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«Der Traktor Zeit
fährt über jede Blumenwiese!» von Peter Wäch Mit «Nachtnovelle» legt der deutsche Autor Peter Hofmann seinen dritten Roman vor. Auch hier gelingt es ihm wieder auf virtuose Weise, zwischenmenschliche Konflikte bis ins kleinste Detail zu beleuchten und somit tief in die Charakteren und in die Ängste der einzelnen Figuren vorzudringen. Wieder geht es um die Beziehung zweier Männer Ende 30, die sich auf einer Gratwanderung zwischen Liebe, Sehnsucht, Verlustängsten und dem nötigen Vertrauen befinden. In seinem neuen Buch stellt Peter Hofmann gewisse schwule Verhaltensmuster auf subtile Art und Weise in Frage, ohne dabei moralinsauer zu wirken. Peter Wäch, Cruiser: Das Grundthema deines neuen Romans «Nachtnovelle» ist die Treue in einer Partnerschaft. Du wirfst indirekt die Frage auf: Schadet Fremdgehen der Beziehung? Oder wieviel Vertrauen braucht es, wo muss man loslassen können? Peter Hofmann: Das Problem ist, dass das jeder selbst definieren muss, früher oder später. Liebe und Sex - das können die einen sehr gut trennen, andere nicht. Die Frage stellt sich für meinen Helden und er sucht nach seiner Antwort; eine allgemeingültige gibt es nicht. Aber Schwule kommen sehr einfach und unkompliziert zu einem Abenteuer, sei's im Park, auf Raststätten, in einer Sauna oder in den unzähligen integrierten Darkrooms in Discotheken. Ja, das wissen wir alle. Das ist Segen und Fluch zugleich. Jeder muss das selber ausbalancieren. Vielleicht ist es manchmal besser, sich zwischendurch auszutoben oder die Möglichkeit zu haben, sich austoben zu können. Aber die leicht eroberten Trophäen verlieren immer schnell ihren Glanz - jedenfalls nach meiner Erfahrung. Ich kann und will das nicht werten. Aber alles, ob nun mit oder ohne Beziehung, basiert auf Selbstwertgefühl - ob vorhanden oder nicht. Sich immer nur in anderen zu spiegeln, ist sicher auf Dauer nicht genug. Und so kann auch keine Beziehung funktionieren. Eine gewisse Beliebigkeit ist sicher eine zeitlang bequem und auch nötig. Ja, aber Vertrauen ist auch sehr komfortabel und schön, kommt aber wiederum nicht einfach so. Dazu muss einer schon über den eigenen Schatten springen. Eine Beziehung, eine Liebe ändert die Selbstwahrnehmung ungemein, denn eine Beziehung verändert sich und alle Beteiligten. Ich empfinde es als Wachstum. In deinem Roman weiss man bis kurz vor Schluss nicht, ob die beiden männlichen Protagonisten zusammenbleiben oder ob ein Seitensprung gleichzeitig das Ende ihrer Beziehung bedeutet. Es wirft auch die Frage auf: Haben wir noch genug Vertrauen in uns, in andere? Und wenn nicht, wurden wir - gerade in der schnelllebigen Szene - zu oft verletzt und enttäuscht? Mit Enttäuschung muss man irgendwann Frieden schliessen. Das ist nicht einfach, ich weiss. Aber sie gehören nun mal dazu. Es ist nicht immer nur die böse Welt, die einem unrecht tut, sondern eine knallharte Fifty/Fifty-Rechung. In «Nachtnovelle» glaube ich deutlich einen gewissen Grundton zu erkennen, der zwar nicht moralinsauer daherkommt, aber doch etwas zum Nachdenken anregen soll. So nach dem Motto: Fun und promisker Sex sind ja schön und gut, aber es sollte auch mal gut sein. Hm, moralisieren will ich nicht. Sex ist geil. Punkt. Aber er ist kein Ersatz für irgendwas. Der schnelle Sex basiert auf Äusserlichkeiten. Niemand fickt mit dir, weil du einen guten Charakter hast. Aber wenn du dich permanent von anderen nach deinem Äusseren beurteilen lässt, dann tust du's vielleicht auch selbst. Und dann? Der Traktor Zeit ist noch über jede Blumenwiese gefahren. Deshalb ist mein Held auch unsicher und nicht sehr selbstbewusst. Er zweifelt an seiner Beziehung, weil er an sich zweifelt. Und das war mir wichtig, auszuloten. Unsicherheit ist ja auch eine Form von Lebendigkeit. Ja, aber die vermeintlich selbstbewusste Fassade anderer mit eigenen inneren Unsicherheiten zu vergleichen, ist tödlich. Deshalb mag ich Helden, die zerrissen sind, ich bin's ja auch oft. Nur weil ich darüber schreibe, bin ich nicht klüger als andere. Durch die Schreiberei finde ich aber Sachen über mich heraus. Ab und an schlägt so was wie Erkenntnis zu, rational und emotional. Man erkennt sich plötzlich neu. Wie in einer Beziehung. Und das sind dann sehr, sehr schöne Momente. Peter Hofmann, geboren 1965, aufgewachsen in Thüringen, lebt seit 10 Jahren in Potsdam. Er arbeitet als freischaffender Rundfunkjournalist. Dreimal erhielt er ein Literatur-Stipendium des Kulturministeriums Brandenburg; 1993 wurde er für den Literaturpreis der schwulen Buchläden nominiert. 1994 erschien sein Gedichtband Hurenherz (Männerschwarmskript). «Berlinsolo» war sein erster Roman. Es folgte «Allein die Welt dazwischen» und nun der dritte Roman «Nachtnovelle» Eine Gratis-Lesprobe gibts unter www.querverlag.de
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