schmaz mit Schubert
Es heben und regen sich tausend Kräfte – Und künden der Liebe selige Lust *

Von Kurt Büchler

«Wir arbeiten seit ein paar Monaten an unserem 'Schubert-Abend'», erklärt Urs. Er ist Vizepräsident und betreut die Presse. «Wir setzen populäre und weniger bekannte Schubert-Lieder in Szene. Nicht nur wir - Franz Hohler - ja, der mit dem Cello! - ist auch mit von der Partie und ebenfalls der berühmte Pianist Irvin Gage».

Urs ist seit viereinhalb Jahren dabei. Er hat 6 Jahre lang Gesangsstunden genommen, jedoch nur zum Plausch - er hat nie die Karriere eines Profi-Sängers angestrebt. Er schätzt es, dass im schmaz nicht nur oberflächliche soziale Kontakte möglich sind wie in den meisten Gay-Discos - wobei Urs natürlich trotzdem hin und wieder in denselben anzutreffen ist...

Wie kommt Mann überhaupt zum schmaz?
CRUISER wollte mehr wissen und sprach mit einigen Sängern. «Wer im schmaz singen will, sollte schon Gesangsstunden genommen oder bereits Chorerfahrung gesammelt haben. Er kann mal bei uns schnuppern... und dann gibt es ein 'Casting'», sagt Daniel. «Zuerst singt der 'Kandidat' ein bekanntes Lied seiner Wahl und anschliessend werden seine Talente im 'Ab-Blatt-Singen' getestet - wobei dies keine Aufnahmebedingung ist. Dann beginnt für den frischgebackenen Schmazler die Arbeit mit schmaz - das bedeutet Proben an fast jedem Montagabend, vor einem neuen Programm auch sonst einmal während der Woche. Es kann auch vorkommen, dass die Sänger zu Hause zusätzlich Noten büffeln müssen - wenn man in den Proben zu wenig Zeit für jedes Detail hat. Aber trotz dem zeitweisen Stress kommt bei uns auch der Spass nie zu kurz! Übrigens, der jüngste Sänger ist 22 und der älteste 64 Jahre alt». Daniel ist seit diesem Jahr Präsident, als Nachfolger von Peter Kyburz, dem neuen Leiter des Bernhard-Theaters. Seit er 15 war, singt er in Chören. Vor zehn Jahren hat er zum ersten Mal vom schmaz gehört und war sofort begeistert. Seit vier Jahren ist er nun dabei. Daniel schätzt die gute Freundschaft der Sänger untereinander, natürlich die Musik, das soziale Umfeld und den schmaz auch wegen seines etwas anderen Stils als die Männerchöre landauf landab. «Ausserdem erfüllt der schmaz auch eine politische Funktion: Schwule Emanzipation durch Musik!»

Hanspeter hat, seit er 12 Jahre alt ist, mit kleineren und grösseren Unterbrechungen immer in einem Chor gesungen, zuerst im Jugendchor seiner Schule, später auch in grossen klassischen Chören. Dass sein Grossvater bereits im Männerchor gesungen und in der Familie die Hausmusik gepflegt wurde, hatte sicher einen Einfluss. Seit zehn Jahren ist er beim schmaz und auch er schätzt das soziale Umfeld.

Laurent ist Romand. Er hat schon als Schüler in einem Kinderchor gesungen. Seit drei Jahren lebt er in Zürich und seit etwas mehr als einem Jahr ist er beim schmaz. «Mit 'schmazTell' habe ich den schmaz entdeckt. Für mich ist es wichtig, dass es ein 'schwuler' Chor ist und ich mich unter Gleichgesinnten bewegen kann. Für mich sind natürlich alle Lieder neu - wegen der Sprache - und das gibt doch einige Arbeit, aber immer mit Spass.

Erfolgreicher schmaz
Der Schwule Männerchor Zürich eilt von Erfolg zu Erfolg. Auf Einladung grosser Kulturinstitutionen wurden auch immer wieder grosse Chorwerke unter bekannten Gastdirigenten einstudiert, etwa zusammen mit dem Singkreis der Engadiner Kantorei in der Tonhalle Zürich und dem Opernhaus Zürich. Im März 2002 wurde Daniel Fueters Judas-Passion im Rahmen des traditionellen Karfreitags-Konzertes im Grossmünster uraufgeführt und an der EXPO.02 gab schmaz zwei Abendkonzerte in Zusammenarbeit mit Franz Hohler und Irène Schweizer. Einer der Höhepunkte war sicher die Einladung des Bundesrates zum Staatsempfang für Vaclav Havel auf dem Rütli. Gegründet wurde «schmaz - schwuler männerchor zürich» 1990. Bereits sind fünf abendfüllende Programme erarbeitet worden, die sich durch ihre grosse musikalische Bandbreite und szenischen und choreographischen Elementen auszeichneten. «schmaz am Wasser» (1992), «schmaz im Mond» (1994), «schmazhaft!» (1996), «schmaz ahoi!» (1998) und «schmazTELL» (2001) wurden mit viel Erfolg in Zürich und in verschiedenen anderen Schweizer Städten aufgeführt.

Ein Schubert Abend
«Ein Schubert-Abend» nennt der schmaz sein neues Projekt. Franz Schubert, der über 700 Gedichte vertont hat, stand am Anfang der Probenarbeit und hat den Chor all die Jahre begleitet. Im neuen Projekt steht der grosse Romantiker wieder im Mittelpunkt.
Das impliziert ein bekanntes Szenario, das der schmaz und sein Dirigent natürlich nicht ohne weiteres übernimmt. Vielmehr fragt er sich, ob die romantische Musik und ihre Themen nicht doch zeitgemässer sind, als es gemeinhin den Anschein hat. Wie fern liegen uns Einsamkeit und Ausgestossensein, Armut und gedankliche Enge? Und wohin mit Wald und Bächlein?

Zwei bekannte Künstler haben sich bereit erklärt, im Programm mitzuwirken: Irwin Gage, der weitgereiste Liedbegleiter und Dozent der Hochschule für Musik und Theater Zürich, übernimmt den Klavierpart. Franz Hohler, der Kabarettist und Schriftsteller, wird die Zuschauer mit seinen Texten auf den Schubertschen Reisephantasien begleiten. Als szenischer Koordinator wirkt der Leiter des Hechtplatztheaters, Dominik Flaschka.

Ein Schubert Abend

30. Oktober Premiere, und anschliessend bis 2. November im Volkshaus Zürich, 20.00 Uhr
14. November im Stadttheater Winterthur, 20.00 Uhr
21. November im Stadttheater Chur, 20.00 Uhr
22. November in Amriswil, 20.00 Uhr
Weitere Infos und Vorverkauf unter www.schmaz.ch


*aus «Frühlingsgesang»

 

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