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Zürcher CSD
mit Weitblick
RIGHTS NOW! - Lesben
& Schwule weltweit
von Martin Ender
Schwule und Lesben
haben in den vergangenen Jahren in der Schweiz viel erreicht. In andern
Ländern haben es homosexuelle Menschen ungemein schwer.
Der Zürcher CSD 04 will aufmerksam machen auf das riesige Gefälle,
das in Sachen Rechte für Homosexuelle existiert und fordert "RIGHTS
NOW!" für Lesben & Schwule weltweit.
Schwule und Lesben haben in den vergangenen Jahren in der Schweiz viel
erreicht. Im Nationalrat ist das Gesetz für die eingetragene Partnerschaft
gutgeheissen worden und die Rechtskommission des Ständerates stimmte
dem Entwurf kürzlich ebenfalls zu. In den Kantonen Genf, Zürich
und Neuenburg ist bereits ein Gesetz in Kraft und soeben hat das Volk
im Kanton Freiburg eine neue Verfassung angenommen, in der explizit das
Recht auf gleichgeschlechtliche Partnerschaft verankert ist.
Brauchen wir in
der Schweiz noch einen CSD?
Der Verein Gay Pride - Christopher Street Day Zürich sagt ein ganz
klares Ja. Denn mit grösster Wahrscheinlichkeit steht uns nach der
Behandlung im Ständerat noch ein Referendum bevor. Da braucht es
noch viel politische Arbeit. Patrick aus dem CSD-Vorstand meint ergänzend:
"Der CSD ist aber auch ein Community-Fest. Rechte erkämpfen
ist das eine, jetzt geht es um Integration." Sich näher kommen,
sich besser verstehen ist ein wichtiges Ziel, und was gibt es dafür
besseres, als miteinander ein grosses "Familienfest" feiern.
Dieses Jahr findet dieses Fest am 5. Juni auf dem neusten und grössten
Platz der Stadt Zürich statt - auf dem Turbinenplatz, angrenzend
an den Schiffsbau im Kreis 5.
Parallel zu dieser
"Innenpolitik" schaut der Zürcher CSD dieses Jahr weit
über die Landesgrenzen hinaus. Gerade weil es den Lesben und Schwulen
in der Schweiz in Sachen Rechte recht gut geht, hat er dieses Jahr das
Motto gewählt "RIGHTS NOW! - Lesben & Schwule weltweit"
Ein Blick auf Amerika
Präsident Bush kündigte schon im letzten Jahr an, er wolle die
Ehe als Bund nur zwischen Mann und Frau in der Verfassung festschreiben.
Damit will er jene Bundesstaaten, die bereits freiheitlicher denken, zurückbinden.
Zum Beispiel Kalifornien, das im Februar 2004 durch die Entscheidung des
neuen demokratischen Bürgermeisters San Franciscos, Gavin Newsom,
für Furore sorgte. In der Folge liessen sich über 3700 homosexuelle
Paare trauen - bis der oberste Gerichtshof des Bundesstaates den Erlass
für ungültig erklärte. Die Situation ist verworren.
Islamische Länder
Schauen wir in islamische Länder: hier haben es homosexuelle Menschen
ungemein schwer. Verfolgung, Folter, alltägliche Schikanierungen
und Todesstrafe gehören zu den gängigen Instrumenten der Unterdrückung.
In Nigeria werden immer wieder Todesurteile durch Steinigung wegen homosexuellen
Handlungen gefällt. Menschenrechtsorganisationen sind bemüht,
solche Urteile nicht zur Vollstreckung kommen zu lassen. Bisher haben
diese Bemühungen erst in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias
zu einem gewissen Erfolg geführt. CRUISER berichtet 2001 auch ausführlich
über die Verhaftung von 52 Männern in Kairo, die "ohne
weibliche Begleitung" auf dem Unterhaltungsschiff Queenboat"
eine Party feierten. Allein die Untersuchungshaft dauerte vier Monate.
Die Männer wurden zur "Gefahr für die Staatssicherheit"
erklärt und einem Sondergericht zugeführt. Im Schnellverfahren
wurde ein Jugendlicher zu drei Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt.
Europa
In unseren Nachbarländern muss zwar niemand wegen seiner sexuellen
Orientierung um sein Leben fürchten. Doch besonders in Osteuropa
steht es mit den Rechten von Lesben und Schwulen nicht zum besten. Die
EU hat zwar den Beitrittskandidatenländern Mindestanforderungen bezüglich
gleichgeschlechtlicher Menschenrechte auferlegt. Doch juristische Formulierungen
sind das eine, eine offenen Feindschaft gegenüber Homosexuellen von
weiten Teilen der Bevölkerung das andere.
2001 wollte in Belgrad
eine kleine Gruppe von rund 100 Personen auf dem Platz der Republik erstmals
eine Gay Pride zelebrieren. Sie wurden von etwa 1000 Hooligans und Mitgliedern
der faschistoiden Gruppe "Obraz" (Ehre) gehindert. Die Polizei
bot weder Schutz noch Unterstützung, zum Teil verweigerte sie sogar
die Hilfe. Obwohl es in Serbien-Montenegro verschiedenste Gayorganisationen
gibt, werden die Schwulen und Lesben nach wie vor verfolgt. Die Situation
hat sich auch nach dem Sturz des Milosevic-Regimes nicht geändert.
Trotz allem versuchte
ein junges Bündnis von jungen Lesben und Schwulen für das Jahr
2004 erneut eine Gay Pride zu organisieren. In diesen Tagen wurde bekannt,
dass der Anlass nicht durchgeführt werden kann. Die finanziellen
Mittel konnten trotz Promotour in Deutschland und Österreich nicht
aufgetrieben werden, die nötig gewesen wären für die Sicherheit
der Pride-Teilnehmer. Die beiden Frontkämpfer Anja Arnautovic und
Boris Milicevic werden am Zürcher CSD auf dem Helvetiaplatz über
ihre Demütigungen und Erlebnisse reden.
Mut machen
Doch am CSD in Zürich sollen auf dem Helvetiaplatz natürlich
auch positive Stimmen zu Worte kommen. So berichtet Martin Näf, Zürcher
Kantonsrat und im Verfassungsrat Präsident der SP-Fraktion, wie weit
wir in der Schweiz auf dem Weg zur rechtlichen Anerkennung homosexueller
Lebensgemeinschaften sind . Und aller Voraussicht nach wird noch ein Vertreter
eines Landes (Schweden oder Deutschland) sprechen, das bereits seit längerem
die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften kennt.
Der Zürcher CSD
04 zeigt auf, dass es weltweit in Sachen Rechte für Homosexuelle
ein riesiges Gefälle gibt. Darum braucht es den Christopher Street
Day weiterhin. In allen Ländern der Welt. Auch in der Schweiz.
Denn mit einer möglichst
grossen Demo machen wir jenen Lesben und Schwulen Mut, die in ihrem Land
ihre Rechte noch erkämpfen müssen. RIGHTS NOW! - Lesben &
Schwule weltweit.
Eine Internetlösung
der
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