Schöne rosa Arbeitswelt
Die Firmen erkennen: Diskriminierung schmälert Ansehen und Gewinn

Schwul-lesbische Arbeitnehmer outen sich und machen mobil. Die rosa Revolution am Arbeitsplatz geht aber nicht in erster Linie von Gewerkschaften aus. Speerspitze der Bewegung sind Manager, Selbständige und Beamte. In der Schweiz haben sich schwule Führungskräfte im «Network» zusammengeschlossen. Fachfrauen, Kaderfrauen, Führungsfrauen, selbstständigerwerbende Frauen, kulturell tätige Frauen bilden das «Wybernet». Ziel der beiden Organisationen: «Innerhalb der Gay-Community die wirtschaftliche Vernetzung erhöhen, um dadurch gesellschaftlich, kulturell und politisch mehr Einfluss ausüben zu können.»
Ähnliche Organisationen existieren in den Nachbarländern. «Austrian Gay Professionals» nennt sich der Verband der schwulen Manager Österreichs. Das französische Pendant heisst «L'Autre Cercle» und in Deutschland feierte im vergangenen Jahr der « Völklinger Kreis - Bundesverband Gay Manager», kurz VK, bereits sein Zehnjähriges. Gleichwohl ist die Zahl derer gering, die sich am Arbeitsplatz trauen - und erst recht in den Chefetagen - offen zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen.
«Wer nicht dem klassischen, männlichen Bild vom Manager entspricht, hat in den Augen von konservativen Vorstandsvorsitzenden nicht die nötige Durchsetzungskraft für eine Führungsposition», sagte VK-Vorsitzender Klaus Weinrich in seiner Rede zum VK-Jubiläum. Weinrich sieht aber auch einen breiten Regenbogen am Horizont der Arbeitswelt aufziehen. Immer mehr «Firmen erkennen: Qualifikation und Führungsstärke eines leitenden Angestellten werden durch seine sexuelle Identität nicht negativ beeinflusst», so Weinrich. «Im Gegenteil. Wer gelernt hat, dazu zu stehen, dass er nicht der Norm entspricht, hat eine ganz besondere soziale Kompetenz.»
«Diskriminierung schmälert Ansehen und Gewinn» lässt sich das Credo zusammenfassen, das der Kölner Unternehmens-berater Michael Stuber unermüdlich Unternehmen und Medien predigt. Stuber ist Fachmann für das vor gut fünfzehn Jahren in den USA entwickelte und seitdem erfolgreich von Grossunternehmen wie Kodak oder Ford praktizierte Personalführungskonzept «Diversity». Dieses Managementkonzept lasse die vielfältigen Fähigkeiten und unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mitarbeiter voll zur Geltung kommen, erläutert Stuber. Für Schwule und Lesben, sei Diversity das erste Management-Konzept, «das sie natürlich und gleichberechtigt neben andere Gruppen stellt, und ohne den Beigeschmack des ‚Exotischen' eine Integration herbeiführt.»
«Diversity Management» sei aber oft noch eine Mogelpackung, klagt Armin Lohrmann von der schwulen Unternehmensberatung Antinous. Viele europäische Unternehmen glaubten sich «aus der Verantwortung stehlen zu können, indem sie zwar Diversity Management proklamieren, dann aber die anerkannte Primärkategorie ‚sexuelle Orientierung' peinlich berührt unter den Tisch fallen lassen.» Auch reiche es nicht aus, so Lohrmann weiter, Schwule als Zielgruppe des Marketing zu entdecken, diese «Achtung und Wertschätzung» jedoch den lesbi-schen und schwu-len Mitarbeitern zu versagen.
Es gibt jedoch eine zunehmende Zahl von positiven Beispielen. In der Schweiz setzen Unternehmen wie Swiss Re oder Novartis auf Diversity. In Deutschland wurde im April die Deutsche Bank von dem Verband der schwulen Manager, VK, ausgezeichnet. Das Bankhaus habe erkannt, «wie wichtig Vielfalt für weltweiten wirtschaftlichen Erfolg und nachhaltigen Stakeholder Value ist», sagte Stuber, der die Deutsche Bank zu seinen Kunden zählt.
Das Outing schwulen- und lesbenfreundlicher Unternehmen in der Schweiz hat sich auch die «Fachgruppe Arbeitswelt» von Pink Cross, LOS und Network auf die Fahnen geschrieben. Ihre Broschüre «Queer im Job» nennt Beispiele von Gesamtarbeitsverträgen, Firmenleitbildern und Diversity-Kampagnen, die als vorbildlich schwulen- und lesbenfreundlich gelten. «Was der Spartacus für die Ferienplanung ist ‚Queer im Job' für die Arbeitswelt: Eine Zusammenstellung von Plätzen, die für Schwule interessant sind.»

Michael Lenz

 

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