20 Jahre aK-Macher
Daniel P. Wiedmer zieht sich (nicht ganz) zurück

Von Martin Ender

Daniel P. Wiedmer hat 20 Jahre lang das aK geprägt. Begonnen hat sein Engagement für schwule Printmedien mit dem Info-Blatt der Homosexuellen Arbeitsgruppen "Anderschume". Später kam das Kontiki hinzu. Aus den beiden Anfangsbuchstaben entstand der Name AK. Nun zieht sich der Macher vom "Schweizer Magazin für den schwulen Mann" etwas zurück.

20 Jahre dabei. Eine lange Zeit. Zieht sich da ein älterer, müde gewordener Mann aus dem Business zurück? Mitnichten, Daniel Wiedmer hat mit seiner aK-Arbeit ganz einfach früh angefangen. Er ist heute erst kurz über 40. Und noch voller Tatendrang.

Er hat mich zum Gespräch zu sich gebeten in sein Haus in Frauenfeld. "Weil das noch wichtig ist; dieses Haus ist ein Stück von mir". Da er eine zeitlang Architektur studiert hat, konnte er professionell den Umbau und die Gestaltung beeinflussen. Man sieht, dass man es mit einem Mann zu tun hat, der Lust am Gestalten hat. Das Gespräch führen wir draussen im Garten am massiven Steintisch.


Die Anfänge

"Ich bin nach der RS von Bern weggezogen und nach Zürich gekommen, ich glaub das war 1982. Damals gabs von der HAB Bern die HAB-Info, ein Heftli, das mehr als nur Agenda sein wollte. In jedem Heft gab es so "Selbsterfahrungsgeschichten". Man konnte Texte einsenden. Da kamen Themen zur Sprache zum Coming out, zu Schwul im Alter, zu Schwul im Militär oder was auch immer. Nach vier Jahren sind langsam die Ideen ausgegangen. Die Gruppe, die diese Hefte gemacht hatte, wollte aufhören.

Ich war schon in Zürich und mir kam die Idee, nicht nur etwas für die HAB sondern für die ganze Schweiz zu machen. Ich habe das Projekt der gesamtschweizerischen HACH vorgestellt und es fertig gebracht, dass alle Homosexuellen Arbeitsgruppen zusammengearbeitet haben. Sie sicherten die Finanzierung, indem sie eine vereinbarte Anzahl von Heften zu einem fixen Betrag abkauften.

So entstand das "Anderschume". Das Konzept der HAB mit den Selbsterfahrungsgeschichten wurde weiterführt. Ich lernte Roger Staub kennen, der die Aidshilfe Schweiz gründete. Wir waren ein gutes Team. Unter anderem war Egon Fässler dabei, der später zum Schweizer Fernsehen ging. Auch Dani Eggli (Salz & Pfeffer) und später Hans Ineichen (Radio, Nachrichtensendungen) gehörten dazu. Wir hatten hochkarätige Leute, ohne es damals zu wissen."


Fusion und Trennung

"Wir wollten nun mehr machen. Für uns zum richtigen Zeitpunkt gab das Kontiki auf. Mir war klar, wir sind ein Heft der Gruppen. Mit einer Zusammenarbeit oder Übernahme des Kontiki würden wir viel mehr Leute erreichen. Uns war ja wichtig, Schwule auch ausserhalb der Gruppen aufzuklären, ihnen beim Coming out zu helfen.

Wir haben intern diskutiert und wussten genau, dass die Gruppen bei einer Ausweitung von "Anderschume" nicht mitziehen würden. Die waren damals sehr abgeschottet und wollten mit der Szene nichts zu tun haben. Also konfrontierten wir die Gruppen einfach mit dem neuen "Anderschume/Kontiki". Darauf wurden wir von den "Schwulengrüpplern" drei Jahre lang nicht mehr angeschaut.


Der Ausbau

Wir hatten nun unser Blatt, haben das Konzept vom Kontiki übernommen, dann fliessend ein eigenes Konzept entwickelt und zwar immer mehr in die Richtung, wie man das aK heute kennt. Irgendwann wurde das aK farbig, erst mal nur Titelbild, dann auch ein paar Innenseiten. Als Hans Ineichen die Chefredaktion machte, haben wir das Heft sechs mal statt nur vier mal im Jahr produziert. Das hatte auch mit dem Cruiser zu tun, der damals stark zulegte. Mit Hans Ineichen hatten wir erstmals eine richtig professionell geführte Redaktion. Ihm folgte René Hornung, der die Redaktion rund 10 Jahre führte.

Ich hatte immer den "Hinterbau" gemacht. Geschaut fürs Geld, dass die Organissation läuft, dass wir nicht überborden und ich habe Konzepte zu entwickelt. Die Redaktion war immer klar von mir getrennt. Das gab auch Konflikte. Ich hatte lange den Ruf bei der Redaktion, einer zu sein, der auf dem Geld hockt, der alles verhindert, weil nichts was kosten darf."


Beziehungen zum Cruiser

"Das ist damals aus folgender Situation entstanden: Ich wusste, das aK ist zwar eine wunderbare Sache. Aber es ist abonniert und dadurch weniger in der Szene. Wir hätten immer gerne eine Kombination gehabt mit einem Produkt aus der Szene.

Zum CRUISER-Anfang gabs Tony Vogt (Züspa Parties), der kam mit der Idee des Cruisers zu mir. Er wollte mit einem Szeneblatt seine Parties bekannt machen. Da gabs Thomy Schallenberg aus dem Umfeld Macho Shop. Und dieser wollte ein PR-Blatt für sein Geschäft, da damals das Kontakt von ihm keine Inserate annahm. Und ich wollte ein Heft für die Szene machen. Es waren einfach zuviele Einzelinteressen da. Eine Zusammenarbeit musste scheitern. Ich stieg aus."


Die Zukunft

Die aK-Zukunft heisst "akut: the Gaylife magazin" und Daniel Wiedmer freut sich, dass die neue Crew auch mit neuem Namen startet. Das trennt klar von der Vergangenheit, die der Zeit entsprechend stark politisch ausgerichtet war. Jetzt wird "Livestyle" mehr Gewicht erhalten.


Und Daniel Wiedmers persönliche Zukunft? Er hat ja immer noch seinen vollen Job. Und im Hintergrund steht er dem "akut:" weiterhin als Berater zur Verfügung.
Daneben sind ihm zwei Projekte wichtig: Zum ersten macht er das Kreis-Archiv. Durch einen glücklichen Zufall hat er einen grossen Teil vom Kreisnachlass erhalten. Demnächst wird das Archiv in seinem Haus eingerichtet (www.der-kreis.ch) .Zum zweiten beschäftigt er sich nach wie vor mit der Fotografie (www.junx.ch).



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