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"Das schwule
Volk der Götterinsel"
Schwulsein auf Bali
ist schwierig, aber schwuler Sex ist einfach zu bekommen
von Michael Lenz
Im Urlaub will man
abschalten, geniessen, faulenzen und die bösen Dinge des Lebens verdrängen.
In Bali ist seit dem Attentat auf den Sari Club in Kuta letzteres nicht
mehr so einfach. Die Bombe ist auch zwei Jahre später noch allgegenwärtig.
Die Tourismusindustrie erholt sich nur mühsam vom Anschlag.
Balinesen tragen trotzig
T-Shirts mit dem Aufdruck "Fuck Terrorists" und das indonesische
Eiland hat seit Oktober 2002 eine neue Zeitrechnung: vor der Bombe und
nach der Bombe. Nach der Bombe zum Beispiel hatte Australien als politisches
Druckmittel auf die indonesische Regierung vorübergehend die Zahlung
von Entwicklungshilfegeldern eingestellt. Betroffen davon war auch die
Schwulen- und AIDS-Organisation GAYa Dewata (auf Deutsch: Das schwule
Volk der Götterinsel) in Balis Hauptstadt Denpasar. Gloria Goodwin
kennt die fieseste Auswirkung des Terroranschlags: die Zunahme des Kindersex.
"Der Tourismus ging den Bach hinunter und die Menschen verloren ihre
Jobs. Diese Männer aus Europa und Australien nutzen das aus",
sagt die Mitbegründerin des "Bali Komitee gegen sexuellen Missbrauch".
Mock betreibt seit über einem Jahr eines der wenigen rein schwulen
Hotels in Bali, das Laki Uma in Kuta-Seminyak. "Das Haus konnte ich
nach der Bombe billig kaufen." Billig ist ganz Bali in diesen Tagen.
Hotels, Restaurants und Ausflugstouren hoffen, mit Schnäppchenpreisen
die Touristen wieder zu gewinnen.
Vom ersten Schock erholt
Das schwule Partyleben in der Jalan Dhyana Pura in Kuta-Seminyak ging
jedoch nach einer kurzen Schockphase unmittelbar nach dem Anschlag munter
weiter. "Die schwulen Touristen kamen weiter nach Bali", erzählt
Paul Counihan, einer der Besitzer der angesagten "Q Bar". Das
bestätigt auch Werner Schaeffer. Mitten in der Krise nämlich
machte sich der ehemalige Musiker und Dirigent aus Trossingen vor einem
Jahr mit einem Tauchunternehmen für Schwule selbständig und
kann sich über mangelnde Kundschaft aus Europa, Australien und Singapur
nicht beklagen.
Balis schwulster
Teil
Seminyak ist der schwulste Teil Balis. Bars, Discos und Restaurants laden
zu nächtlichen Vergnügungen ein. Am Tage wird dem Wohlleben
an traumhaften Hotelpools in tropischen Parkanlagen oder am Strand gefrönt.
Den wärmsten Sand findet man am Petitenget Beach mit dem "Callego
Massage & Warung" als seinem Mittelpunkt. Kleine Mahlzeiten,
Getränke, Liegestühle mit Blick auf die Brandung des Ozeans
sind ebenso zu haben wie - natürlich - Massage - und - in den nahe
gelegenen Büschen - noch mehr "Massage".
Seminyak ist überhaupt der angenehmste Teil der touristisch überentwickelten
Kuta-Region. Luxuriöse Hotelpaläste oder komfortable schwule
Boutiquehotels wie das Laki Uma liegen in Mitten von Reisfeldern. Schicke
Luxusrestaurants teilen sich schattenspendende Palmen mit Warungs, den
traditionellen indonesischen Garküchen. Boutiquen bieten balinesisches
Kunsthandwerk feil, während der Bauer nebenan mit seinem Ochsen das
Reisfeld pflügt. Ein Multiplex des Wohlbefindens ist Paul's Place
des Designers und Architekten Paul Weng. Unter einem Dach finden sich
eine Boutique, ein Restaurant mit Aussicht und das M-Spa, in dem fingerfertige
balinesische Burschen müde Körper mit ausgefeilten Massagetechniken
wieder in Schwung bringen.
Sex ist leicht
zu haben
"Die allermeisten schwulen Touristen kommen wegen Erholung und Urlaub
und nicht in erster Linie wegen Sex nach Bali", ist sich Rommy Chandra,
ein schwuler Touristenführer, sicher. Rommy fügt aber grinsend
hinzu: "Sex ist natürlich ein Teil der Reise." Sex ist
leicht zu haben. Gegen Geld. Etwa 80 Prozent der asiatischen Gäste
in den Bars seien "Jungs zum mieten" und die meisten seien nicht
einmal schwul, berichtet Russell Moffett. "Die meisten der Rentboys
kommen von der Nachbarinsel Java und haben die balinesischen Schwulen
verdrängt", erzählt der Australier, Betreiber der preiswerten
schwulen Pension Rumah Tingkat in Kuta-Legian.
Heiraten wird erwartet
Die meisten einheimischen Schwulen können sich Bars wie die Q Bar
oder das Kudos sowieso kaum leisten. 15 000 Rupien für ein Bier (1,50
Euro) ist schon zuviel. Der gesetzliche Mindestlohn auf Bali liegt gerade
mal bei 450 000 im Monat, umgerechnet 45 Euro. Zudem ist es in der balinesischen
Gesellschaft fast unmöglich offen schwul zu sein. "Es wird von
uns erwartetet zu heiraten", sagt Ketut, Gründer von GAYa Dewata.
Wer sich verweigere und versuche, sein Schwulsein zu leben, riskiere aus
dem Familienverbund ausgeschlossen zu werden. "Das kommt auch einem
wirtschaftlichen Ruin gleich."
Bali ist mehr als
Seminyak
Bali ist aber mehr als nur die Bars und Strand von Seminyak, wie ein Ausflug
in das gut zwei Autostunden entfernte Lovina im Norden der Insel eindrucksvoll
unter Beweis stellt. Der Weg führt vorbei an malerischen Reisterrassen,
durch traumhafte Palmenhaine, über hohe Passstrassen und durch saftig
grüne Wälder, die wilden Affen Heimat und Schutz geben. Nicht
zu vergessen die uralten Tempelanlagen und noch ältere Seen in Kratern
erloschener Vulkane. Das bei Tauchern und Schnorchlern beliebte Lovina
selbst ist beschaulicher als Kuta. Neben den Wasserfällen im nahe
gelegenen Gitgit, den Kaffeeplantagen in den Bergen und dem Weinanbau
in der Ebene sind die in einem Dschungel gelegenen heissen Bäder
von Air Panjar einer der Höhepunkte der faulen Tage in Lovina an
der Balisee.
An solchen zauberhaften
Tagen kann man dann doch die rationale Perspektive verlieren und böse
Dämonen haben für den Augenblick keine Macht mehr. Genau deshalb
erliegen seit Jahrzehnten Reisende dem Charme Balis und seinen toleranten
und liebenswürdigen Menschen. Genau deshalb aber haben die Terroristen
auch die Trauminsel zum Ziel ihres Anschlags erwählt. Genau deshalb
sollte man der Aufforderung an der Tür eines Internetcafes in Legian
folgen: "Lasst die Terroristen nicht gewinnen. Kommt wieder nach
Bali."
Bali Tipps
Beste Reisezeit:
Ganzjährig, Regenzeit von Mitte Oktober bis Mitte März
Währung:
Indonesische Rupiah
10 000 Rupien = 0.958567 EUR (Stand Mai 04)
Hotels
Verzeichnis schwuler Hotels
www.balifriendlyhotels.com
Restaurants
Warung Bonita
Jalan Petitenget 2000x
Seminyak
Tel.: ++62-(0)361 731 918
Gegenüber von Taman Ayun Cottages Putu Bali
waroengbonita@yahoo.com
Antique
Jalan Dhyana Pura
Seminyak
www.antiquebali.com
Bars
Q Bar
Jalan Dhyana Pura
Seminyak
Kudos
Jalan Dhyana Pura
Seminyak
Beach
Callego
Massage & Warung
Petitenget Beach
Jalan Taman Ganesha/9
Spa
Paul's Place
Pan Asian & Fusion Bistros
Spa & Boutique
Seminyak - Oberoi
Jalan Laksmana 4A
Hinweis für Taxifahrer: gegenüber Hotel Oberoi
Antique Spa &
Gallery
Jalan Lestari
Keroboken
0361 - 485 501
antiquebali@dps.centrin.net.id
Tauchen
Dive The Rainbow
Werner Schaeffer
PADI Tauchlehrer # 931639
Bali - Indonesia
Tel.: ++62 - (0)81 7974 7268
http://home.arcor.de/dolpho/Dive-The-Rainbow/
werner-schaeffer@gmx.de
Community
GAYa Dewata
Jalan Banateng No 2A
Denpasar
Bali Indonesia
gydewata@indosat.net.id
Eine Internetlösung
der
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