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Den Traum vom eigenen
Circus verwirklicht Von Martin Ender Er ist nicht im Circus geboren und entstammt keiner Circus-Dynastie. Zwar hat Marco mal jongliert und ist an Galas aufgetreten. «Aber da gibt es Bessere als ich es bin» obwohl er immerhin Herr über sieben Ringe war. Seine Traum war nicht in der Manege zu stehen. Nein, er wollte gleich einen eigenen Circus machen. Er tat dies in Singapur. Zur Zeit ist Marco unter anderem verantwortlich für das Marketing im Schweizer Circus Starlight, der eben in Zürich sein Gastspiel beendet hat. CRUISER wollte wissen, wie der Circus dazu kommt, sich besonders um die Gunst des schwulen Publikums zu bemühen. Liegt es daran, dass vielleicht der Junior der Direktionsfamile, Johnny Gasser, zur «Familie» gehört? Schliesslich ist im Programm von «seinem Freund» Jonathan die Rede, mit dem er zusammen die «Hand zu Hand Voltige» vorführt. Nein, nein beschwichtigt Marco, das muss ich auf mich nehmen. Ich bin es, der sich in der Szene auskennt und ich bin einfach überzeugt, dass der moderne Stil des Circus Starlight dem schwulen Publikum besonders gut gefällt. Also versuche ich, diese «Zielgruppe» in den Circus zu bringen - Soweit also alles klar. Der Ostschweizer Marco kommt aus Kreuzlingen. Seine Eltern waren gut befreundet mit den Besitzern des Circus Stey und so kam es, dass er, wenn immer es ging, sich im Circus aufhielt. Eine Lehre hat er gemacht als Reklamegestalter. Doch damals war er schon von der Idee besessen, einen Circus zu machen. Er tat sich mit Freunden zusammen. Zu dritt steckten sie insgesamt 150'000 Franken eigenes Geld in das Unternehmen. Davor arbeitete Marco noch bei Swissair. Die Verbindungen, die er hier knüpfte, waren bei seinem «Business-Abenteuer Singapur» ganz wichtig. Die Reise und Rückreise der Artisten wie auch die Transporte von deren Requisiten waren schon mal gesichert. Das Zelt lieh er bei Jocelyne und Heinrich Gasser (heute Circus Starlight) und schickte es mit Hochseecontainern auf die fast einmonatige Reise. Einfach war das Unterfangen nicht, schliesslich brauchte man noch Partner vor Ort. Unter anderem für den Vorverkauf. Da wandte sich Marco an ein Unternehmen, das bereits des öftern für die Schweizer Botschaft gearbeitet hatte. Doch diese «Sicherheit» erwies sich als trügerisch. Vom Geld aus dem Vorverkauf bekam nichts zu sehen. Auch nach einer einjährigen juristischen Auseinandersetzung nicht. Dennoch, ein Verlustgeschäft war es nicht. Aber leider blieb der Gewinn aus, den man in die Fortsetzung des Projekts Weihnachtscircus «Taipan» hätte stecken können. Auf die Frage «würdest
du es nochmals wagen?» kommt ein schnelles «ja sicher»!
Und der Zeitpunkt ist gar nicht mehr soweit weg, wiederum europäische
Circustradition nach Asien zu exportieren.... Bis dahin aber engagiert
sich Marco voll für den Circus Starlight. Circus der andern
Art Es kommt in den Circus-Dynastien selten vor, dass der jungen Generation soviel Vertrauen entgegengebracht wird: Jocelyne und Heinrich Gasser, Direktion des Circus Starlight, überlassen bereits in der zweiten Saison die Programmgestaltung ihrem erst 22järigen Sohn Johnny. Er hat eine mehrjährige Ausbildung an der «Ecole Nationale du Cirque» in Montreal absolviert. Hier lernte er Jonathan Casaubon (23) kennen. Die Beiden sind sie heute die Produzenten der Show im Circus Starlight, die in diesem Jahr «Premiere» heisst. Zusammen mit dem kanadischen Choreographen Yves Dagenais haben Johnny und Jonathan während einem Monat in Montreal mit jungen Artisten aus der «Ecole Nationale du Cirque» die Inszenierung «Premiere» ins Leben gerufen. Ist das in Kanada einstudierte Programm eine Kopie des dort beheimateten «Cirque du Soleil»? Auf keinen Fall. Das Starlight-Programm ist wiederum eine Fortsetzung in einer Entwicklung die mit Circus Roncalli 1980 in Köln ihren Anfang nahm. Die damalige «Reise zum Regenbogen» mit dem poetischen Schweizer Clown Pic und seinen Seifenblasen löste Impulse aus. Es stand nicht mehr die Superlative einer artistischen Leistung im Vordergrund - vielmehr wurden die einzelnen Artisten in einen Programmablauf eingebettet. Artistische Einzeldisziplinen wurden vereint. Es wurden «Geschichten» erzählt. Elemente des Theaters hielten im Circus Einzug. Auf eine spritzige und kreative Art wird im Starlight-Programm die Geschichte rund um eine Premiere erzählt. Die jungen Künstler brachten selbst am heissen Juni-Sonntagnachmittag der Derniere in Zürich etwas Erfrischendes rüber. Die Zuschauer schwitzten schon beim Sitzen. Doch die Truppe präsentierte ihr Programm mit Herzblut und voller Motivation. Für den Schwulen Besucher gibt es einige Leckerbissen. Da ist einmal die ganze Truppe, die überwiegend männlich ist (zum Glück sind die Zeiten vorbei, wo die Frauen im Circus als garniernde Beigaben und Assistentinnen missbraucht wurden) Besonders hervorgehoben sei hier das Spaghetti-Essen das sich als Diabolo-Darbietung entpuppt. Erst lässt die ganze Truppe die Dabolos durch die Luft wirbeln bis schliesslich Beste, alleine dasteht und die faszinierende Solonummer mit geradzu ansteckender Fröhlichkeit präsentiert. Und da ist natürlich das Duo Johnny Gaser und Jonathan Casaubon, beide Meister in Fach Voltige von Hand zu Hand. Ohne Glamour präsentieren sich die beiden in einer einfachen schwarzen Hose mit nacktem Oberkörper. Tänzerische und kämpferische Szenen sind verbindendes und hocherotisches Element. Wer nun den Circus in den heissen Junitagen in Zürich verpasst hat und die Ferien in den kühlen Bergen Graubündens verbringt, kann den Genuss noch nachholen. Der Besuch ist ein Muss, gerade auch für Leute, die sonst kaum in den Circus gehen. Die nächsten Tourneeorte: Laax, Ilanz, Thusis, Churwalden, Valbella, Sils-Maria, Celernia, Poschiavo, La Punt, Mustair (Juli) und Scuol, Zernez, Celerina, Davos, Klosters, Affoltern am Albis (August) Daten und infos unter www.circus-starlight.ch oder 079 671 16 32
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