Als Single fürs Partnerschaftsgesetz
Claudio Schneider im Gespräch mit dem Cruiser

Claudio Schneider ist 25, Bankkaufmann, lebt und arbeitet in Zürich, und engagiert sich innerhalb der HAZ für die Anliegen der Lesben und Schwulen. Neben den beratenden und kulturellen Aufgaben ist das Thema Partnerschaftsgesetz - und somit die rechtliche Besserstellung von Lesben und Schwulen - für die HAZ ein sehr wichtiges Anliegen. So hilft Claudio als HAZ-Vizepräsident in diesen Wochen nicht nur kräftig mit bei der Organisation von Anlässen im Rahmen des Abstimmungskampfes, er leistet auch persönliche Überzeugungsarbeit am Arbeitsplatz und legt bei seinen Hetero-Freunden die Argumente für ein Ja zum Partnerschaftsgesetz klar auf den Tisch - obwohl er (noch) in keiner Partnerschaft lebt. Cruiser stellte ihm ein paar Fragen.

Claudio, warum hast du als Single ein so grosses interesse am Partnerschaftsgesetz?

Wenn ich einmal nicht mehr Single bin, was ich ja hoffe, möchte ich die Möglichkeit haben, eine registrierte Partnerschaft eingehen zu können. Das Thema geht doch alle Singles etwas an, die als Fernziel die Partnerschaft im Auge haben.

Wir leben in einer Zeit, wo das Singledasein zum Massstab wird und die Partnerschaft - auch bei den Heteros - zum Auslaufmodell wird. Nun kommen wir und wollen dieses Gesetz...

Ja vielleicht besteht so eine Tendenz, aber sicher kann man nicht sagen, die Partnerschaften sind am Aussterben. Es kann auch sein, dass bald wieder ein Wandel dieser Auffassung stattfindet. Abgesehen davon, gibt es genug Leute, Schwule und Lesben, aber auch Hetis, denen eine Partnerschaft heute sehr wichtig ist. Zudem bin ich überzeugt, dass schwule oder lesbische Paare und auch Singles, wenn das Gesetz da ist, auch mehr Akzeptanz und Respekt bekommen.

Es gibt sicher Schwule und Lesben, die bereits als Paar leben, die überhaupt nicht daran denken, die Partnerschaft staatlich besiegeln zu lassen...

Sicher gibt es solche, die das nicht tun werden. Aber noch einmal, es soll die Möglichkeit bestehen, für die Leute, die das möchten. Es geht um das Prinzip, um die Abschaffung von Rechtsungleichheiten, um die Anerkennung. Wieviele vom Gesetz einmal direkt Gebrauch machen werden, spielt nicht die wesentliche Rolle.

Jetzt reden wir nur mal von Kanton Zürich, das ist ja noch nicht der grosse Wurf der Gesetzgebung...

Ja, das ist leider so. Aber das ist kein Vorwurf an die Initianten oder an die Kommission, die das Gesetz entworfen hat. Der Kanton Zürich geht immerhin weiter als Genf. Mehr ist auf kantonaler Ebene kaum möglich. Das wichtige auch hier ist: Zeichen setzen. Wenn das Gesetz vom Volk angenommen wird - es ist ja auch das erste mal das so etwas vor das Volk kommt - bekommt die weitere Diskussion auf Bundesebene ein ganz anderes Gewicht. Es ist schön, wenn das Gesetz angenommen wird. Aber mir liegt viel daran, dass das Gesetz in Zürich mit einem sehr guten Resultat angenommen werden, dann ist das ein Zeichen für die ganze Schweiz.

Thema Schweiz: Die Bundesrätin Ruth Metzler wird oft angegriffen, weil sie zu wenig weit geht, weil sie die Forderungen der Lesbischen und Schwulen Dachverbände aber auch die Anregungen des katholischen Frauenbundes nicht berücksichtigt.

Ich denke, dass es wichtig ist, überhaupt ein erstes Ziel zu erreichen. Und nachher schaut man weiter. Erinnern wir uns an die nordischen Länder, wo es heute teilweise ehegleiche Partnerschaften gibt, das hat auch alles erst einmal klein angefangen. Jetzt fangen wir in der Schweiz auch klein an. Mit dem Kanton Zürich. Wenn wir ein gutes Resultat erzielen, geht es auch national schneller.

Wie bringen wir es fertig, die Hetis zu erreichen, zu überzeugen?

Es ist sehr viel persönliche Überzeugungsarbeit nötig bei Arbeitskollegen, bei Freunden, Freundinnen, bei Mutter und Vater, bei der Tante, der Grossmutter und überall.

Getrauen sich das die Schwulen und Lesben? Das wird doch vielen schwer fallen...

Ja, das ist genau das Problem, das seit Jahren besteht. Und es ist tragisch, dass das immer noch so ist. Darum ist es doch so wichtig, dass das Gesetz kommt.
Übrigens: eine gute Gelegenheit, auf die Leute zuzugehen, ist der von den HAZ in Zusammenarbeit mit vielen anderen lesBischwulen Organisationen und Vereinen organisierte Sternmarsch vom 8. September zum geografischen Zentrum im Kanton Zürich in Wangen bei Dübendorf (weitere Infos auf www.haz.ch). Wir hoffen, dass möglichst viele Schwule und Lesben mit ihren toleranten heterosexuellen Freunden und Verwandten mitmachen und helfen, die Leute, die wir unterwegs treffen, aufzuklären und zu überzeugen.

 

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