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Stadt mit vielen
Ufern Von Thomas Borgman Verglichen mit Berlin oder Amsterdam sind die schwulen «Locations» der schwedischen Hauptstadt schnell gezählt. Stockholm hat kein geschlossenes Gay-Ghetto im Angebot. In den meisten Lokalen mischt sich das Publikum. Denn in Schweden geht man generell gelassener mit Schwulen um. Gerade weil Homosexualität in Skandinavien viel akzeptierter ist, läuft das schwule Leben hier etwas anders ab. Ein ausgesprochenes Gay-Viertel sucht man vergebens. Auch wenn im ehemaligen Arbeiterviertel «Södermalm» die meisten Regenbogenflaggen wehen, sind die einschlägigen Lokale über die ganze Stadt verstreut und werden zum Teil nicht nur von Schwulen besucht. Auch Gay-Hotels sind in Stockholm Mangelware, was aber kein Manko ist. Bei der Zimmervermittlung wird man wegen einer gleichgeschlechtlichen Begleitung keinesfalls Stirnrunzeln ernten. Selbst in einigen «Blue Movies» teilt man sich die Leinwände mit heterosexuellen (Dar-)Stellungen und Besuchern. Schliesslich treibt alle das gleiche Verlangen zum Kinobesuch. Toleranz mit Grenzen Schweden war eines der ersten europäischen Länder, das die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften im Gesetz verankert hat. Gleiche Rechte bedeuten allerdings auch gleiche Einschränkungen. Die schwedische Toleranz zeigt Grenzen, wenn es um Sex in öffentlichen Parks und Einrichtungen geht. Das gilt für homo- und heterosexuellen Verkehr gleichermassen. Wer dabei erwischt wird, kann sich durchaus in Schwierigkeiten bringen. Nicht allein wegen der hellen Sommernächte - zur Jahresmitte ist es in Stockholm nur zwei Stunden lang dunkel - ist Cruising im Freien weniger verbreitet als in anderen Metropolen. Was man mit seiner Outdoor-Bekanntschaft hinter verschlossenen Türen treibt, interessiert die Gesetzeshüter na-türlich nicht. Hinter schwedischen Gardinen Zurückhaltung zeigen die Schweden auch beim Genuss von Drogen oder sonstigen Stimmungsmachern. Alkohol ist in ganz Skandinavien ausgesprochen teuer, der Konsum anderer «Rauschmittel» in Schweden verboten und entsprechend unpopulär. Stimulierend wirken in Stockholm ohnehin ganz andere Dinge: Die traumhafte Lage zum Beispiel. Die Stadt ist verteilt sich auf 14 Inseln, die auf der einen Seite im Süsswasser des Mälarsees, auf der anderen im salzigen Ostseeausläufer Saltsjön liegen. Trotz der zunächst verwirrenden zahlreichen Schnellstrassen und Brücken, die die Inseln miteinander verbinden, ist die Stadt so proper, dass man sich drin spiegeln kann. Mitten in der City wird im Sommer geangelt und gebadet. Am beliebtesten dafür ist die Insel «Langholmen» auf der Südseite des Mälarsees, auf der sich auch viele Schwule treffen. Das zum Hotel mit angeschlossener Jugendherberge umfunktionierte ehemals grösste Gefängnis Schwedens bietet auf der Insel eine originelle und citynahe Übernachtungsmöglichkeit mit einschlägigem Badestrand direkt vor der Tür. Summer Night City Vor dem nächtlichen Zug durch die Gemeinde sollte man sich zunächst über die Szene kundig machen. Denn die «hot spots» ändern sich schnell, und viele Lokale haben ihren speziellen Tag, an dem sich der Besuch besonders lohnt. Einen täglich aktualisierten Gay Guide in Englisch findet man unter www.qx.se/guide/english, ausserdem sind der schwule Buchladen Rosa Rummet (Sveavägen 57) sowie der gleich daneben liegende Riksförbundet för sexuellt Likaberättigande erste Anlauf-stellen. Hier bekommt man auch den kostenlosen Gay-Stadtplan qx queermap sowie das monatliche QX-Magazin mit Informationen über die gesamte Szene in Schweden.. Klassiker sind unter anderem das Tip Top (freitags und samstags, ebenfalls Sveavägen 57) mit Dancefloor, verschiedenen Bars und Dark-Room mit vorwiegend jungem Publikum. In der Morgendämmerung am Wochenende angesagt ist ausserdem die Mega-Disco Regnbagsrummet (Sturecompagniet, Stureplan), deren Name (Rainbow Room) auch als Codewort für den Einlass dienen kann, wenn dem Türsteher die Optik allein nicht reichen sollte. Im härteren Outfit ist man am besten im SLM (Wollmar Yxkullsgatan 18) aufgehoben, den Räumen des Stockholmer Lederclubs, für den man eine wöchenliche Gastmitgliedschaft erwerben kann. Später findet man den einen oder anderen dann vielleicht auch im Basement wieder (Bondegatan 1B), einem Keller-Kino mit diversen Rückzugsmöglichkeiten. Gut schwedisch essen in meist schwuler Gesellschaft kann man unter anderem in den Altstadtlokalen Mandus (Österlanggatan 7) und im Torget (Mälartorget 13). Mindestens zwei Wochen im Voraus muss man seinen Restaurant-Tisch auf der Lady Patricia reservieren. Das Partyschiff am Stadsgardskajen feiert jeden Sonntag abend unter der Regenbogenflagge. Ohne Reservierung, selten aber auch ohne Wartezeit, gelangt man ab halb elf auch zum Tanzen an Bord. Stockholm Pride
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