Marc Charles
Ein Künstler mit hohen Ansprüchen - ein Mensch mit tiefen Zweifeln

von Martin Ender

In einem noch nicht so alten Programmheft steht über Marc Charles: "geboren am 5. Januar vor rund 30 Jahren". Eine kleine Koketterie ganz im Stil der grossen Stars, die über ihr wahres Alter schweigen. Am 11. Mai stand nun das genaue Datum in der Zeitung, schwarz auf weiss, schwarz umrandet: "Markus Hänggi (Marc Charles) 5. Januar 1961 - 8. Mai 2004" und weiter "Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Weges".


1985 stand Marc Charles erstmals mit einer selbst inszenierten Show auf der Bühne. Als Partner von von Charles spielte Marc schon damals die verschiedensten Rollen. Bei Amateurauftritten holten sich "Charles et Marc" über mehrere Jahre die Routine. Schliesslich machten sie ihre Auftritte zum vollen Beruf.1988 hatten die beiden Basler das erste En-suite-Engagement, und zwar in Zürich. Hans Gmür war von der Interpretation überzeugt und schrieb Texte für die beiden. 1989 konten sie vor grossem Publikum auftreten an der MUBA. Die Show, in der Stars, Alltagsgeschichten und Politik parodiert wurden, hatte Erfolg und wurde sogar Blickschlagzeile.

In Zürich liefen die Vorbereitungen für ein neues Varietée. "Charles et Marc" sollten darin eingesetzt werden. Doch Charles wurde krank, musste den mühsamen Weg gehen, der damals langsam aber unaufhaltsam zum Tode führte. Eine schwierige Zeit für Marc - als Mensch und als Entertainer. Er verlor seinen Bühnenpartner. Nun suchte er einen neuen Weg, übernahm kurzerhand die Aufgabe, im Varietée Polygon durchs Programm zu führen. Und dies tat er über ein Jahr sehr erfolgreich. In dieser Zeit entwickelte er auch wieder Ideen für einen Solo-Auftritt. Er vereinigte die beiden früheren Bühnenfiguren und auch deren Namen und nannte sich von nun an "Marc Charles". Wir erinnern uns an seine Auftritte im T&M und in jüngster Zeit an Produktionen der "shake musical company", in denen er erfolgreich mitwirkte.

Als Künstler "Marc Charles" strebte er ständig nach Präzision, wollte perfekt sein. Als er für eine ganz kurze Szene eine Geige in der Hand halten sollte, musste natürlich ein Profi-Geiger her, der ihm das beibrachte. Er feilte auch immer wieder an seinen Sprech- und Liedertexten und bei den Kostümen musste jedes Detail stimmen. Selbst nach einer gelungenen Premiere war er mit sich nicht zufrieden.

Als Mensch hatte Markus tiefste Zweifel. Ob er den Ansprüchen gerecht würde? Ob er überhaupt auf dem richtigen Lebensweg wäre? Mit der Travestie und der Schauspielerei.
Ob er nicht doch noch Priester werden sollte? Ober er dann vor dem Eintritt ins Priesterseminar sein bisheriges Leben offen legen sollte? Oder ob er sich in die Stille eines Klosters zurückziehen sollte?

Lieber Marc, du hast dich für eine andere Stille entschieden. Mir blieb keine Zeit, mich zu verabschieden. Und vielen andern auch nicht, die dich auf der Bühne und im Leben liebten. Wir wollen es hier nachholen, indem wir uns an Stationen in deinem Leben und an die schönen Momente erinnern, die du uns gegeben hast. Es gäbe noch soviel zu sagen, aber lassen wir einfach den Erinnerungsbildern Platz...


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