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«Ich wollte Weltstar
werden» von Martin Ender Der Weg zum Star «Christof, was war dein Bubentraum?» Auf diese Frage kommt sehr schnell «Ich wollte gleich ein Weltstar werden! Egal wie und zu welchen Konditionen.» So hat er denn in seiner Ungeduld auf dem Weg zum Starruhm den «Bettel» noch vor der Matur hingeschmissen, hat in Zürich Schauspielunterricht genommen und sich mit 20 bereits die erste Hauptrolle geangelt am Basler Theater. Das war 1980. Danach war er in Bern fest engagiert. Die Karriere als Schauspieler ist gut angelaufen. «Ich hatte wohl genügend Frechheit, mich anzubieten». Mit 23 hatte er schon soviel Schauspielerfahrung gesammelt und Referenzen vorzuweisen, dass er sich berufen fühlte, Amerika zu erobern. Er ging nach New York, «jung, naiv mit wilden Perpespektiven im Kopf». «Ich ging dahin um weltberühmt zu werden, wollte eine Karriere als Schauspieler machen und dachte, die Stadt liegt mir zu Füssen. Ich hab die Karriere auch angefangen und an Theatern in New York gespielt. Aber bald begegnete ich dieser Aidsrealität. Ich fand ein depressives New York vor. Da sind Saunen geschlossen worden, da ist die Polizei in die Clubs eingefahren.» Dieses ungute Umfeld führte zu einem Wendepunkt. Der ungestüme Aufbruch des jungen Christof erlitt einen Einbruch. «Plötzlich haben in Clubs Todesanzeigen an der Wand gehangen. Ich wusste erst gar nicht was das ist...Ich habe diese Buchstaben (AIDS) gelesen und gedacht, Aid..., das hat mit einer Hilfsorganisation zu tun. Da ist bei mir privat etwas passiert wie bei der Figur Steff in Hildes Reise: ich will etwas ganz Bestimmtes, aber es geschieht etwas ganz Anderes...»
Christof Vorster kehrte in die Schweiz zurück. Die Zeit in Amerika hat ihn geprägt. Von da an wollte er nicht mehr nur sein «Gesicht hergeben» für andere Figuren, wollte nicht mehr (nur) Schauspieler sein. Er wollte selber Geschichten erzählen. Mit mindestens soviel Selbstsicherheit wie er sie als Schauspieler hatte, begann er seine Arbeit als Autor und Regisseur. Dieser Seitenwechsel vom Darsteller zum «Schöpfer» ist für ihn aus heutiger Sicht ein Entscheid, der richtig war. Auf die Frage, ob
das gut funktioniere, zu schreiben und selber auch Regie zu führen
meint Christof: «Ich denke das ergibt das, was man Autorenfilm nennt,
da gibt jemand einem Produkt seine Handschrift und die Unterschrift. Und
das spürt man... Aber ich will das jetzt nicht werten. Das ist einer
von vielen Wegen, einen Film zu machen. Ich habe bisher all meine Filme
so gemacht. Das sind einfach schöne Prozesse... ich hätte eigentlich
Gärtner werden sollen. Ich sehe gerne, wie etwas entsteht und wächst.»
Im Falle von Hildes Reise waren das lange Prozesse. Ein erstes Exposé
hat Christof bereits 1997 geschrieben. Zu Beginn packte er die Geschichte
in einen Thriller. «Auf dem langen Weg macht so ein Projekt viele
Veränderungen durch. Ich brauche diese Zeit, um herauszufinden, wo
eigentlich die Substanz der Geschichte ist. Und dann braucht es den Mut,
die Substanz zu realisieren.»
In Hildes Reise wird das Thema über die Figur von Rex abgehandelt, der im Leben zurückgelassen wird, und nicht über den (bereits verstorbenen) Martin. Dazu meint Christof: «Mich interessierte es zu zeigen, was es für einen jungen Menschen heisst, unter dieser Prämisse zu leben. Ich wollte nicht einen sogenannten Aidsfall aufrollen, in seiner ganzen Schwere...Ich habe es x-mal erlebt mit Freunden, unsere Generation hat das erlebt, und für mich ist das Vergangenheit. Wir leben heute in einer Post-Aids-Phase', da heisst, für viele Leute ist das Thema erledigt, weil nicht mehr reihenweise weggstorben wird. Der Krieg ist befriedet. Es ist aber kein anhaltender Friede. Mit den Therapien gibt es ein neues Leben, ein anderes Leben. Man ist nicht mehr krank. Aber auch nicht gesund. Wie lebt jemand so, das ist für mich die zentrale Frage. Ich habe herausfinden wollen, gibt es sinnliches Erleben, das ich erzählen kann? Was kann es für einen Menschen bedeuten, diese enge Korsett, das ewige eingeklemmt sein in diese Krankheit mit allen Faktoren? Ich versuche, dem Zuschauer einzelne Elemente zu vermitteln, sei es dieser Wecker, der nervt, und am Schluss des Filmes ist ein Bild da.» Christof Vorster will keine Prävention machen, kein Plakat schaffen, wo man hinschaut und sagt, jaja ich weiss es - und tschüss. Aids steht ja auch nicht zuvorderst im Film. Er will «die Kurve kriegen», über eine spannende Geschichte eine breite Schicht mit dem heiklen Thema zu konfrontieren, ohne zu erdrücken. Der Film Hildes Reise hat die besten Voraussetzungen dafür. |