Eine Diva feiert Geburtstag
Das Laby wird zehn Jahre alt und lädt zur Geburtstagsparty am 8. November 2003

Interview: Roman Ulrich

Alles begann vor zehn Jahren in einem verwinkelten und stickigen Luftschutzkeller im Kreis 5 in Zürich. Damals hätte wohl niemand gedacht, dass aus dem illegalen Club mit Underground-Ambiente einst eines der schillerndsten Epizentren des Zürcher Nachtlebens werden würde. In den zehn Jahren seines Bestehens ist das Labyrinth unbestritten zur Primadonna assoluta der Club-Szene aufgestiegen. Eine Primadonna, die ihr Publikum durchaus auch mit den dazugehörenden Attitüden und Allüren in ihren Bann zu ziehen weiss. Cruiser sprach mit Peter Breitenmoser und Luca Bernardini, dem Paar hinter dem Laby, über den bevorstehenden runden Geburtstag ihres Clubs.

Euer Club, der weit über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgt, feiert seinen zehnten Geburtstag. Was ist das für ein Gefühl?

Peter: Es ist ein extrem gutes Gefühl und wir beide sind sehr glücklich darüber. Als wir angefangen haben, hätten wir nicht gedacht, dass es das Labyrinth in zehn Jahren noch geben würde. Wir hatten aus Lust und Fun heraus illegal angefangen und mussten jeden Tag damit rechnen, dass unser Club geschlossen würde. Zudem verlief der Wechsel von der ersten Location in die Baslerstrasse nicht besonders gut, da anfänglich nur wenig Leute mitkamen.

Wie erklärt ihr euch, dass euer Club in den zehn Jahren seines Bestehens zu dem "Place to be" in der Schweizer Party-Szene geworden ist?

Peter: Die Art von Club hat es früher nicht gegeben, es gab entweder schwule oder Heti-Clubs. Unser Konzept war von Anfang an eines der Tolorenz, wir wollten diese beiden Gruppen zusammenbringen

Luca: Ich denke, ein Vorteil liegt darin, dass wir nie den Club oder unsere Arbeit ins Zentrum gerückt haben. Wir haben immer versucht, nur den Rahmen für die Nacht zu stecken, eine Plattform zu bieten. Profiliert in der Nacht haben sich immer nur die Gäste. Und sicherlich hat auch die Mischung zwischen Schwulen und sogenannt Heterosexuellen zum Erfolg unseres Clubs beigetragen. Im Labyrinth können die Leute sich selber sein, aufgestylte Partygänger haben im Laby genauso Platz wie Leute mit kleinerem Budget, die mit Jeans und Turnschuhen unterwegs sind.

Verspürt ihr manchmal Wehmut, wenn ihr an die Anfangszeiten des Laby fernab von Kommerz und Mainstream zurückdenkt?

Peter: Eigentlich nicht, wir strebten schon von Anfang an einen möglichst professionellen Club an. Wir waren schon damals nicht einverstanden mit Parties ohne WC-Papier und mit lauwarmem Bier. Die illegale Zeit war sicher schön, wir sind aber gerne weitergegangen. Und was heisst Kommerz? Wir haben vom ersten Tag an vom Laby gelebt, es hatte also von Anfang an einen kommerziellen Gedanken. Ich würde nicht sagen, dass sich seit den illegalen Zeiten so viel geändert hat, wir sind einfach grösser und professioneller geworden.

Luca: Worin vielleicht ein bisschen Wehmut mitschwingt, ist die Grösse. Als wir im ersten Keller anfingen, hatten wir hundertfünfzig Quadratmeter zur Verfügung und somit eine überschaubarere und familiärere Atmosphäre.

Laut Pressemitteilung ist es euer Ziel, «die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Neigungen zu fördern». Hattet ihr nie Bedenken, dass das Laby zu einem Zoo für neugierige Heterosexuelle verkommt?

Peter: Das war wahrscheinlich eine Gratwanderung während der letzten zehn Jahre an der Türe. Verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Neigungen sollten im Laby einen Ort der Begegnung finden. Dieses Konzept fordert von den Gästen Toleranz und Respekt vor dem Mitmenschen, egal ob gay oder hetero.

Luca: Unser Anliegen war immer, dass wir die verschiedenen Gruppen zusammenführen können, aber nicht auf einer komischen Schiene. Deshalb versuchten wir immer die Leute an der Türe rauszusondern, die sich im Stil «Schau mal diese Schwulen dort!» benahmen oder sogar noch aggressiv wurden. Aber ich muss betonen, dass es anderseits auch Schwule im Club gab, die dachten, jeder Mann im Club sei vogelfrei und sie könnten einfach anmachen, anbaggern und abschiessen. Auch die Schwulen mussten lernen, dass es heterosexuelle Männer gibt, die gerne in einen Club wie das Laby kommen und die ernst genommen werden möchten, wenn sie zweimal Nein gesagt haben.

Wenn man Erfolg hat, sind Neider nicht weit. Was sagt ihr zu folgender Aussage: Das Laby ist in Ordnung, aber nur wenn man auf Drogen ist?

Peter (lacht): Also wenn Leute das Laby nur (mit Betonung auf nur!) okay finden, wenn sie selber auf Drogen sind, dann tut mir das leid. Es hat sicher auch mit der Musik zu tun: Zu House-Sound kann man besser nur Eins trinken, Progressive und die Technoszene hingegen hatten schon immer ein wenig mehr mit Drogen zu tun, das kann und muss man auch gar nicht beschönigen. Aber ich denke, Schwule und reifere Clubber haben längst gelernt, mit Drogen besser umzugehen. Sie geniessen sie, ohne dabei abzustürzen, so dass wir in den zehn Jahren auch nie Probleme damit bekommen haben.

Luca: Ich weiss und es lässt sich auch gar nicht weg diskutieren, dass Drogen eine Sache sind, die weltweit zum Nachtleben gehören, das ist nicht nur beim Laby der Fall. Ich bin kein Verfechter von Nüchternheit über alles, aber wir gehen relativ radikal gegen Leute vor, die übertreiben und ein jämmerliches Bild abgeben. Zudem machen wir seit den ersten Stunden beim Präventionsprojekt «Safer Clubbing» der Stadt Zürich mit. Wir wollen einen schönen Abend bieten und deswegen werde ich grantig, wenn einer denkt er, müsse stockbesoffen oder «zue wie e Schissi» - sorry für den Ausdruck - in einer Ecke zusammenbrechen.

Wenn man Laby-Member werden möchte, muss man sich persönlich bei euch vorstellen. Welche Kriterien muss man dabei erfüllen? Und wie stehen die Chancen, wenn ich in Batik-Pluderhosen und Espadrilles zum Vorstellungsgespräch aufkreuze?

Luca (lacht): In erster Linie sind wir froh, wenn die Leute schon ein paar Male im Klub waren, ihn ein bisschen kennen und wissen, was drinnen so abgeht und passiert. Dann sollte ein Kandidat eine Art «Götti» haben, der bereits Member ist. Aber es gibt keine statischen Kriterien, das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Das Outfit spielt sicher auch eine Rolle. An einer Schaumparty könntest du aber problemlos mit Espadrilles aufkreuzen (lacht). Lern Du uns kennen und wir lernen dich kennen und entscheiden wer Member wird. Es ist uns einfach ein grosses Anliegen, dass wir jeden Member persönlich kennen.

Peter: Das Laby ist ein erotischer Klub, deswegen sollte man nicht gerade in weissen Tennissocken und Turnhosen bei uns einfahren.

Wie werdet ihr das zehnjährige Bestehen eures Clubs feiern?

Peter: Mit einer Party in der Maag Music Hall am 8. November 2003. Es wird sicher die grösste Party, die wir je veranstaltet haben. Von der Stimmung her würde ich mich freuen, wenn dies die Party des Jahres werden würde. Das Publikum darf sehr viel Unterhaltung und gute Musik erwarten.

Luca: Was sie auch erwarten dürfen, sind sehr viele gute Leute, die sie schon lange lange nicht mehr gesehen haben. Wir versuchen den Spagat zwischen einer Art Jahrmarkt-Fest-Stimmung und Party-Stimmung, wobei ich an den surrealen Jahrmarktcharakter mit Karussell etc. denke. Ich hoffe, es wird der wärmste Anlass im November!

Ihr seid nicht nur geschäftlich, sondern auch privat ein Paar. Verlief eure Zusammenarbeit bisher stets harmonisch?

Luca: Es ist nicht einfach, eine Beziehung zu haben und auch noch zusammen zu arbeiten. Und dennoch denke ich, dass diese Tatsache unsere Beziehung über die letzten zehn Jahre hinweg gestärkt hat. Man kann sich gegenseitig unterstützen, wenn einer ein Tief hat, kann der andere sich etwas mehr ins Zeug legen.

Peter: Daran arbeiten wir heute noch (lacht). Der Club hat unsere Beziehung sicher gekittet und andererseits hat die Beziehung auch den Club schon gerettet. Wenn einem einfach alles über den Kopf wächst, kann man zu Hause darüber diskutieren, das ist von unschätzbarem Wert.

 

 

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