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Der Traum jeder Schwulen-Mutter Er ist jung, schön und schwul. Und er bewirbt sich um den Titel als offiziell schönster Schweizer Mann. Der Wirbel war gross anfangs März, als die Schweizer Boulevard-Presse Mister Schweiz-Kandidat Andreas Haag (25) als Schwulen outete. "Darf ein Schwuler schönster Schweizer werden?" fragte sich eine bemüht moderat gebende Schweizer-Illustrierte. Er darf, folgt man der geradezu euphorischen Berichterstattung, die dem "homosexuellen Natel-Verkäufer aus Uzwil" (SI) in den Schweizer Medien zu Teil wurde. Die Schweizer Gay Community ist um eine Identifikationsfigur reicher. Schenkt man der Abstimmung auf der Mister Schweiz-Webseite Glauben, so stehen die Chancen gut, dass der 1.90 m grosse Ex-Grufti Andreas Haag am 22. Mai im Kampf um den Mister Schweiz-Titel als Sieger aus dem Ring steigt. Wahlprognosen hin oder her, im Moment sieht es ganz so aus, als könnte der charismatische Exil-Zürcher durch seine blosse Teilnahme an der Mister Gay-Wahl das schaffen, was bisher einem Mistergay aufgrund der geringeren Medien-Resonanz verwehrt blieb: Das Bild eines modernen, weltoffenen und trendigen Schwulen in das ganze Land hinaustragen und die Botschaft übermitteln, dass Geissenpeter nicht zwangsläufig nur mit Heidi glücklich werden kann. Erreichen, dass Schwulsein auch in Hinterkappelen, Ennetmoos oder Obersiggenthal nicht mehr als krank oder gar pervers angesehen wird. Mit der Kandidatur von Andreas Haag erreichen die gesellschafts-politischen Bemühungen der letzten Jahre auf einem anderen, glamourösen Parkett einen erneuten Höhepunkt. Am 22. Mai wird in der Maag Event Hall nicht mit Vorlagen und Gesetzen, sondern mit Muskeln, Haargel und Knackarsch für die schwule Sache gekämpft. Cruiser hat den Beau mit Ostschweizer Wurzeln im Barfüsser getroffen und mit ihm über die Mister Schweiz-Wahlen gesprochen. Wie bist du auf die Idee gekommen, an den Mister Schweiz-Wahlen teilzunehmen? Eigentlich hat es aus einem Blödsinn heraus angefangen. Ich sah letztes Jahr die Mister Schweiz-Wahlen am Fernsehen.Im Abspann wurde man aufgefordert, sich für die nächsten Wahlen anzumelden. Ich habe dann meine Unterlagen abgeschickt und dann lange nichts mehr gehört. Plötzlich bekam ich eine Einladung für das Casting. So ist das ganze vor sich gegangen. Klar fragte ich mich, was die Organisation dazu sagen würde, oder ob es überhaupt erlaubt wäre, dass ein Schwuler an der Wahl teilnehme. Ich hatte die Idee - falls das ganze verboten wäre - mich dafür einzusetzen, dass die Mister Schweiz-Wahl entweder zur Mister Hetero-Wahl umbenannt würde oder dass diese Klausel aus den Statuten herausgestrichen würde. Wussten die Mister Schweiz-Organisationen von Anfang an, dass du schwul bist? Nein, ich bin ans Casting gegangen, habe dort nicht gelogen, aber einfach nichts gesagt. Ich habe das erst nach der Ausbildungswoche, nachdem der grösste Teil der Fotos und Interwievs gemacht worden war, gesagt. Es stand ein Interview mit der Schweizer Illustrierten an und dann kamen wir auf diesen Punkt zu sprechen. Die Schweizer Illustrierte wollte das Ganze zuerst abdrucken, ohne dass die Organisation etwas davon mitkriegen würde. Dies wollte der Chefredaktor der Schweizer Illustrierten jedoch nicht und kontaktierte die Organisatoren, die wiederum auf mich zu kamen und sagten, sie würden hundert Prozent hinter mir stehen. Der Gay-Passus wurde nämlich 1999 stillschweigend aus den Statuten gestrichen. Der Wirbel und die Publicity um deine Person im Moment sind enorm. Wie hat dein Umfeld in dieser Situation reagiert? Hundert Prozent nur positiv. Kollegen, Familien, das ganze Geschäft, Freunde, alle sagten: "Wir stehen hundert Prozent hinter dir und wir drücken dir die Daumen!" Auch Clubs, der Barfüsser, das aK und andere Sponsoren haben ein grosses Engagement gezeigt, um mich zu unterstützen. Es ist schon eine komische Situation im Moment. Nach einem Promo-Auftritt in St. Gallen zum Beispiel sass ich im Mc Donalds und die Teenies neben mir begannen zu tuscheln und zu mir hinüberzuschauen. Man merkt schon, dass das Umfeld reagiert. Befürchtest du nicht, bei der Wahl in die Schublade "Andreas Haag = der Schwule" hineingedrängt zu werden? Klar werde ich schubladisiert. Aber in gewisser Hinsicht möchte ich ja auch als offiziell Schwuler auftreten. Ich möchte schliesslich die Schwulen auch repräsentieren, ich möchte die ganze Akzeptanz- und Toleranz-Geschichte hinüberbringen. Klar werde ich in eine Schublade gedrängt, aber irgendwie ist das gar nicht schlecht, da ich der Schweiz zeigen möchte, dass es Schwule gibt. Wie haben deine Mitkandidaten reagiert, als sie erfahren haben, dass du schwul bist? Alle durchwegs sehr positiv. Sie haben dann alle gesagt: Warum hast du das nicht früher gesagt? Ein paar haben es sicher geahnt, da einige Kandidaten in der Nähe von mir in der Ostschweiz aufgewachsen sind, aber die haben nichts gesagt. Klar wird hie und da ein Witz gerissen, aber den weiss ich jeweils schlagfertig zu retournieren. Wenn du gewinnen würdest, wäre das ein Aussenseiter-Sieg ähnlich wie bei Music Star, wo die pummelige Jungscharleiterin aus dem Rheintal in den Popstar-Olymp gewählt wurde. Hättest du Probleme mit einem solchen Aussenseiter-Sieg? Absolut nicht. Ich weiss, dass ich in einer Aussenseiter-Rolle bin. Der aktuelle Mister Schweiz, Robert Ismailovic, hat ja auch die Rolle des eingebürgerten Ex-Jugoslaven vertreten. Klar habe ich eine Aussenseiter-Rolle, aber ich fühle mich auch wohl in dieser Rolle, da ich weiss, dass ich eine riesengrosse Unterstützung habe, die ganze Community, die Organisatoren, alle Schwulen. Von daher kann ich einen grossen Teil der Schweiz repräsentieren und deswegen ist es wahrscheinlich gar nicht mal so sehr eine Aussenseiter-Rolle, wie alle behaupten. Siehst du dich als eine Arte Gallionsfigur der Schweizer Schwulen? Ich sehe mich nicht wirklich so, ich werde wohl eher in diese Rolle projiziert. Aber die Tatsache, dass die Leute jetzt auch wissen, dass auch Schwule überhaupt an der Mister Schweiz Wahlen teilnehmen können, das ist schon ein riesengrosser Schritt. Dass publik wird, dass auch Schwule mitmachen können. Du bist mit Thomas - pikanterweise Ex-Mistergay - zusammen. Gibt er dir Tipps für den Auftritt im Rampenlicht? Thomas ist momentan in Australien, aber wir sind täglich am SMSen und am Telefonieren. Ich erzähle ihm jeweils, was ich so erlebe, und er sagt oft: Genau so war es bei mir. Nur ist der ganze Rummel bei mir wahrscheinlich etwas in einem grösseren Rahmen. Aber er kann mir wirklich beistehen in dieser Situation, kleine Tipps geben. Hättest du auch an den Mistergay-Wahlen teilgenommen? Nein. Ich habe mir schon überlegt, an den Mistergay-Wahlen teilzunehmen, habe mich dann aber nie wirklich gross damit befasst. Als Mistergay kann man in diesem Land nicht sehr viel bewirken, die Wahl wird kurz in den Medien hinaufgepusht, aber eigentlich nur in den Gay-Medien, was sehr schade ist. Ich denke, die Leute haben gemerkt, dass sie in der Schweiz als Mistergay zu wenig bewirken können. Und in gewisser Hinsicht ist die Mistergay-Wahl auch in Verruf geraten, was ich persönlich sehr schade finde. Ich weiss nicht, woran es liegt, ob an den Organisatoren, am Management, an den Kandidaten. Jeder, der an den Mistergay-Wahlen mitmacht, wird in der Szene fast verschrien, was ich echt schade finde. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich dort nicht mitgemacht habe. Die Akzeptanz der Schwulen gegenüber einer schwulen Mister-Wahl ist sehr, sehr klein, fast beschämend eigentlich. Ein Mister Schweiz muss gut aussehen, den Rest interessiert niemanden. Was sagst du zu einer solchen Behauptung? Er muss sicher gut aussehen, denn er muss ja optisch das Land repräsentieren. "Der Rest ist Scheisse", das würde ich mal bezweifeln. Der Rest bei mir ist sicher diese Message, die ich hinüberbringen möchte, Akzeptanz und Toleranz, ich denke das ist eine Riesen-Message für dieses Land. In der Schweizer Illustrierten hast du dich kleidermässig als anti-08.15 und Vintage-Fan geoutet. Ist es da nicht eine Alptraum-Vorstellung, im Falle eines Sieges ein Jahr lang von Coop und EPA eingekleidet zu werden? [LACHT] Ich habe die Coop-Kleiderabteilung besucht: dort gibt es ganz coole Sachen wie in jedem Kleiderladen. Man kann das ganz gut kombinieren zum Beispiel mit Second Hand-Sachen. Es gibt dort zum Beispiel ganz schöne Jeans und ich bin sowieso nicht so Marken bezogen, ich trage meistens "no name"-Labels und kaufe auch mal bei C&A ein. Also absolut kein Problem. Du bist im Moment praktisch rund um die Uhr von schönen Männern umgeben. Gerät da der Hormonhaushalt nicht durcheinander? Nein gar nicht, absolut nicht.
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