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«Die another Day!» von Daniel Diriwächter
Die Legende erzählt, dass vor 20 Jahren eine junge, mittellose Madonna Louise Veronica Ciccone am Krankenbett eines schwerkranken Plattenbosses stand, der dem Frieden zuliebe der vorlauten Strassengöre einen Plattenvertrag gab. Diese verbuchte nun dank dem mittlerweile wieder genesenen Seymour Stein ihren ersten nennenswerten Erfolg. Aber zu Madonnas Ärger befand sich auf dem Cover der allerersten Single Everybody nur ein Strassenbild New Yorks. Hatte sie sich also dafür nur von Popcorn ernährt? Nicht mit Madonna, der Halbweisen aus Detroit. In den Clubs machte sie mit Kruzifix und Boy-Toy Gürtel geschickt auf sich aufmerksam und so ganz nebenbei schrieb die fatale Version einer Cindy Lauper Modegeschichte, was eines ihrer liebsten Hobbys werden sollte.
Das erste Album Madonna, wohlgemerkt mit ihrem Konterfei bedruckt, verkaufte sich blendend. Der Gassenhauer Holiday avancierte zu ihrem Live Standartrepertoire und die unzähligen Anhängerinnen verehrten eine neue Gottheit. Mit Michael Jacksons Manager im Rücken erklomm Madonna den obersten Platz im Popolymp, obschon seriöse Kritiker sie als Minnie Maus auf Helium bezeichneten. Doch die Stimme alleine war nicht ihre Stärke, das provokante Material Girl kokettierte so sehr mit seinen Reizen, dass so ziemlich jede Feministin und Moralisten zum Riechsalz greifen musste. Auszeichnung als schlechteste Schauspielerin Doch Madonna wollte mehr, die Königsdisziplin im Showgeschäft lockte - Hollywood. Die Schauspielerin Madonna verbuchte als verzweifelt gesuchte Susan immerhin einen Achtungserfolg, doch beispielsweise als tugendhafte Missionarin nahm sie regelmässig die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin nach Hause. Diese Imagewechsel aber waren der Musikkarriere nur dienlich. Als eiskalte Version einer Marilyn Monroe wehrte sie sich platinblond und im Kleinem Schwarzen gegen ihren predigenden Vater, und ihr Fernweh nach der Isla bonita bescherte ihr den Sommerhit 87. True Blue hiess die Platte der Stunde und ist bis heute ihr erfolgreichstes Album. Mittlerweile heiratete die private Madonna unter einem Schwarm Helikopter den Schauspielrebellen Sean Penn auf einer todbringenden Klippe und durchlebte eine stürmische dreijährige Ehe nach dem Motto «Sie küssten und sie schlugen sich». Worauf eine resignierte und religiöse Madonna ein musikalisches Gebet sprach, einen schwarzen Jesus küsste und diesmal sogar den Papst erzürnte. Da erbarmte sich der Frauenheld Warren Beatty ihrer und verwandelte die so Gescholtene in die «Atemlose Mahoney» im Blockbuster Dick Tracy.
Doch die ambitionierte Blonde provozierte unter künstlerischem Vorwand weiter, schliesslich war sie nun Goldene Otto Preisträgerin und Mutter des MTV. In bed with Madonna, so der Dokumentarfilm über und mit Madonna war nur die Spitze des Eisbergs. Ihre nächsten Werke waren, gelinde ausgedrückt, erotischer Natur und brachen Madonna fast das Genick. Da besann sie sich auf ihre sanfte Seite, schrieb musikalische Gute-Nacht Geschichten und trat beim San Remo Festival auf. Aber dieses erbarmungslose Hollywood ignorierte La Ciccone immer noch, und nur durch Hartnäckigkeit ergatterte sie sich die Rolle der Evita - Wunschkandidatin Michelle Pfeiffer war hochschwanger. Auch Madonna war in freudiger Erwartung und MTV feierte neun Monate später die Geburt der Tochter Lourdes Maria als Sensation. Mit Hingabe beschrieb Madonna ihre Geburt als spirituelles Phänomen und schickte als frostige Henna Werbesäule den Ray of Light ins Rennen. Golden Globe für Evita Endlich wurde sie
von Hollywood akzeptiert, für Evita gabs verdienterweise den Golden
Globe. Nichts stand der berühmtesten Frau der Welt mehr im Wege.
Es war nur eine Frage der Zeit bis Madonna ihre zweite grosse Liebe kennenlernte.
Guy Ritchie, Regisseur und Macho in einem, bot Madonna ein völlig
neue Welt: Grossbritannien. Trotz Kulturschock und Söhnchen Rocco
arbeitet die Sängerin und Firmenchefin ungeniert weiter und singt
nun in der Tradition alter Diven den James Bond Titelsong Die another
day im 20. Jahr ihrer Plattenkarriere.
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