Kuchen & Kerzen im Heftklammerpalast
Tamara, die illustre T&M-Chefin, feiert Geburtstag

Die Grande Dame des Zürcher Nachtlebens, Thomas Kraus alias Tamara, wird 45. Die Jubilarin eröffnete zusammen mit ihrer damaligen Freundin Marisa im Niederdorf 1987 den ersten schwulen Club der Schweiz. Cruiser sprach mit Thomas Kraus über seinen bevorstehenden Geburtstag, sein Alter Ego Tamara und über 16 Jahre T&M.

Thomas, du wirst in Kürze 45 Jahre alt. Wie alt wird eigentlich Tamara?

Das weiss ich gar nicht so genau. Es war wahrscheinlich so um das Jahr 1980 herum, als Tamara geboren wurde. Ich war im Casino in Luzern an einer schwulen Party und sah dort eine schrecklich schlechte Show. Alkoholisiert wie ich war, sagte ich, dass ich das viel besser könne. Drei Tage später rief mich der Veranstalter an und meinte, sie würden es gut finden, wenn ich an der nächsten Party auftreten würde. Mein Stolz liess es natürlich nicht zu, nein zu sagen, und so trat ich zusammen mit drei Kollegen einen Monat später auf. So bin ich in das Ganze hineingewachsen.

Viele Teenies, die sich heute in deinem Club die Nächte um die Ohren tanzen, wissen gar nicht mehr, wofür die Abkürzung T&M steht. Stört dich das?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben den Namen ganz bewusst immer beibehalten. Jeder Mensch möchte schliesslich etwas hinterlassen. Marisa und ich haben das T&M zusammen gemacht, deswegen wird es für mich immer das T&M bleiben. Marisa ist ja zwei Jahre nach der Eröffnung gestorben und somit lebt sie auch auf eine gewisse Art und Weise in diesem Namen weiter.

In welcher Stimmung eröffneten Marisa und du Ende November 1987 das T&M?

1987 gab es in Zürich keine einzige schwule Diskothek, es gab nur den Club Hey am Bellevue, wo man allerdings die Getränke selbst mitbringen musste. Auch partymässig gab es gar nichts. Da bekamen wir die Gelegenheit, zunächst für ein Jahr im "Bäglis Swiss Chalet" im Goldenen Schwert eine Disco zu machen. Nachdem das "Bäglis Swiss Chalet" seine Türen schloss, stand dem T&M nichts mehr im Wege.

Stimmt es, dass der Club-Übername "Tüll & Müll" schon vor der Eröffnung kursierte?

Ja, der ist entstanden, bevor das T&M überhaupt eröffnet war. Wir waren auf Tournee in Gran Canaria und als wir das Okay für den Club aus der Schweiz bekamen, hatten wir eine "riesen" Freude, jung und enthusiastisch wie wir waren. Als wir wieder zu Hause waren, riefen wir Kollegen an und hörten schon über "Tüll & Müll" klatschen. Ich empfinde das eigentlich als schönen Übernamen nicht als abschätzig gemeint. Tüll ist doch eine Art Kosename. Heftklammerpalast war übrigens auch lange ein Übername für das T&M, weil wir eine Zeit lang wie die Wilden dekorierten.


Das T&M ist ein Club, der die Szene polarisiert. Hast du Mühe mit Leuten, die andauernd über das T & M ablästern?

Nein, überhaupt nicht. Wir sagten einmal: Niemand hört offiziell Heino, aber er verkauft doch jedes Jahr Millionen von Schallplatten. So ist es wahrscheinlich mit dem T&M auch.

Was hat sich in den 16 Jahren seit bestehen des T&M verändert?

Das ist schwer zu sagen, da sich alles verändert hat. Wenn man heute das T & M hinstellen würde, wie es vor 16 Jahre war, würden die Leute hereinkommen und tot umfallen vor Lachen. Mittlerweile gibt es so viele Clubs. Heute kann ein 16jähriger zwischen den tollsten Clubs auswählen, wenn er zum ersten Mal weggehen will.

Als Tamara bist du weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Dein Porträt soll sogar Wände in den tiefsten thailändischen Provinzen zieren. Stimmt das?

[Lacht] Ja, das kann sein. Es hängen auch in Amerika und in Australien Fotos von mir an den Wänden. Ich war schon in New York unterwegs als plötzlich einer kam und fragte: "Hey, are you Tamara from Switzerland?". Das sind schon schöne Momente, ich bin aber jeweils auch froh, dass meine Bekanntheit auf eine Szene beschränkt ist und nicht an jeder Strassenecke jemand kommt und sagt: "Oh, bisch du d'Britney Spears?"

Ist Tamara nur eine zweite Haut oder vielmehr ein Teil von dir?

Eigentlich ist das eine Rolle. Ich sage immer, ich trage ein Kleid, so wie ein Banker eine Kravatte trägt. Aber es ist natürlich schon eine Rolle, die mit mir verwachsen ist. Viele Leute nennen mich ja auch Tamara. Das ist einfacher: Ruft jemand Thomas, schauen fünf Leute hin, bei Tamara nur ich. Dazu gibt es eine lustige Story: 1981 arbeitete ich in einem Restaurant und jemand rief: "Tamara!". Und ich rief: "Ja!". Es war aber ein kleines Mädchen gemeint. [Lacht]

Du wirst in Kürze 45 Jahre alt. Müssen wir uns auf 45 weitere Jahre Tamara gefasst machen?

Ich behaupte immer, ich werde 85, also wären es noch 40 Jahre. Nein, im Ernst: Ich möchte den Leuten zeigen, dass 45 wirklich ein gutes Alter ist. Wenn ich früher an die Zukunft dachte, war für mich 45 ein tödliches Alter. Aber jetzt fühle ich mich jung, nicht zuletzt weil ich immer in einem Club arbeite. Ich muss sagen, dass ich es "irrsinnig guet" habe und mich wahnsinnig wohl fühle. Ich möchte gar nicht mehr 25 sein. Ich denke, die jungen Leute heute haben es schwieriger, der Zusammenhalt ist nicht mehr gleich, wie er bei uns vielleicht war. Ein gutes Alter, diese 45!


Am 30. Juni 2004 steigt Tamaras Geburtstagsparty im T&M. Weitere Informationen unter www.gaybar.ch oder www.gaycolors.ch.


 

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