Philipp Fankhauser über Musik, McDonald's und Homosexualität
Ein Berner bringt seinen Blues nach Amerika

Von Dani Diriwächter


Der Berner Sänger Philipp Fankhauser erobert derzeit die Welt des Blues. Gerade ist sein neustes Album "Talk To Me" erschienen und sein Song "Get The Hooker" wird für eine US-weite Werbekampagne verwendet. Im Juli singt er in Luzern im Rahmen des "Blue Balls Festival - The Sound Of Memphis"


Als erster Schweizer Bluesmusiker war Philipp Fankhauser eingeladen, am grössten Bluesfestival der Welt, dem Chicago Blues Festival aufzutreten. Am 12. Juni 2004 wurde er auf der Best Buy Stage im Chicagoer Grant Park auf der Bühne gefeiert.
In Zusammenarbeit mit Signorino TJ entstand der Song "Get The Hooker". McDonald's hat daran die Rechte erworben zur Verwendung des Songs für die "Health Food" TV-Kampagne in den USA. Bis November 2004 flimmert die Grosskampagne über jeden amerikanischen Fernseher. Vertont wurden fünf Videoclips zum Thema gesunde Nahrung (Health Food), in welchen McDonald's für Bewegung und leichte Salatmenües wirbt. Zwischen Bern und Chicago - in Zürich arrangierte CRUISER eine Begegnung mit ihm, ganz im Sinne seines Albumtitels "Talk To Me"

Philipp, du feierst gerade internationale Erfolge mit deiner Musik, ist das dein persönlicher Höhepunkt deiner Karriere?
Es ist schon aufregend. Das fing an mit dem Moment, als ich den Plattenvertrag mit "Memphis International Records" unterschrieben habe. Da dachte ich, ich kann morgen sterben und wäre total zufrieden. Ich fand auch früher schon viel Beachtung mit der Checkerboard Blues Band, aber nie so, wie jetzt gerade. Plötzlich bist du im BLICK (und scheinbar auch im Cruiser). DRS3 hat ein Interview von mir gesendet. (Das ich gar nie gegeben habe) Jetzt stehen 50 Exemplare meiner CD im City Disc, direkt neben George Michael. Für mich ist das wie ein krönender Abschluss der letzten 20 Jahre im Musikbusiness. Mir ist aber auch bewusst, dass in rund acht Wochen der ganze Hype wieder vorbei ist. Doch wer weiss, in 20 Jahren kommt vielleicht der nächste Höhepunkt.

Wie ist das mit den sogenannten Knebelverträgen der Plattenfirmen, in diesem Falle mit Memphis International Records, besitzt du künstlerische Freiheiten für deine Ideen?
Bei den letzten acht Alben war ich immer bemüht, dass das Endresultat so ist, wie ich es mir vorstellte. Bei "Talk To Me" war es aber so, dass die Plattenbosse grosse Fans meiner Musik sind. Als wir uns in Cannes zum ersten Mal getroffen haben, fiel niemals auch nur ein Wort über Geld, wir redeten nur über Musik. Die CD "Talk To Me" ist ja eine Zusammenfassung meiner früheren Songs, und da die Leute so begeistert von meinem Material waren, liess ich sie einfach machen, ich wollte mich da gar nicht einmischen. Aber natürlich konnte ich bei der Gestaltung ein Wort mitreden.

Blues-Musik ist auf den ersten Blick eigentlich ein Metier der heterosexuellen Welt. War deine Homosexualität jemals ein Problem?
Das war es, jedoch meistens nur für mich selbst. Ich hatte deswegen nie Probleme in meinem Umfeld, dachte jedoch immer, dass meine Musik nichts damit zu tun hätte. Ich bin kein typischer "schwuler" Musiker, meine Musik passt wohl nicht in die typische Gayszene rein. In meinen Texten habe ich immer konsequent "you" statt "he" oder "she" eingebaut. Doch im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal auf dem Album "Live - So Damn Cool" eine entsprechende Strophe getextet, in der "es" offensichtlich ist. Ganz viele Leute hören das aber nicht. Es gibt mehr schwule Bluesmusiker als man denkt, denk nur an Little Richard. Seit zwei Jahren ist das Thema aber für mich "gegessen", ich bin wer ich bin und das ist gut so.

Wie stehst du als erfahrener Sänger und Gitarrist den gecasteten Musicstars wie Carmen Fenk oder Piero gegenüber?
Persönlich kann ich nichts über sie sagen. Was mich aber nervt ist, wenn zum Beispiel eine Carmen Fenk, die für mich viel Potenzial hat, oder auch Piero, von den Medien hoch gelobt werden, dann aber kurze Zeit später von der Kritik absolut verrissen werden. Diese jungen Leute werden aus dem Alltag herausgeholt, man gaukelt ihnen was vor, macht eine CD und verkauft sie als "Star". Und nachher kommt eine Zeitung, die alles wieder zunichte macht. Wo ist da der Boden für diese Leute? Keiner von ihnen ist auf natürliche Weise in dieses Metier hinein gewachsen. Ich kann mir vorstellen, dass ein Piero mit all den negativen Schlagzeilen nicht zurecht kommt. Man ist den Medien ausgeliefert.

Fast Food Gigant Mc Donald's benutzt "Get The Hooker" für eine riesige Werbekampagne, hast du so gerne Hamburger?
Als ich rumgereist bin im Amerika, habe ich natürlich öfters in einem Mc Donald's Restaurant Halt gemacht, da weisst du, was du bekommst, egal wo du bist. Ich kenne Mc Donald's nicht von der wirtschaftlichen Seite, aber er ist ein weltweiter Arbeitgeber. Für mich ist das natürlich auch eine Mega Chance und ich habe ehrlicherweise null Bedenken deswegen. Abgesehen davon bewirbt McDonald's mit dem Song eine neue Salatlinie und keine fettigen Burger! Ich habe nun 20 Jahre mit meiner Musik zu überleben versucht, wenn jetzt von dieser Seite her ein bisschen Geld kommt ist das für mich ok. Zudem haben sie nicht wirklich meine "normale" Musik genommen. "Get The Hooker" ist eine Zusammenarbeit mit Signorino TJ.

Lieber Philipp, danke für das Interview und weiterhin ganz viel Erfolg!

Freitag, den 23. Juli 2004 tritt Philipp Fankhauser im Rahmen des Blue Balls Festivals - The Sound Of Memphis in Luzern auf.

Schweizer Tourdaten der Philipp Fankhauser Blues Band auf www.philippfankhauser.com.

Philipp Fankhauser, "Talk To Me", DOT0210, CD erhältlich im Fachgeschäft



 

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