Sidney läuft sich warm
Die Gay Games stehen in den Startlöchern

von Michael Lenz

Sydney läuft sich warm für das grösste Sportereignis seit den Olympischen Spielen vor zwei Jahren. In gut 120 Tagen, am 2. November, werden die 6. Gay Games im 40 000 Zuschauer fassenden «Aussie Stadion» der australischen Metropole eröffnet. Die Eröffnungsfeier am 2. November werde die «reiche, vielfältige und fabelhafte Welt unserer Community auf die Bühne bringen». Das verspricht Zeremonienmeister Ignatius Jones. Auf dessen Konto gehen: das Millenniumsfeuerwerk und die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Sydney sowie die Feiern zur Unabhängigkeit von Osttimor. Der städtische Angestellte für die «künstlerische Leitung von Grossveranstaltungen/Silvester» sagte einmal: «Wenn es sich als meine Hinterlassenschaft erweisen sollte, Sydney in eine der hedonistischen Metropolen der Welt verwandelt zu haben, dann soll es mir Recht sein.»

Seit Juni sind die 120 000 Eintrittskarten für die Kultur-, Party- und Sportveranstaltungen der Gay Games auf dem Markt und können Online über die Website der Gay Games (www.sydney2002.org.au) gebucht werden. Billig sind sie nicht: 176 australische Dollar für die Eröffnungsfeier; Partys kosten umgerechnet zwischen 55 und 99 Dollar. Zu den kulturellen Höhepunkten werden die Show von Golden Girl Dorothy alias Bea Arthur sowie das internationale Chorfestival in Sydneys Opernhaus gehören. Unter den Gay-Games-Partys ist die Sunset Party (3.11) unter den Palmen des Königlichen Botanischen Gartens das Muss! Die Kulisse: das Opernhaus, die Hafenbrücke, der Sternenhimmel, die Hafenbucht und die Skyline von Sydney.

14 000 Teilnehmer und 25 000 Touristen aus über 60 Ländern werden zu dem Kultur- und Sportfestival vom 25. Oktober bis zum 9. November erwartet. Spitzenreiter sind die USA mit gut 4000 Teilenehmern. Aus der Schweiz sind bisher 97 Männer und 35 Frauen gemeldet.

Den Wert des schwul-lesbischen Superevents für die australische Wirtschaft schätzen Experten der Universität von Sydney auf rund 100 Millionen Dollar. So bekannte die Tourismusministerin von New South Wales frohgemut ihre Erwartungen an die Gay Games: «Wir wollen den Pink Dollar». Des einen Freud ist des anderen Leid. Schwul-lesbische Tourismusexperten befürchten eine «Abzockveranstaltung». Die Hotelindustrie in Sydney verlange für die Gay Games Zuschläge, wie sie zur Olympiade üblich gewesen seien. «Wir versuchen alles, die Preispolitik der Hotels positiv zu beeinflussen», versichert Rob Wardell, Präsident der «Gay and Lesbian Tourism Australia».

Der wirtschaftliche Erfolg der Games ist jedoch noch keine ausgemachte Sache. Mit der 10'000sten Registrierung am 25. Juni liegt die Zahl der Teilnehmer rund vier Wochen vor Anmeldeschluss noch gut unter der angepeilten Zielgrösse 14000. Die Startgebühren in Höhe von umgerechnet 202 Euro pro Person sind jedoch einer der Hauptpfeiler im Budget des 17 Millionen Dollar teuren Events. Auch von dem gesteckten Ziel eines Frauenanteils von 50 Prozent sind die Veranstalter noch weit entfernt. Gerade mal 27 Prozent aller Registrierungen sind von Frauen. Selbst Gastgeberland Australien bringt es nur auf knapp über 40 Prozent. Die Neuseeländer sind die einzigen, die mit mehr Frauen als Männern (179/136) nach Sydney kommen werden.

Nachdem Anfang Mai Dattatech als eine der führenden australischen IT-Firmen als Sponsor an Bord der VI. Gay Games kam, scheint jetzt die Zurückhaltung der Wirtschaft gebrochen zu sein. Weitere Sponsorabkommen mit Unternehmen seien in der «Pipeline», kündigte Peter Bailey, Co-Vorsitzender von «Sydney2002» an. Dattatech, so Bailey weiter, werde das internationale Sport- und Kulturfestival von den Büros bis zu den Sportstätten der 31 Sportarten mit Computern und Netzwerken im Wert von umgerechnet 150 000 Euro ausrüsten. «Informationstechnologie ist ein wesentliches Element für den Erfolg der Gay Games», betonte Bailey.

Neben Sport und Kultur gehören Konferenzen zu Menschenrechtsthemen zum Programm. So wird Sydney unter dem Titel «First Cultures: Race, Sexuality and Identity» Schauplatz der ersten weltweiten Konferenz eingeborener Schwulen und Lesben sein.

Das ausführliche Programm der Gay Games sowie der Online-Ticketshop und die Bettenbörse «Hosted House» sind unter www.sydney2002.org.au zu finden.
Anmeldeschluss für Teilnehmer ist der 31. Juli.

 

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