Queer - quer durch die Parteien
Schwule und Lesben im Kanton Zürich stellen sich offen der Wahl.

von Martin Ender


Politik und Fussball waren wohl die letzten Domänen, wo Heteros bis vor kurzem sich vermeintlich ausschliesslich unter ihresgleichen wähnten. Diese Meinung war nicht nur auf Hetero-Seite verbreitet. Lange Zeit verknüpften die Schwulen selber Coiffeur, Kellner und Verkäufer schneller mit dem Schmuckwort «schwul», als andere Berufen. Und wer als Schwuler in die Politik drängte, wurde in den eigenen Reihen despektierlich zur «Politschwester» gestempelt.

Die Zeiten haben sich geändert. «Und das ist gut so». Auch in der Schweiz und vor allem in Zürich. Da müssen sogar die wenig politisch interessierten Schwulen und Lesben eingestehen, dass der pionierhafte Einsatz der ersten offen für schwullesbische Anliegen kämpfenden PolitikerInnen sehr viel erreicht hat: Ein Gesetz wurde geschaffen, das die schwule und lesbische Lebensart respektiert. Ein Gesetz, das allen Schwulen und Lesben Nutzen bringt. Ob sie nun den Partnerschaftsweg gehen oder das Singledasein geniessen, eine offene Begegnung mit der Heterowelt wird dadurch von Tag zu Tag alltäglicher.


Kantonsratswahlen vom 6. April

Am 6. April wird der Zürcher Kantonsrat gewählt. 180 Sitze sind zu vergeben. 47 Parteien und Gruppierungen steigen in den Wahlkampf. Nebst den zehn bereits im Rat vertretenen und somit bekannteren Parteien haben sich ein Vielzahl kleinerer Gruppierungen angemeldet, mit teils einseitigen Spezialinteressen. Etwa die Liberale Bildungsliste, Velo-Liste, Zürich-Nord gegen Fluglärm, Liste gegen Fluglärm, oder gar die Hundepartei. Eine schwule Partei fehlt. Eine lesbische auch. Zum Glück. Denn mit Einseitigkeit lässt sich langfristig keine Politik machen. Und schwul oder lesbisch allein ist kein Programm. Die schwullesbische Community ist so vielfältig wie die Mehrheit der Bevölkerung auch. Das Interessenspektrum reicht von Links bis Rechts. Naturgemäss ist der Andrang zu den Parteien, die das traditionelle Familienbild hochhalten, weniger gross. Aber selbst die SVP hat ihre schwullesbischen WählerInnen und PolitikerInnen.

Schwule und lesbische WählerInnnen im Kanton Zürich haben also die Wahl: unter Schwulen Politikern und lesbischen Politikerinnen. Und darüber hinaus unter Personen, die sich besonders verdient gemacht haben bei der Politisierung schwullesbischer Themen. Und vor allem finden die WählerInnen diese Personen auch in «ihrer» Partei.


Starke KandidatInnen


Martin Naef, 1970 geboren, ist Jurist, Staatsrechtler, SP, wählbar in der Stadt Zürich, Kreis 4/5. Er ist seit 2000 im Verfassungsrat und Fraktionspräsident der SP in diesem Rat. In parteiübergreifender Zusammenarbeit hat er es fertiggebracht, dass gegenüber der Bundesverfassung in der neuen Zürcher Verfassung der Diskriminierungsschutz im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung explizit festgeschrieben wird. Und auch die Anerkennung nichtehelicher Partnerschaften kommt in die Verfassung.
Als Kantonsrat möchte er, was er gewohnt ist, gegen konservative Kräfte vorgehen, Einfluss nehmen bei der Vollziehungsverordnung des Partnerschaftsgesetzes und in der Finanzpolitik dafür einstehen, dass nicht bei Minderheiten zuerst gespart wird.

Weitere SP-Mitglieder, die sich für schwullesbische Anliegen einsetzen und sich zur Wahl stellen: Andrea Ruckstuhl und Roland Munz. Bettina Volland und Maria Riedi; sie haben (nicht einmal aus Eigeninteresse!) das Partnerschaftsgesetz im Kantonsrat aufgegleist und werden daher auch gerne «Mütter» dieser Idee genannt.

Zwei starke Persönlichkeiten der FDP: Hans-Peter Fricker. Er hat im Zürcher Verfassungsrat mitgeholfen, wichtige Eckpfeiler zu setzen. Zum Beispiel die Anerkennung der sexuellen Orientierung als einklagbares Grundrecht. Hans-Peter Portmann. Er war nach der Initalzündung der SP-Frauen massgebender Meinungsbildner bei der Entwicklung zum Partnerschaftsgesetz in der heutigen Form.

Auf der Alternativen Liste stehen Anja Recher und Filli Peider, die für schwullesbische Anliegen kämpfen.

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