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Gold, Gold, Gold!
Erfolgreiche Schweizer
Sportler in Sydney
Von Michael Lenz
Gold. Gold. Gold.
Das Team Swiss hat bei den Gay Games in Sydney abgesahnt. Im Triathlon,
im Eiskunstlaufen, im Schwimmen, im Tischtennis, bei den Airobicwettbewerben.
Mountainbiker Walter Zingg erstrampelte sich bei hochsommerlichen Temperaturen
das begehrte Edelmetall. Etwas lädiert sah der Zürcher Arzt
(«Ich bin zwischen 35 und 39 Jahre alt») aus mit Schrammen
am Ellbogen und einem blauen Auge bei dem Empfang des Teams durch den
Schweizer Generalkonsul in einem Edelrestaurant mit Blick auf die Hafenbucht
von Sydney. «Das ist eben ein verletzungsträchtiger Sport»,
grinst Zingg, erstmalig bei Gay Games dabei. Und einer, der die Lösung
des Transportsproblems des Sportgeräts verlangt. «Ich habe
mein Mountainbike einfach zerlegt und in den Koffer gepackt. Das hat mir
ein paar Hundert Franken gespart.»
160 Männer und
Frauen aus allen Teilen der Schweiz waren zu dem schwul-lesbischen Sportevent
nach Sydney gekommen. «Gut die Hälfte ist zum ersten Mal bei
Gay Games», erzählt Jen Wang, Koordinator des «Team Swiss».
Wang weiß auch zu berichten, dass die Schweizer mehr als zufrieden
sind mit der Organisation der Gay Games und vor allem mit der Gastgeberstadt.
«Sydney ist so weltoffenen und tolerant und die Australier sind
so freundliche Menschen.» Durch die um den Hals gehängten Teilnehmerausweise
seien die Sportler überall in Sydneys Straßen sichtbar. «Die
Leute sprechen uns an, fragen nach unseren Ergebnissen oder bieten ihre
Hilfe an.»
Einhellig auch die
Begeisterung über die Eröffnungsfeier der Gay Games am 2. November.
«Super, fantastisch, bezaubernd» lautete das einstimmige Urteil
über die fulminante Show aus Licht und Schatten, bunten Kostümen
und nacktem Fleisch, Laserstrahlen und Feuerwerk im nächtlichen,
von einem kalten Wind durchwehten «Aussie Stadion». Bis zum
Anschlag schnellte jedoch der Adrenalinpegel der 12'500 Sportlerinnen
und Sportler beim Einzug als «Hero Parade» empor.Die über
30'000 Zuschauern schwenkten dabei weiße und rosa Puscheln. Nicht
zu übersehen war das «Team Swiss» in den roten, mit eidgenössisch-aboriginal
Motiven verzierten T-Shirts.
Bei aller Feierlaune kam aber auch Ernstes nicht zu kurz. Mit donnerndem
Applaus wurden Teilnehmer aus schwulenfeindlichen Ländern wie Saudi
Arabien, Ägypten oder dem Irak begrüßt. Ein politisches
Zeichen setzten auch die wenigen Vertreter aus den verfeindeten Staaten
Pakistan und Indien, die einer spontanen Eingebung folgend gemeinsam in
das Stadion einzogen. Stehende Ovationen erhielt der offen schwule australische
Bundesrichter Michael Kirby für seine pointierte Rede. «Lasst
unser Leben ein Beispiel für die Achtung der Menschenrechte sein.
Nicht nur für Schwule und Lesben. Sondern für jeden Menschen»,
betonte Kirby.
Es mischten sich aber auch Wehrmutstropfen in das Fest der Lebensfreude
und des schwul-lesbischen Stolzes. Lange Anfahrtswege zu den Sportstätten
wurden ebenso beklagt wie das Fehlen eines zentralen Treffpunktes für
die Sportler. «Ein Dorf der Freundschaft, wie bei den Gay
Games von Amsterdam vor vier Jahren, ist hier dem Geldmangel zum Opfer
gefallen», sagt Wang, Vorstandsmitglied der Federation of Gay Games.
Insgesamt sei die FGG als Lizenzgeber der schwul-lesbischen Olympiade
aber «sehr zufrieden» mit den Games, betonte Wang. «Es
hat nie eine bessere Zusammenarbeit zwischen FGG und Gastgeberstadt gegeben.»
Nun ja. Ausgezahlt hat sich das Superevent nicht. Wie vor einigen Monaten
der Mardi Gras sind nun auch die Gay Games bankrott. Ein Defizit von bis
zu zwei Millionen australischen Dollar (1,1 Mio Euro) zeichnet sich ab.
Veranstalter und die Federation of Gay Games werden sich in den kommenden
Monaten den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie die Schulden
bezahlt werden können. Auf dem Spiel stehen auch die Gay Games selbst.
Die große Frage: wie kann sichergestellt werden, dass die nächsten
Gay Games 2006 in Montreal solide finanziert werden?
Einen ganz persönlichen Stellenwert hatten die Gay Games für
die beiden Tennisspielerinnen und Halbmarathonläuferinnen Ursula
Imhof (55) und Michéle Gerber aus Glion. Die beiden Frauen sind
seit 20 Jahren ein Paar und feierten mit der Australienreise ihr Jubiläum.
Vor zwanzig Jahren fanden auch die ersten Gay Games, gegründet von
dem schwulen und HIV-positiven us-amerikanischen Olympiasieger Tom Waddell,
in San Francisco statt. «Wir sind aber erst durch die Gay Games
von Amsterdam zum schwul-lesbischen Sport gekommen», erzählt
Imhof. Die ehemalige Sportärztin der Schweizer Skinationalmannschaft
ist begeistert von dem Konzept der Gay Games. «Ich komme zwar aus
dem Leistungssport, aber hier steht nicht die Leistung im Vordergrund,
sondern Spaß und Miteinander.» Begeistert ist die sportpolitische
Beraterin des Bundesrats auch von den Plänen der FGG, Gay Winter
Games zu veranstalten. «Eine Superidee. Das wäre ein schönes
Event für die Schweiz.»
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