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Song Contest der
Superlative
Der Grand Prix Eurovision
2004 wird der bisher grösste seiner Geschichte
von Thomas Borgmann
Durch die wachsende Teilnehmerzahl befand sich die Schweiz in den vergangenen
Jahren oft nur noch auf der Zuschauerbank. Nun gibt's neue Regeln. Mindestens
das Halbfinale, drei Tage vor dem Song Contest, ist der Schweiz sicher.
Der Musicstar-Dritte Piero Esteriore geht für unser Land an den Start.
Es gab Zeiten, da
konnten hartgesottene Eurovisionsfans ohne mit ihren Wimpern zu zucken
ungefragt Auskunft darüber geben, wer beim Grand Prix 1968 den letzten
Platz belegt hat (Finnland), wieviel Punkte "Ding-A-Dong" von
den Italienern bekam (1) oder welches Obst das Kleid von Vicky Leandros
1972 als Brosche zierte (Kirschen). Mit lückenlosem Fach- und Trashwissen
über den europäischen Song Contest konnte man in der Fan-Gemeinde
nicht minder punkten als mit Kenntnissen über die Vereins-Historie
von EM-Torschützen auf dem Pausenhof einer Knaben-Schule. Eine Schlager-EM
hat eben die gleiche Bedeutung wie eine Fussball-EM: Sie ist so wichtig,
wie man sie nimmt.
Nahezu verdoppelt
Das ist heute nicht viel anders. Aber Grand Prix-Fans haben es inzwischen
deutlich schwerer, sich als wandelndes Eurovisions-Lexikon behaupten zu
können. Denn der Song Contest 2004 wird mit 36 teilnehmenden Ländern
so gross wie nie zuvor. Schuld an diesem kaum noch zu bewältigen
Lernpensum für "Eurovision-Chronisten" sind Glasnost und
Perestroika. Der Fall kommunistischer Mauern am Ende der achtziger Jahre
hatten nicht nur das politische Feindbild und die Europa-Karte gehörig
durcheinander gebracht. Die Öffnung der Grenzen forderte auch die
Organisatoren des weltweit grössten Musikfestivals heraus. Nicht
nur, dass seitdem auch osteuropäische Staaten wie Polen, Ungarn,
Rumänien oder die Slowakei ihr musikalisches Repertoire nicht mehr
länger für sich behalten wollen. Mit dem Zerfall des Vielvölkerstaats
Jugoslawien sowie der Sowjetunion in einzelne Staaten wurde das interessierte
Länderpotential am Grand Prix Eurovision nahezu doppelt so gross.
Nahmen in den achtziger
Jahren annähernd 20 Nationen am Song Contest teil, zählte die
Liste der interessierten Teilnehmer inzwischen fast 40 Länder. Sie
alle an einem Abend zu Gehör zu bringen, würden wohl selbst
erklärte Grand Prix-Fans nicht ohne Kopfschmerzmittel überstehen.
Keine noch so delikate Speise schmeckt auf Dauer, wenn man zu viel von
ihr geniesst. So entschied man sich Ende der neunziger Jahre, maximal
25 Beiträge zum Wettbewerb zuzulassen. Länder, deren Song nur
für die hinteren Ränge reichten, sollten dann im Folgejahr die
Bühne für andere Kandidaten räumen.
Neue Spielregeln
Auf Dauer konnte aber auch das nicht wirklich befrieden. Teilnehmer wie
unter anderem die Schweiz beklagten, dass sie sich nun zu oft auf der
Zuschauerbank wiederfanden. So wurden die Spielregeln immer wieder neu
definiert und modifiziert, die gravierendsten Änderungen treten aber
in diesem Jahr in Kraft. Maximal 40 interessierten Ländern soll jetzt
die Chance gegeben werden, sich mit einem Beitrag qualifizieren zu können.
Da aber die Anzahl für das Finale nun auf 24 festgelegt wurde (Vorjahr
26), müssen sich einige dafür in einem Halbfinale drei Tage
zuvor erst einmal qualifizieren. Automatisch zur Teilnahme am Finale berechtigt
sind die vier grössten Eurovisions-Beitragszahler (Deutschland, Frankreich,
Grossbritannien und Spanien) sowie die neun erfolgreichsten Länder
aus dem Vorjahr. 22 weitere Länder, darunter auch die Schweiz, streiten
in der Qualifikationsshow am 12. Mai 2004 um die restlichen zehn Startplätze.
Insgesamt singen also in diesem Jahr 36 Länder um den Grand Prix,
darunter auch exotische Neulinge wie Andorra, Albanien, Serbien-Montengro
oder Weissrussland.
Sommernacht-Samba "Celebrate"
Für die Schweiz gehen Piero Esteriore und die MusicStars an den Start.
Der MusicStar-Dritte schlug beim Schweizer Final in Genf den Zweiten des
Nachwuchs-Wettbewerbs Mario Pacchioli mit einem Punkt Vorsprung. Ob sein
Sommernacht-Samba "Celebrate" für den Einzug ins Finale
am 15. Mai in Istanbul reichen wird, bleibt abzuwarten. Hoch favorisiert
für den Final-Sieg wird bei den Fans zur Zeit der belgische Beitrag.
Qualifiziert für das Finale haben sich die Belgier wegen des guten
Abschneidens im Vorjahr (Platz 2) ohnehin.
Übertragen wird
das Semi-Finale am 12.5. von SF2 und TSI 1 ab 21 Uhr und das internationale
Finale am 15.5. ab 21 Uhr. Für SF2 kommentiert das Finale live aus
Istanbul Grand Prix-Veteranin Sandra Studer. Da inzwischen nahezu alle
Länder nicht mehr über eine Jury, sondern per Televoting abstimmen,
sind den Kommentatoren erstmals sexistische, rassistische oder sonstige
Äusserungen, die das Publikum in ihrer Wertung beeinflussen könnten,
strengstens untersagt. Grand Prix-Fans lassen sich diesen Spass natürlich
keinesfalls nehmen. Gekonntes Lästern in geeigneter Runde ist vor
allem für Schwule der halbe Spass am Song Contest.
Passendes Ambiente
und Läster-taugliches Publikum bietet übrigens die Schlagerbar
Pigalle im Zürcher Niederdorf. Hier kann man die Qualifikationsrunde
wie auch das grosse Finale auf Grossleinwand geniessen und sogar noch
attraktive Preise dabei gewinnen. Prämiert werden Grand Prix-Kenntnisse
der letzten 48 Jahre sowie der richtige Tipp, wer in diesem Jahr das Rennen
macht. Eine Sitzplatz-Reservierung wird empfohlen.
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Eine Internetlösung
der
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