Kopenhagen, die offene Gay-Metropole
Für schwule und lesbische Cityhopper eine lohnende Reise


Von Thomas Wyss

1989 war Dänemark das erste Land der Welt, das die Eheschliessung zweier gleichgeschlechtlicher Partner anerkannte. Und 1999 bekamen verheiratete Homosexuelle sogar die Möglichkeit, Kinder des Lebenspartners zu adoptieren. Ein grosser Schritt auf dem Weg zu einer weiter gefassten, breiteren und offenen Definition von Familie.

Dänemark ist überaus tolerant und die Hauptstadt Kopenhagen schon lange recht freizügig. Dementsprechend entspannt ist die Atmosphäre in dieser Stadt. Ein Trip in die Metropole der Gays gehört für schwul-lesbische Touristen sozusagen zum Pflichtprogramm. Es ist ein Programm, das man aber gerne "absolviert".

Alles nahe beieinander
Das Gay-Life in Kopenhagen findet anders als in anderen Metropolen auf engem Raum statt: Die entsprechenden Locations liegen innerhalb eines Quadratkilometers, in einem Soho-ähnlichen Gebiet in der Altstadt. Alles ist bequem zu Fuss erreichbar. Einer der ältesten Treffpunkte ist die Bar Centralhjörnet, die vor über 80 Jahren eröffnet wurde. Die Bar beheimatet zudem den schwulen Radiosender Radio Rosa. Ein idealer Ort, den weitern Abend zu planen ist das Heaven Café, das auf zwei Etagen verteilt, leckere Gerichte anbietet. Das neu eröffnete Jailhouse ist Konzeptbar und Restaurant mit gemütlichem Flair, während Oscar Bar & Café in der Nähe des Rathauses eine gelungene Mischung aus Café, Kneipe und Bar bietet.

Die Nächte beginnen spät
Was die Stichworte Clubbing, Partyleben und Bars angeht, war Kopenhagen schon immer eine Art Spätstarter. Mit anderen Worten: Vor 23 Uhr lohnt es sich kaum, die Bartour zu beginnen und in den Clubs läuft vor 02 Uhr gar nichts. Einer der Clubs ist das Pan. Diese aus einem Lagerhaus zur Discothek umgewandelte Location bietet alles, was sich das schwule Herz wünscht. Von der Lounge im zweiten Stock, über House und Techno im Erdgeschoss hin zum Disco-Floor im obersten Geschoss. Für ein letztes Getränk vor Tagesanbruch öffnet das passenderweise Never Mind genannte Haus seine Late-Night-Pforten für das vom Tanzen erschöpfte Chill-out-Volk. Auch die Cosy Bar ist ein geeigneter Ort, um die Nacht angenehm ausklingen zu lassen. Beide Bars liegen nicht weit vom Örsteds Park, dem Kopenhagener Cruising-Park.

Gay-Events
Das ganze Jahr über finden in Kopenhagen Gay-Events statt, so im Juni der MrGay.dk-Schönheitswettbewerb, im August der Schönheitswettbewerb für Drag Queens, "Miss World Goes Gay", der während des grossen Kopenhagener Christopher Street Day stattfindent. Im Oktober steigt jeweils das schwullesbische Filmfestival: Neun Tage, vollgepackt mit zeitgenössischen schwulen und lesbischen Filmen aus der ganzen Welt. Für Chorgesang- Fans gibt's in Kopenhagen gleich mehrere schwule und lesbische Chöre.

Weitere Tipps
Ein Treffpunkt ist zudem der Bücherei- und Lesetreff des LBL, der dänischen Schwulen- und Lesbenorganisation. Nebst unzähligen Büchern liegt hier jeweils auch die neueste Nummer des in Englisch erscheinenden "Pan's invaluable guide to Gay and Lesbian Denmark". Und für den perfekten Überblick über das schwule Kopenhagen gibt's die "Copenhagen Gay Map". Die kompakte Karte wird in die Tasche gesteckt und los geht's.
Doch nicht nur die Stadt - auch die Gegend um Kopenhagen, der Öresund, ist ein Ausflug wert. In etwas mehr als einer halben Stunde gehts per Bahn über die Meeresbrücke nach Malmö (drittgrösste Stadt Schwedens), eine junge und innovative Stadt, ideal zum Shoppen und für Fans von Design. Doch sehens- und erkundenswert ist die gesamte Region Öresund, so im Sommer der Strand Bellevue im Norden Kopenhagens, dessen Nordteil ein beliebter Treff des Gay-Publikums ist. Insgesamt buhlen im Öresund über 50 000 einzelne Attraktionen, die allesamt innerhalb von 90 Minuten erreichbar sind, um die Gunst der Touristen, darunter auch viele Museen und Ausstellungen. In und um Kopenhagen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Hauptstadt der Gays wartet nur darauf, entdeckt zu werden!

Hotels
In Sachen Übernachten hat Mann die Qual der Wahl und schläft entweder in einem der vielen Luxushotels, darunter auch stylische Designhotels wie das Square am Rathausplatz, oder in einer der preiswerten Bleiben, wie einem der drei schwulen Bed&Breakfasts: Windsor, Copenhagen Rainbow oder Carstens Guest House.
Weitere Infos : www.visitcopenhagen.dk/gay


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