Geburtstag auf Wolke Sieben
Die "Angels" starten in die 10. Party-Saison

Als die "Angels" vor rund 10 Jahren ihre erste White Party in der Zürcher Kanzlei-Turnhalle veranstalteten, hätte kaum jemand gedacht, dass die Events der geflügelten Partymacher einst zu den Hätschelkindern der Zürcher Szene würden. Eine muntere Truppe um den charismatischen Exil-Franzosen Olivier wollte sich 1995 mit einer Party im kleinen Rahmen einen lang gehegten Wunsch erfüllen und eine eigene Party auf die Beine stellen. Dass daraus der heutige Massenauflauf werden würde, ahnten die nicht immer ganz frommen Diener Gottes damals noch nicht.

Die Anfangs-Pannen

Vor der ersten White Party waren die Organisatoren hinsichtlich des Besucheraufmarsches denn auch völlig im Ungewissen. Olivier zur Stimmung vor der ersten Party: "Wie waren überhaupt nicht kommerziell interessiert, wir dachten überhaupt nicht an Besucherzahlen oder so. In erster Linie wollten wir eine Party für uns machen und Spass haben". Das Partyvolk jedoch kam in Scharen und in der Kanzlei wurde es von Jahr zu Jahr enger und stickiger. Bis die "Sex -Party" zu einem Fiasko geriet: Rund 400 kostümierte und gestylte Partywillige standen sich vor den Türen der Kanzlei die Füsse platt und konnten schliesslich nicht mehr in die proppenvolle Turnhalle hereingelassen werden. Eine Katastrophe für jeden Veranstalter, wie Olivier betont.

Eine getarnte erste Party im Volkshaus

1997 gelang es den Angels mit einem nicht ganz sauberen Griff in die Trickkiste das Volkshaus als Austragungsort an Land zu ziehen. Die Volkshaus-Leitung war gegen eine (schwule) Angels Party in ihren Räumlichkeiten und fürchtete vor allem Dreck und Lärm-Imissionen. Schliesslich griff Kanzlei-Mitbesitzer Koni Frei den Angels unter die Arme und mietete kurzerhand das Volkshaus für einen im Handumdrehen erfundenen Kanzlei-Event. Erst drei Tage nach der Party rückte Olivier im Verwaltungsbüro mit der Wahrheit heraus und bekam allen Erwartungen zum Trotz die Erlaubnis, weitere Parties im Sozi-Palast durchführen zu dürfen. Inzwischen werden die schwulen Partymacher am Helvetiaplatz mit offenen Armen empfangen.

Zehn Jahre danach

Angesprochen auf die Anfangszeiten seiner kultigen Parties glaubt Olivier in der heutigen Szene-Landschaft eine gewisse Party-Müdigkeit festzustellen: "Heute gibt es viele verschiedene Clubs und Partys und es wird für uns sehr schwierig, immer etwas Neues zu bringen und alle Partygänger zufrieden zu stellen. Die Schweizer sind halt verwöhnt, da sie eine der besten Party-Szenen haben. Dann darf man auch nicht vergessen, dass auch wir Organisatoren zehn Jahre älter geworden sind und eine neue Partygeneration nachkommt, die uns Angels zum Teil nicht mehr kennt" Die Erfahrung, dass bei dieser neuen Party-Generation nicht immer alle Experimente auf offene Ohren stossen, mussten die Veranstalter mit "Nuts&Bolts" machen. Nackte Tatsachen auf der Party-(Porno?)-Bühne goutierte nur eine Minderheit des Party-Nachwuches, so dass zu gewagte Darbietungen wieder vom Organisatoren-Wunschzettel gestrichen werden mussten.

Ein Himmel voller Geigen

Momentan sind die "Angels" am Testen, was das neue Publikum möchte, wie Olivier betont. Im Hinblick auf die zunehmend härter werdender Konkurrenz im schwulen Züri-Party-Kuchen gibt sich der Maître de Cérémonie allerdings unumschränkt optimistisch. Er ziehe sein Ding durch, Punkt. Grund genug optimistisch zu sein ist das diesjährige Jubeljahr mit der zehnten Ausgabe der White Party vom 11. September (Olivier: "Ein Datum, das niemand vergisst.")., die aus diesem speziellen Anlass auch gleich noch um das Volkshaus-Restaurant vergrössert wird und die Party-Besucher mit einer riesigen Show beglücken soll. Und schliesslich darf man sich auf weitere himmlische Versuchungen und Verlockungen freuen, neue Party-Projekte köcheln jedenfalls bereits in der Angels-Küche. Lounging lautet das Zauberwort, soviel sei hier schon verraten. Zunächst aber steigt am 31. Juli die Folies au Lac auf dem berühmt-berüchtigten Tuntenbrunnen-Wisli. Ein Himmel voller Geigen, den uns die Engel da bescheren!



 

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