Invasion aus der Romandie
Lausanne beglückt Zürich mit der Jungle-Party

Wer sich bisher an der Jungle Gay Party berauschen wollte, musste seinen ganzen Mut und sämtliche im 70er-Jahre-Kultbuch «On y va» gelernte Französisch-Brocken zusammenklauben, um «la bière» und «l'eau minérale» an der Bar im MAD in Lausanne auch prompt ergattern zu können. Ab sofort geht das etwas einfacher: Nach zehnjährigem Unterbruch wagt es die Jungle am 10. Januar 2004 zum zweiten Mal über den Röstigraben und lockt auf die «piste de danse» im Rohstofflager.

MAD meets Rohstofflager

Wenn sich rund um den Lausanner Club MAD jeweils ungewöhnlich viele Autos mit Deutschschweizer Nummerschildern durch die Strassen zwängen, ist Jungle-Zeit. Die Party, für die man auch mal für kurze Zeit den Schulfranz-Alptraum vergisst, ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der schwulen Partyszene und Lausannes Trumpf im Kampf mit Genf um den Titel des welschen Party-Mekkas. Alexandre Herkommer, der seit über dreizehn Jahren schwule Parties organisiert, träumte schon lange von einer erneuten «version suisse alémanique» seiner Party: «Ich hatte diesen Wunsch schon lange. Nach dem riesigen Erfolg der ersten Jungle-Party in Zürich vor zehn Jahren in der alten Börse und nach der Start-Up Party der Eurogames fragten mich viele Leute, weshalb ich nicht auch regelmässig in Zürich Parties veranstalte, da Lausanne so weit weg sei. Ich wollte aber nicht mehr einen anonymen Saal als Location und begann, einen guten Club in Zürich zu suchen. Das Rohstofflager ist perfekt für meine Ansprüche, hat ein tolles Sound-System und ist gut gelegen».

Eine Wundertüte aus dem Welschland

Am 10. Januar ist es soweit, dann wird die mit internationalen Drag-Queens und sexy Go-Go-Boys gefüllte welsche Tischbombe in Zürich zum Krachen gebracht. Musikalisch wartet die Romandie auf zwei Floors mit Tech-House, R&B, Urban Soul und Hip-Hop auf. «Die Deutschschweizer Partyszene liebt Techno-Trance über alles, ein Stil, der seit zehn Jahren im Laby viel, vielleicht zu viel gespielt wird. In Lausanne ist US-House beliebter», so präzisiert Alex die Unterschiede zwischen dem Nachtleben der Waadt und der Zwinglistadt. An einen eigentlichen Party-Röstigraben aber glaubt er nicht: «Wenn ich in Zürich bin, treffe ich viele Romands und man muss nur einmal sehen, wie viele Deutschschweizer an die Jungle in Lausanne kommen, vor allem im Sommer an die bekannten Schaumparties.» In Zukunft werden die welschen Export-Nächte wohl vermehrt von sich reden machen, die Partnerschaft mit dem Rohstofflager jedenfalls beruht auf einem längerfristigen Vertrag. Die nächste grosse Soirée soll im Juni anlässlich des Christopher Street Day stattfinden. Zudem sind ab Februar auch kleinere Parties im Elektro-Tempel Toni Molkerei geplant.

Der Kampf um das Partyvolk

In den letzten Monaten scheinen in Zürich neue grosse Gay Parties wie Pilze aus dem Boden zu schiessen. Doch beeindrucken durch die grösser werdende Konkurrenz lässt sich Alex nicht: «Ich liebe die Angels-Parties. Es sind schöne, bunte, lustige und sehr gut organisierte Events mit einer tollen Deko. Die Leute von Salvation Zürich hingegen haben einfach das Konzept, das ich in Lausanne im MAD schon erfolgreich durchgeführt habe, geklaut und in Zürich kopiert, einen Saal gemietet und die Engländer kommen lassen. Es ist schade, das man so wenig respektvoll umgeht, aber «business is business» und das schnelle Geld scheint ihnen gut zu gefallen. Ansonsten haben wir mit den verschiedenen Veranstaltern gesprochen und wir versuchen die Anlässe nicht am gleichen Wochenende zu machen.» Alex rechnet damit, dass die Jungle in Zukunft rund alle zwei Monate in Zürich stattfinden wird. Damit können alle jene aufatmen, denen die Konjugationen von «avoir» und «être» bis zum heutigen Tag ein einziges Fragezeichen geblieben sind, und das angegilbte «On y va»-Franzbuch getrost dem Altpapier übergeben.

 

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