Regenbogen über dem Bundeshaus
18 Nationalrats-Kandidatinnen und Kandidaten bekennen sich offen als schwul oder lesbisch

von Martin Ender


Der Rücktritt von Bundesrat Kaspar Villiger hat wieder einmal die Diskussion losgetreten über die Kriterien, die ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin erfüllen muss. Gemäss aktueller Arena-Diskussion stehen an erster Stelle unbestritten Parteizugehörigkeit und Führungsqualtiäten. Danach folgen Kriterien wie Regionen, Kantone. Ausgleich von Stadt und Land. Die angemessene Frauenvertretung. - Hat die Gay-Community auch einen Quoten-Anspruch?

Reden wir (noch) nicht vom Bundesrat. Aber vom Nationalrat. Schön, dass 18 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Community zu den Eidgenössischen Wahlen vom 19. Oktober 2003 antreten. Das sind sieben mehr als noch vor vier Jahren! Sollten alle gewählt werden, wäre das bei 200 Nationalratssitzen quotenmässig schon fast eine angemessene Vertretung. Auf der Seite der sich zur Wahl Stellenden sind wir auf gutem Wege (insgesamt gibt es aber für die 200 Sitze 2836 Kandidierende). Nun sind also die Wähler gefordert!

Die Wahlkriterien
Natürlich darf «schwul oder lesbisch» nicht erstes Kriterium sein. In erster Linie muss der schwule Wähler und die lesbische Wählerin mit der politischen Ausrichtung einer Partei klarkommen. Dem schwullesbischen Lebensstil entsprechen da in der Regel die rechten, konservativen und Familienparteien weniger. Doch aufgepasst, auch die SVP hat ihre schwulen und lesbischen Kandidaten und Kandidatinnen!

Die NZZ entwickelte in ihrer Wahlbeilage ein «Fraktions-Spinnennetz». Aufgrund der Stimmabgaben bei Namensabstimmungen hat sie damit die politische Ausrichtung sichtbar gemacht bei 9 Themenkreisen. Für die Gay-Community interessant ist der Punkt «gesellschaftliche Liberalisierung» (siehe Kasten). In diesen Themenkreis gehört nämlich das noch zu beratende Partnerschaftsgesetz auf Bundesebene.

Entscheidende Legislaturperiode
In der neuen schweizerischen Bundesverfassung ist es bereits verankert: niemand darf wegen seiner Lebensform diskriminiert werden. Dieser Grundsatz muss jedoch in der Gesetzgebung präzisiert werden, damit er auch tatsächlich umgesetzt wird. In der nächsten Legislatur wird das Partnerschaftsgestz auf Bundesebene im National- und Ständerat bereinigt und verabschiedet. Darum ist es wichtig, dass starke PolitikerInnen im National- und Ständerat sein werden, die sich für die lesBischwule Sache einsetzen.

Natürlich gibt es auch Kandidaten, die nicht zur Community gehören und die sich dennoch stark machen für das Partnerschaftsgesetz. Namentlich sei hier der bisherige Nationalrat Mario Fehr, (SP) erwähnt, der sogar die Adoption und Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare befürwortet.

Also, die Wahl am 19. Oktober nicht verpassen. Personen wählen, aber auch gut überlegen, welcher Partei man zu mehr Stärke im Partei verhelfen will.

Haltung der Parteien zum Thema
«gesellschaftliche Liberalisierung»

(nicht identisch mit der wirtschaftlichen!).

Die Wertung geht von 100 (starke Zustimmung) bis 0 (starke Ablehnung)

SPS 100 Punkte, geschlossene Zustimmung
GPS 90 Punkte, starke Zustimmung
FDP 75 Punkte, grosse Zustimmung
CVP 60 Punkte knappe Zustimmung
SVP 25 Punkte, grosse Ablehung

Die 18 Nationalrats-Kandidatinnen und Kandidaten, die sich sich offen als schwul oder lesbisch bekennen

Aargau
SP, Doris Stump
SVP, Patrizia Salm

Basel-Land
SP, Claude Janiak

Basel-Stadt
SVP, Michel-Remo Lussana

Bern
GP, Bernhard Pulver
SVP, Thomas Fuchs

Genf
Alliance de Gauche, Catherine Gaillard

Luzern
GP, Pia Blatter
SP, Michael Grüninger

Zürich
AL, Peider Filli
AL, Stella Jegher
AL, Anja Recher
AL, Liliane Späth
FDP, Hans-Peter Portmann
GP, Martin Abele
Juso, Simone Brander
Juso, Esther Brunner
SP, Martin Naef

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