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Ein Happy End nach
47 Jahren Der 1. Juli 2003 wird in Annalen der Geschichte des Kantons Zürich eingehen. An diesem Tag liessen Ernst Ostertag und Röbi Rapp als erstes gleichgeschlechtliches Paar des Kantons ihre Partnerschaft offiziell eintragen. Schweizweit gab es bisher nur im Kanton Genf ein ähnliches Gesetz. Die beiden «Frischvermählten» haben die Emanzipation der Schwulen in ihrem Leben hautnah miterlebt. Nach schwierigen Zeiten, in denen sie ihre Beziehung jahrelang nur im Versteckten leben konnten und auch vor polizeilichen Repressionen nicht sicher waren, ist die juristische Annerkennung ihrer 47 Jahre dauernden Partnerschaft für die beiden eine Krönung ihres Kampfes für gleiche Rechte für schwule und lesbische Paare. Eine Woche vor dem Gang ins Stadthaus sprachen Ernst und Röbi mit dem Cruiser über den bevorstehenden denkwürdigen Tag. Wie fühlt ihr euch eine Woche vor der offiziellen Eintragung eurer Partnerschaft? Röbi: Es ist ziemlich schwierig zu sagen. Wir haben uns in den letzten Jahren in vieler Hinsicht auf dieses Ereignis hin engagiert, haben uns Mühe gegeben im Abstimmungskampf, und es ist jetzt natürlich schon eine Krönung. Vor allem weil ich jetzt öffentlich sagen kann: «Das ist mein Mann». Das ist einfach grossartig. Ich persönlich freue mich sehr auf diesen Tag. Ernst: Ich sowieso. Die Eintragung ist etwas, das wir uns nie hätten vorstellen können. Ich hätte nie gedacht, dass wir so etwas noch erleben würden, daher ist es wunderbar. Es ist nicht nur eine Krönung der Öffentlichkeitsarbeit, die wir seit 1999 geleistet haben, sondern auch eine Krönung unserer Arbeit der letzten rund 50 Jahre in den verschiedensten Organisationen wie z. B. auch dem Kreis. Weshalb seid gerade ihr als erstes gleichgeschlechtliches Paar auserkoren worden, das sich hochoffiziell im Stadthaus eintragen lassen darf? Röbi: Wir wurden von der Präsidialabteilung der Stadt Zürich angefragt. Im letzten Jahr waren wir während der Ausstellung «Unverschämt» während dreieinhalb Monaten sehr oft im Stadthaus präsent. In den Führungen durch die Ausstellung haben wir immer wieder erzählt, dass wir schon 47 Jahre befreundet seien und dass wir uns auf die Möglichkeit einer Eintragung sehr freuen. Daraufhin wurden wir von Seiten der Stadt angefragt, ob wir dieses erste Paar sein möchten. Dann haben wir natürlich zugesagt. Ernst: Andererseits wurden wir aber auch vom Verein Partnerschaftsgesetz angefragt, mit denen wir unter anderem im Wahlkampf zum Partnerschaftsgesetz zusammengearbeitet hatten. Dazu kam auch, dass wir seit unseren ersten Gang an die Öffentlichkeit anlässlich einer Demo 1999 in Bern sehr oft mit den Medien zu tun hatten, und deshalb auch eine gewisse Medienerfahrung mitbringen. Ist es ab und zu schwierig, das schwule Vorzeigepaar der Schweiz zu sein? Röbi: Also das Echo der Leute war immer sehr positiv, wir haben wirklich nie negative Äusserungen gehört, auch wenn wir zum Beispiel in die Migros einkaufen gingen. Im Gegenteil, auf der Strasse kamen die Leute auf uns zu und sprachen uns an, was uns dann auch wieder Mut gegeben hat, beispielsweise für den Abstimmungskampf aktiv zu werden. Durch die Öffentlichkeitsarbeit und das positive Echo sind wir selbstsicherer geworden, heute haben wir den Mut, hinzustehen. Ernst: Man könnte sagen, die Jahrtausendwende hat uns auf irgendeine Art ein neues Leben gebracht. Man ist gefragt, man kann etwas Sinnvolles tun. Wir können Auskunft geben, weil wir eine ganze Geschichte zu erzählen haben und einen Hintergrund besitzen, der Vieles klärend einordnen kann. Wir haben dieses ganze Interesse an unseren Personen relativ locker genommen und nehmen unser Privatleben ganz selbstverständlich. Dass wir ein sogenannt berühmtes Schwulenpaar sein sollen, das berührt uns nicht und ist für uns auch absolut kein Problem. Habt ihr Mühe mit jungen Schwulen, die sich weniger für Politik, aber umso mehr für Parties interessieren? Ernst: Diejenigen, welche nur Freude an Parties und Tanzen haben, hat es seit eh und je gegeben, das war auch eines der Probleme im Kreis. Man nannte sie «Obertanzfüdli», und die kamen nur zum Tanz und hätten sich um nichts in der Welt innerhalb der Gruppe engagiert. Im Volksmund gelten schwule Beziehungen oft als schnelllebig und oberflächlich. Ihr nun beweist das Gegenteil. Worin besteht euer Geheimrezept? Röbi: Schon bevor wir beide im Alter von 26 Jahren diese Partnerschaft eingingen, hatten wir eine gewisse Lebenserfahrung. Wie lebten auch die ganze Zeit immer eine offene Partnerschaft, grosso modo ohne Eifersucht. Jeder respektierte den Anderen in seiner Persönlichkeit. Ich habe mich nie gefragt, was mir Ernst bietet, sondern was ich tun kann, damit er sich wohlfühlt. Ernst: Ja, das ist natürlich gegenseitig. Es kann einem nur wohl sein, wenn es auch dem Partner wohl ist. Unser Rezept ist sicherlich auch ein absoluter Respekt vor dem Partner. Ich weiss, wo Röbi angreifbar ist und decke ihn in schwierigen Situationen hundertprozentig. Man hilft einander und schützt einander. Sicher hat uns auch das Nichtanerkanntwerden in meiner Familie zusammengeschweisst. Wir haben einander sehr gerne und haben eine sehr tiefe Beziehung, wenn wir mal «es Aventür» in den Ferien hatten oder so, hat uns das einfach nicht berührt. Etwas vom wichtigsten ist, dass man ehrlich zueinander ist. Wie fühlt man sich als Person, die womöglich in die Annalen der Geschichte eingehen wird? Röbi: Ich habe mir das gar noch nie überlegt. Aber stimmt, eigentlich ist das wahr. Denn in naher Zukunf kommt wahrscheinlich die Einführung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft auf Bundeseben und dann sind wir unter Umständen wieder ein Vorzeigepaar. Ich hoffe, wir können auch zur Einführung dieses Gesetztes einen Beitrag leisten. Das ist natürlich schon ein spezielles Gefühl, das einem zugleich freut, aber auch etwas nachdenklich stimmt. Ernst: Aber Angst hast du nicht? Röbi: Nein, Angst habe ich nicht. Und das ist vielleicht das Schöne an unserer Beziehung, sie ist wie ein Fels. Es mag kommen, was will, es gibt daran nichts zu rütteln. Deswegen habe ich keine Angst. Ernst: Da hat Röbi gewaltige Veränderungenn durchgemacht. Am Anfang hatte er vor allem Angst, ausser vor dem Theaterspielen. Verreist ihr nach der Eintragung in die Flitterwochen? Röbi: Also da sind wir geteilter Meinung. Ernst sagt: «Ja, wir machen eine Hochzeitsreise, wir gehen nach nach Bayreuth und nach Stratford-upon-Avon.» Aber diese beiden Reisen haben wir schon lange im Voraus geplant, bevor wir wussten, dass wir uns eintragen können. Einen eigentlichen Honeymoon gibt es in diesem Sinn nicht. Wie werden aber vielleicht in Bayreuth einmal ein Glas Champagner mehr trinken, und in Stratford-upon-Avon werden wir mit Freunden dann einmal ein kleines «Fäschtli» machen. Aber eine Kreuzfahrt oder so machen wir nicht. Ernst: Janei, man macht nach 47 Jahren ja auch keine Honeymoon-Reise mehr, die haben wir nämlich schon miteinander im Sommer 1957 nach Griechenland gemacht. Damals mit Rucksack, öffentlichen Verkehrsmitteln, Schiffsklasse Deck, per Bus, billigst, wir hatten ja kein Geld. Es war eine sehr schöne Reise, die wir eingehend genossen haben. Wir hatten Sex an den verrücktesten Orten, in den Hainen, in den Wäldern und sogar im Theater von Delphi [lacht]. .
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