Trash-Inferno aus der Fernseh-Küche
Der schwule Sonntagabend in der Labor-Bar startet ins dritte Jahr

Wenn am Donnerstagabend zur Primetime im Fernsehstudio an der Schiffbauhalle das rote Licht aufleuchtet, flimmert "Aeschbacher" über Helventiens Bildschirme. Mit dem Schluss-Signet geht der Abend jedoch nur für die Fernseh-Zuschauer zu Ende: Im Studio wird nach der Sendung das DJ-Pult aufgefahren, die Discokugel in Bewegung gesetzt und der Champagner entkorkt.


Diese wundersame Metamorphose verwandelt jeweils auch am Sonntagabend das Fernsehstudio in die Labor-Bar. Dann lockt Sunday Trah für Gays & Friends mit der Verführung, das Wochenendvergnügen noch etwas andauern zu lassen. In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Party mit Sinn für Ironie still und leise die Massen und Herzen erobert.

Wie alles begann

"Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an", trällerte Schlager-Sternchen Monica Morell weil ihr Tommyboy just an diesem Wochentag nicht mehr zu ihr zurückkehrte. Weniger negative Erfahrungen mit dem Tag des Herrn scheinen die unzähligen Partygänger gemacht zu haben, die jeweils an die Schiffbaustrasse zum Sunday Trash strömen und gerade an einen Sonntag - in welchem Sinn auch immer - etwas anfangen wollen. Talkmaster Kurt Aeschbacher himself gelangte vor zwei Jahren an Luca Papini, als er auf der Suche nach einem sonntäglichen Party-Konzept war. Papini, in der Szene berühmt-berüchtigt als Glamour-Diva Tara LaTrash (O-Ton: "Ich habe keine Feinde, nur Neider."), hatte die zündende Idee und wurde in der Folge Co-Geschäftsführer der Labor-Bar. An die Anfangszeiten hat Luca nicht nur gute Erinnerungen: "Der Anfang verlief harzig, wir machten absolut keine Werbung, nur ein paar Flyers und Mails. Wir mussten uns sukzessive im Markt etablieren. Inzwischen wissen wir aber, dass die Labor-Bar ein sicherer Wert ist. Ausser dem Sonntag läuft zum Beispiel auch die Lesbenparty ‚ooohh 7 days' am Mittwochabend sehr gut oder die Celebreighties-Night am Freitag ab 28 Jahren, die wie eine Bombe eingeschlagen hat."

Ein leiser Aufstieg

Der Aufstieg der Labor-Bar tönt ein bisschen wie das Märchen vom Aschenputtel, in dem die leise und bescheidene Protagonistin am Ende über die eitlen und hochnäsigen Schwestern auftrumpft. In den zwei Jahren rührte man denn in der Fernseh-Küche stets mit kleiner Kelle an und gab sich unter dem Motto "everybody's welcome" punkto Einlass zicken- und allürenfrei, eine Club-Philosophie, wie sie sich Hausherr Kurt Aeschbacher ausdrücklich wünscht. Mittlerweile dürften die Besucher-Zahlen selbst dem populären Talkmaster keine schlaflosen Nächte mehr bereiten. Die Partywilligen am Sonntagabend lassen sich längst nicht mehr auf Coiffeure und Verkäufer reduzieren, die am Montag ausschlafen können. In der Szene munkelt man, dass Sunday Trash die Bar-Kassen wie ein Goldesel zum Klingeln bringe. Veranstalter Luca Papini hingegen relativiert die Meinung, er mache mit Sunday Trash das grosse Geld : "Wir verlangen am Sonntagabend keinen Eintritt und dies wollen wir auch so beibehalten. Es könnte zwar eine kleine Änderung geben, die aber für clevere Gäste nicht viel ändern wird. Dazu möchte ich aber noch nicht zu viel sagen, denn das würde erst ab Herbst aktuell."

Stöckelschuh-House

Sunday Trash, der schwulen Abend im Fernsehstudio steht mit Bedacht unter einem ironischen Stern und hebt sich damit von einer oft auf cool und unnahbar machenden Zürcher Szene ab. "Trash ist immer auch Tratsch, ist Verarschung, sich selbst nicht so ernst nehmen und meint ein wenig den Zustand auf der Kippe zwischen lustig und doch professionell", so präzisiert Luca den Party-Titel. Im trashigen Gewand kommt übrigens auch die Musik des Abends daher. So hantiert beispielsweise DJ Wollana, für seine Schwäche zu deutschem Liedgut und den schönsten Verbrechen der achtziger Jahre bekannt, an den Plattentellern. Partymacher Luca selbst bezeichnet den Sonntags-Sound lachend als "Funky-Glamour-High-Heels-House", und dürfte damit selbst bei erprobten Musikexperten für rauchende Köpfe sorgen. "Diesen Sound legen die DJs Deesse & Pitbul, DJ Daniel Db vom MAD Lausanne, DJ Eke, DJ Friedemann R. und auch DJ Juiceppe auf, die alle zu unseren DJs gehören. Wichtig ist, dass wir musikalische Abwechslung bringen. Das schätzen die Leute, auch wenn halt mal an einem Abend 70er und 80er läuft und an einem anderen Abend House", so Luca, der ganz nebenbei auch noch selbst als DJ Tara LaTrash am Mischpult wirkt.


Party vor dem Start ins dritte Jahr

Ende Monat startet Sunday Trash nun ins dritte Jahre und wird auch sicherlich in Zukunft noch manchen Sonntagabend versüssen, wie Luca Papini versichert. Am Wochenende vom 27./28. März wird aber zunächst das zweijährige Labor-Bar-Jubiläum begangen. Highlight ist unter anderem DJ Kenny Dee, der eigens für die Geburtstags-Ausgabe von Sunday Trash am Sonntag aus Berlin eingeflogen wird. Die Leute hinter den Kulissen werden nach dieser Nacht wohl alle Hände voll zu tun haben, das Fernsehstudio wieder für den Auftritt am Bildschirm herzurichten. Denn nur Tage später sendet Aeschbi National von dort aus wieder seine Sendung, "die man nie nur aus Langeweile schaut", in die Stuben des Landes.


 

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