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Es begann in einer
Schwulen-Sauna in Zürich...
Aids Prävention
- einmal anders
Kurt Büchler
Hildegard wagte
sich auf schlüpfrige Pfade... Zuerst Auftritt in den Gay Saunas -
dann in Gay Bars und schliesslich in Gay Sex-Clubs! Fazit: Hildegard und
Bendedikt, ihr Begleiter und «Beschützer», sind nicht
ausgerutscht.
Eigentlich begann
die ganze Geschichte schon viel früher. Thorsten, das ist Hildegard
mit bürgerlichem Namen, war früher bei der Aidshilfe Konstanz
tätig. In den Jahren 95/96 machte er mit anderen Leuten zusammen
«Verstecktes Theater» für die Aids-Prävention. Er
ging in Bars und auf öffentliche Plätze und spielte mit Kollegen
zusammen Szenen, bezog das Publikum mit ein und verteidigte so Safer Sex.
Kein Mensch merkte das und nahm die Situationen für echt. Klar, die
gleiche Story konnte natürlich nicht zweimal im gleichen Lokal ablaufen.
In Zürich startete
Thomas Seeholzer von der Zürcher Aids-Hilfe das MSM-Projekt «Saunatheater»
mit Hildegard und dem Outreach-Worker Benedikt, denn gemäss der früher
gemachten Züms-Studie besuchen fast 10% der Befragten mindestens
1x pro Woche, weitere 20% mindestens 1x pro Monat und etwa 30% ein paar
mal im Jahr eine Schwulensauna. So wurde das Präventionsprojekt für
die Gay-Saunas entwickelt. Mittels einer geeigneten Theaterform sollten
die Besucher vor allem auf der kommunikativen Ebene abgeholt und mit den
Präventionsthemen erreicht werden.
Von November 2001 bis Februar 2002 wurden in 4 Gay-Saunen total 16 Einsätze
durchgeführt. Die Saunabesitzer wurden angefragt, motiviert und vor
und während des Projekts laufend informiert. Das Projekt wurde von
den Gay-Medien begleitet.
Bei den 16 Einsätzen hat Hildegard insgesamt 522 Männer erreicht.
Ein Grossteil wurde mit Präventionsmaterial (Broschüren und
Pariser) versorgt und kurze Fragen wurden beantwortet. Mit 52 Männern
konnten Gespräche bis 5 Minuten und mit 75 Männern Gespräche,
die länger als 5 Minuten dauerten, geführt werden. Die häufigsten
Gesprächsthemen waren Safer-Sex-Verhalten, Oralverkehr, Geschlechtskrankheiten,
Beziehung, Partnersuche, Treue, Gesundheit und Wohlbefinden. Hildegard
hat bei den Saunabesuchern viel Neugier, Interesse, Schmunzeln und Lob
hervorgerufen. Es gab keine einzige negative Reaktion! Die überwiegende
Mehrheit der angesprochenen Männer waren 30-45 Jahre alt. In kleinerem
Masse wurden 45-60-jährige und 20-30-jährige erreicht.
Insgesamt wurden 486 Broschüren verteilt und ebenfalls Lovepacks
(Kondom und Gleitmittel).
Die Einsätze von Hildegard sowie das Projekt als ganzes waren ein
grosser Erfolg! Torsten Loh als Hildegard verstand es hervorragend, die
Präventionsbotschaften ins Spiel miteinzubeziehen.
Bars, Sex Clubs,
Follies au Lac und CSD
Nach dem Erfolg in den Gay-Saunas wurde das Konzept erweitert und Hildegard
besuchte Gay Bars. Sie hatte bei ihren Auftritten in den Bars insgesamt
1747 Kontakte, davon waren 1230 Kurzkontakte, 199 dauerten etwa 5 Minuten,
268 dauerten zwischen 5 und 20 Minuten und 50 waren länger als 20
Minuten! Pro Einsatz waren es im Schnitt 45 Kontakte. 50% der Barbesucher
waren zwischen 30 und 45 Jahre alt, 32% zwischen 20 und 30 und 16 zwischen
45 und 60. Etwa 2 % waren über 60 Jahre.
Die Gesprächsthemen gingen von Safer Sex über das Hildegard-Projekt
inklusive der Story von ihrem verschollenen Sohn Ruedi, Aids-Organisationen,
Thema Beziehung, Gay-SMS-Angebote bis zur Situation der schwulen Ausländer
in der Schweiz, HIV-Thearpie, Coming Out, den Testmöglichkeiten und
dem Umgang mit dem Tod. Insgesamt verteilte sie 1262 Broschüren und
217 Kondome.
Selbst bei einem Besuch im Rage hatte Hildegard 76 Kontakte, davon 60
ohne weitere Gespräche, und gab über 52 Broschüren und
Kondome ab - bei den Follies au Lac, der Veranstaltung der Angels im Tiefenbrunnen,
erschien sie im Badekleid, das versteht sich, hatte 241 Kontakte und verteilte
314 Broschüren und Kondome.
Hildegard im Radio
Beim CSD 2002 war Hildegard jeden Tag mit einer Kolumne auf Radio CSD
zu hören... Einmal sprach sie über das Fitnesstudio. Da ihre
liebe Freundin Margarethe, die seit Jahren in einem Fitnesstudio putzt,
letzte Woche unpässlich war, musste Hildegard einspringen. Sie fiel
von einer Ohnmacht in die andere, als sie das Stöhnen und Seufzen
mit anhören musste. «Jungs, muss das sein??? Tut euch was weh?
Ich meine: Man weiss ja, dass Schönheit leiden muss - aber grad sterben?
Lasst doch dieses Geschrei beiseite, was soll denn das, Mensch?! Man kann
diese Maschinen ja auch leichter einstellen, hab ich mir sagen lassen.
Muss denn jeder immer gleich daher kommen wie Flash Gordon?»
Bye bey Hildegard
Nach all diesen Aktionen geht Hildegard auf eine wohlverdiente Weltreise.
Benedikt, ihr Begleiter, wie auch Thomas Seeholzer von der Zürcher
Aidshilfe und wir alle hoffen natürlich, in naher Zukunft von Hildegard
aus irgend einer Ecke dieser Welt ein Lebenszeichen zu erhalten - vielleicht
mit interessanten Entdeckungen, was die Präventionsarbeit anbetrifft
in anderen Ländern.
Eine Internetlösung
der
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