ist dir besonders ans Herz gewachsen, und was hörst du selbst zuhause?
Einfach Interpreten, die tolle Schlager mit guten Texten machen. Leider gibt es nicht mehr viele davon, deshalb muss ich oft in die Vergangenheit zurück zu Interpretinnen wie Daliah Lavi, Mary Roos oder Katja Epstein.

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir alles Gute mit der neuen CD und hoffe, dich mal wieder life in Zürich zu erleben.

Das Interview mit Leonard führte Thomy Schallenberger, Pigalle Schlagerbar

 

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