Pride 02 in Neuchâtel : Expo.sez-vous!

Die Gay Pride 02 findet am 13. Juli 2002 in Neuchâtel statt, wo die Veranstaltung auf ein positives Echo in der Bevölkerung gestossen ist. Die Organisatoren wünschen sich einen Umzug mit politischen Aussagen und Inhalten. Auch Gartenzwerge und Drag Queens sind dieses Jahr willkommen.

Der bittere Nachgeschmack der letzten Pride

Die letztjährige Gay und Lesbian Pride stand unter keinem guten Stern: Der Sittener Bischof sprach im Vorfeld der Veranstaltung von einem Werk des Teufels, die rechtskatholische Gruppierung "RomanDit" verteilte diffarmierende Flugblätter in die Walliser Haushalte, von Niedergang von Moral und Ordnung war die Rede. Dazu kamen Spannungen innerhalb der schwul-lesbischen Community selbst, die interne Forderung nach einem "anständigen" Fest ohne Federboas und Stöckelschuhe stiess einigen Exponenten der Szene sauer auf.

Die Ruhe nach dem Sturm in Neuenburg

Tempi passati. In Neuchâtel, wo die Gay Pride am 13. Juli 2002 stattfinden wird, ist vom Wirbel des letzten Jahres kaum etwas zu spüren. Die Veranstaltung wurde in der 34'000 Einwohner zählenden Kleinstadt am Neuenburgersee durchwegs positiv aufgenommen, wie Patrick Taeschler vom Organisationskomité der Pride 02 betont. Das Besondere der seit sechs Jahren organisierten Westschweizer Pride ist der jährliche wechselnde Standort. Ein besonderes Anliegen der Veranstalter ist dabei der Kontakt zur Bevölkerung der jeweiligen Region. So fand im Mai in La-Chaux-de-Fonds parallel zur Pride ein Kolloquium für Lehrpersonen statt, mit dem Ziel, Lehrpersonen im Umgang mit homosexuellen Jugendlichen zu sensibilisieren. Dies war eine erfolgreiche Première für den Kanton Neuenburg. Mit einer Fotoausstellung von Schülern der École Cantonale d'Art de Lausanne und weiteren kulturelle Veranstaltungen möchte das Organisationskomité der Pride die Neuenburger Bevölkerung auf die Anliegen ihrer schwulen und lesbischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aufmerksam machen.

Ein Umzug mit politischen Forderungen

Auch wenn es die Stadt und das schwulen- und lesbenfreundliche Klima dieses Jahr erlauben würden, streben die Organisatoren keine zu ausgefallene und zu schrille Parade an. "Wir lehnen Drag Queens keineswegs ab, sie werden am Umzug natürlich auch mitlaufen. Tatsache ist aber, dass wir auch politisch etwas bewirken möchten, denn eine Gay Pride soll ja für etwas da sein. Es geht darum, sich auch im Kreis seiner Familie und Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen zu zeigen, so wie man ist. Jederman und jederfrau, der oder die schwul oder lesbisch ist, soll teilnehmen können. Die Pride möchte vor allem die Verschiedenheit schwul-lesbischen Lebens zeigen, und nicht einfach ein klischeehaftes Bild .", so Patrick Taeschler. Dass die politische Seite nicht zu kurz kommen wird, dafür sorgt unter anderem Jean Ziegler, streitbarer und charismatischer Soziologieprofessor aus Genf.

Ein augenzwinkernder Seitenblick auf die EXPO 02

Expo.osez-vous - Das Motto der diesjährigen Gay Pride heisst nichts anderes als exponiert euch ("exposez-vous") und wagt euch hervor ("osez-vous") und ist nicht zufällig gewählt. Patrick Taeschler zum Motto: "Der Slogan ist eine Anspielung auf die EXPO 02. Die Landesausstellung ist ein Impuls, nach der Identität der Schweiz zu fragen. Das Motto soll ein Anstoss sein, nach der schwulen und lesbischen Identität zu fragen und zugleich ein Aufruf sein, sich zu zeigen". Die Frage nach schwul-lesbischer Identität im Zusammenhang mit dem Land Schweiz hebt auch das offizielle Plakat der Pride 02 hervor: Ein munteres Quartett von zwei schwulen und zwei lesbischen Gartenzwergen lächelt einem zuckersüss entgegen. Wer weiss, vielleicht wird es dann eine Pride nicht mehr brauchen, wenn schwule und lesbische Gartenzwerge Helvetiens Gärten bevölkern werden.

Weitere Informationen und das detaillierte Programm finden sich unter www.gaypride02.ch.

 

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