Bush fordert Gesetz gegen Homoehe!
Diskriminierung von Schwulen und Lesben würden legalisiert.

Von Michael Lenz

Kürzlich gab US-Präsident Bush bekannt, dass innerhalb der amerikanischen Regierung an einem Gesetzentwurf gearbeitet werde, der die Heirat ausschliesslich als eine Verbindung zwischen Mann und Frau definiere. Vizepräsident Dick Cheney hält sich bedeckt. Er hat eine Tochter, die offen lesbisch lebt.

In den USA tobt ein handfester Ehekrach. Ausgelöst ausgerechnet durch den konservativen Obersten Gerichtshofes. Dieser hatte im Juli in einer historischen Entscheidung die Benachteiligung Homosexueller verurteilt. Diskriminierung Schwuler und Lesben stelle einen Verstoss gegen die Verfassung dar, befanden die Richter mehrheitlich. Die Befürworter der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe wittern seitdem in den USA Morgenluft. Zusätzlich ermutigt durch die fast zeitgleiche Entscheidung des Obersten Gerichtes von Kanada, das die Öffnung des Instituts Ehe für Schwule und Lesben anordnete. Ohne Wenn und Aber. Und sofort.

Hochzeitstourismus nach Kanada
Nun also setzen die Propagandisten der Homoehe in den USA die konservativen Politiker, die Kirchen, die «Moral Majority» sowie die breite Öffentlichkeit gleich an zwei Fronten unter Druck. Politisch und juristisch. Letzteres durch eine von Schwulenorganisationen wie der Metropolitan Church oder der Human Rights Campaigne gefahrene «Heiraten in Kanada»-Kampagne. Das Kalkül: die Gültigkeit eines «Oui» aus Montreal oder des «Yes, I will» aus Toronto lasse sich zu Hause in New York oder Los Angeles per Gerichtsentscheid einklagen. Die praktischen Tipps für den Hochzeitstourismus nach Kanada bieten die grossen Gay-Internetportale wie das kanadische 365gay.com auf ihren Startseiten.

Buhlen um rosa Stimmen
Auf der politischen Ebene zeichnet sich ab, dass die Homoehe neben dem Kampf gegen den Terrorismus das zentrale Thema des Wahlkampfes 2004 werden wird. Die Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei überbieten sich gegenseitig im Buhlen um die rosa Stimmen. Der Gay Community erscheint derzeit Howard Dean, der als ehemaliger Gouverneur von Vermont den Neuenglandstaat zum ersten und bislang einzigen Bundesstaat mit einer «Eingetragenen Partnerschaft» für gleichgeschlechtliche Paare gemacht hat, am glaubwürdigsten. Hoch im Kurs steht aber auch Dick Gebhardt. Dieser ist samt Gattin Jane mit grossem Medienrummel im Juli der Organisation «Parents and Friends of Lesbians and Gays» beigetreten. Als elterliches und politisches Signal: wir stehen zu unserer lesbischen Tochter Chrissy.

Sache der Bundesstaaten?
Dabei ist Gephardt nicht der einzige US-Spitzenpolitiker mit einer offen lesbischen Tochter. Auch Vizepräsident Dick Cheney hat eine. Zum Thema Homoehe hält sich der Republikaner zwar bedeckt, aber schon im Wahlkampf 2000 liess er verlauten, die Bundesregierung solle sich aus diesem Politikbereich heraushalten. Eherecht sei ausschliesslich Sache der Bundesstaaten. Mit dieser Position scheint Cheney inzwischen nicht mehr im Einklang mit seinem Chef George Bush zu stehen. Der Präsident schliesst nicht aus, die Einführung Homoehe durch die Verfassungsänderung verbieten zu wollen.

Moralapostel Bush
Mit seinem Vorstoss brachte sich Bush jedoch in eine Bredouille. Einerseits leitet er seit seiner nunmehr dreijährigen Amtszeit eine vorsichtige schwulenpolitische Öffnung der Republikaner ein. Andererseits fühlt sich der Texaner seinen einflussreichen Freunden aus der «Moralischen Mehrheit» verpflichtet. Er ist der Meinung, dass schliesslich jeder Mensch sündigen würde und trotz allem toleriert werden müsse, dennoch sei er nicht bereit dieses durch eine Legalisierung der Homo-Ehe in Amerika zu tun. Laut Bush müsse man sich im Leben mit dem einen oder anderen arrangieren und es würde ausreichend Anwälte geben, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen.

David Smith von der Menschenrechtsorganisation zeigt sich äusserst empört. Seiner Meinung nach ist es enttäuschend, dass George Bush nach Wegen sucht, die Diskriminierung in die Gesetze Amerikas mit einfliessen zu lassen. Amerikas Medien seien nun gefordert, denn hier vermischten sich persönlicher Glauben und öffentliche Politik und das in einem Land, in dem das Grundprinzip der Trennung von Staat und Kirche gelte.

 

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