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Der Kampf gegen das
Partnerschaftsgesetz
Die Unterschriftensammlung
wird sehr gezielt durchgeführt
Von Boris Schneider
Die Sammelfrist
für das Referendum gegen das Partnerschaftsgesetz läuft noch
bis Anfang Oktober. Der Rücklauf entspricht noch nicht den Erwartungen,
heisst es. Doch die öffentlich kaum wahrgenommene Unterschriftensammlung
dürfte wegen der grossen Unterstützung in konservativen Parteikreisen,
katholischen Gegenden und durch die Freikirchen dennoch erfolgreich sein.
Am 18. Juni hat der
Nationalrat in der Schlussabstimmung mit grosser Mehrheit dem Bundesgesetz
über die eingetragene Partnerschaft zugestimmt. Dieses Gesetz soll
gleichgeschlechtlichen Paaren fortan die Möglichkeit bieten, ihre
Beziehungen rechtlich abzusichern. Am gleichen Tag hat ein überparteiliches
Komitee unter dem Vorsitz der Nationalräte Ruedi Aeschbacher (EVP)
und Christian Waber (EDU) angekündigt, dagegen das Referendum zu
ergreifen und auf diesem Weg eine Volksabstimmung über das Partnerschaftsgesetz
zu erzwingen.
Während andere Volksbegehren wie etwa die Hanf-Initiative durch offensive
Sammelaktionen von sich reden machen, ist es nach Ablauf von zwei Dritteln
der Referendumsfrist auffällig still um die Gegner des Partnerschaftsgesetzes.
Die Sammlung der notwendigen 50'000 Unterschriften findet offenbar weitgehend
unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Rücklauf entspricht
nicht den Erwartungen
Laut Angaben von EDU-Nationalrat Christian Waber sind bisher 300'000 Unterschriftenbögen
versandt worden. "Bis heute erreicht der Rücklauf nicht die
gewünschte Intensität", sagt Waber. Man sei aber dennoch
zuversichtlich, weil erfahrungsgemäss die grosse Zahl der Rücksendungen
erst im letzten Moment erfolge und die Ferienzeit der Sammlung kaum förderlich
gewesen sei. Die letzte Einsendefrist für Unterschriftenbögen
ist der 17. September. Die Zeitspanne danach bis zum Ablauf der hunderttägigen
Referendumsfrist am 7. Oktober ist für die Beglaubigung der Unterschriften
reserviert. Bei einem Rücklauf von weniger als fünf Prozent
der Bögen wäre das Referendum gesichert und das Partnerschaftsgesetz
käme vors Volk. Genaue Angaben über die Zahl der bereits gesammelten
Unterschriften will Waber nicht machen: "Wir halten uns mit Daten
zurück", sagt er.
Dass man die Unterschriftensammlung kaum öffentlich wahrnehme, hänge
damit zusammen, dass eine öffentliche Sammlung von Unterschriften
"fast nicht möglich" sei. Dies schreibt Waber keck der
"Lobby-Arbeit von Schwulen- und Lesben-Verbänden" zu: "Alle,
die sich gegen die Homosexualität wenden, werden verteufelt und als
intolerante, rückständige Fundamentalisten disqualifiziert",
klagt er. Zu den Initianten der Hanfinitiative und deren gelungener Aktion
an der Streetparade meint er nicht ohne Neid: "Der herrschende Geist
von Cannabiswolken, Musik, Drogen und Alkohol ist Benzin für die
Unterschriftensammler!". Als Gegner des Partnerschaftsgesetztes aber
seien die Referendumsträger dem "Hurrikan Zeitgeist und falsche
Toleranz" ausgeliefert, einem Trend, der zudem tatkräftig von
den Medien mit "gewaltigen Lügen und Falschmeldungen, z.B. über
die Anzahl der Schwulen und sogenannte Diskriminierungen" unterstützt
werde. Aus diesen Gründen habe man die Streuung der Referendumsbögen
vor allem über Beilagen in Zeitungen wie Standpunkt EDU, EVP-Zeitung
und Schweizerzeit unternommen. Unterschriften würden aber auch in
eher katholischen Gebieten und über Rundbriefversände der am
Referendum beteiligten Parteien gesammelt.
Zentrale Rolle
der Freikirchen
Im Organisationskonzept des Referendumskomitees spielen zudem die Schweizer
Freikirchen eine bedeutende Rolle. So stehen die Schweizerische Evangelische
Allianz (SEA) und der Verein freikirchlicher Gemeinden (VFG) mit ihren
Exponenten hinter dem Referendum. Auf ideologische Unterstützung
darf das Komitee auch von der im Zürcher Maag-Areal beheimateten
Freikirche ICF (International Christian Fellowship) zählen: "Inhaltlich
unterstützen wir die Zielsetzung des Referendums voll und ganz, jedoch
nicht im Sinne einer aktiven Unterschriftensammlung. Wir verstehen uns
primär als Kirche und nicht als politische Organisation und überlassen
es grundsätzlich unseren Besuchern, ob und wie sie sich politisch
engagieren möchten", relativiert ICF-Mediensprecher Daniel Linder.
Das Thema Partnerschaftsgesetz sei kein offizielles Thema an den ICF-Gottesdiensten,
werde aber selbstverständlich intern diskutiert, so Linder weiter.
Im Referendumskomitee finden sich ausserdem mit Toni Bortoluzzi und Ueli
Maurer gleich zwei bekannte Exponenten der Schweizerischen Volkspartei
(SVP). In einem Positionspapier zum Thema Familie vom Juli dieses Jahres
geht die Partei am Rand auf das Thema Partnerschaftsgesetz ein. Sie anerkennt
zwar "gewisse rechtliche Ungleichheiten" in der Behandlung gleichgeschlechtlicher
Paare, verlangt aber, dass sich die Verbesserung der Rechtslage für
diese auf "punktuelle Anpassungen im Erbrecht" zu beschränken
habe. Laut SVP-Sprecher Roman Jäggi ist erst bei einer allfälligen
Volksabstimmung über das Partnerschaftsgesetz mit einem klareren
Positionsbezug seiner Partei zu rechnen. Wie diese lauten werde, könne
man sich bei einer Partei mit vielen konservativen Mitgliedern in etwa
vorstellen, meint Jäggi.
EDU mit Sympathien
für "Wüstenstrom"
In den Positionspapieren der EDU zum Thema Partnerschaftsgesetz finden
sich exakt die ausgrenzenden Argumente, die man von einer christlich-konservativen
Partei in dieser Sache auch erwarten muss: "Der viel zitierte Minderheitsschutz
darf nicht so weit gehen, dass eine schweigende Mehrheit unter den Folgen
eines sexuellen Fehlverhaltens zu leiden hat", heisst es da. Und:
"Die Geschiche zeigt, dass keine einzige Kultur Fortbestand hatte,
die gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich absicherte (z.B. griechisches
und römisches Weltreich)". Die Schweiz sei bisher "gesegnet"
gewesen, weil die christlich-abendländischen Grundwerte hochgehalten
worden seien. Diese drohten jetzt, untergraben zu werden: "Es ist
schon in der Sache widersinnig, einer biologisch unnatürlichen Lebensform
gleiche Rechte wie heterosexuellen Paaren zuzugestehen".
Mindestens irritierend ist auch die Nähe einzelner Exponenten des
Referendumskomitees zur Organisation Wüstenstrom. Deren Schweizer
Ableger wird vom "geheilten" Homosexuellen und jetzt offenbar
glücklich mit einer Frau verheirateten Rolf Rietmann geführt
und bietet "therapeutische Einzelberatungen" an für Menschen,
die unter "sexuellen Identitätsproblemen" leiden. Als Ko-Präsident
des Referendumskomitees steht Christian Waber "persönlich voll
und ganz" hinter Wüstenstrom: "Homosexualität ist
heilbar, dazu braucht es aber Menschen, die diesen Wunsch haben und freiwillig
eine Veränderung wünschen", sagt er.
Auch rechtliche
Argumente stechen nicht
Etwas gemässigter kommt die EVP daher. Sie und ihr Parteipräsident
Ruedi Aeschbacher führen gegen das Partnerschaftsgesetz vor allem
juristische Argumente ins Feld. So wird etwa immer wieder der "Aufwand"
zitiert, den es nach sich ziehe, dass viele gesetzliche Erlasse auf Bundes-,
Kantons- und Gemeindeebene angepasst werden müssten. Dies sei "völlig
unverhältnismässig". Für Andrea Büchler, Professorin
am Lehrstuhl für Privatrecht der Universität Zürich, sticht
der vermeintliche Trumpf allerdings nicht: "Mit Argumenten zum Aufwand
lassen sich Diskriminierungen nicht rechtfertigen. Die Argumentation führt
höchstens dazu, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare
zu öffnen wäre. Der Aufwand wäre dann ausgesprochen gering."
Auch machen die Gegner des Partnerschaftsgesetzes geltend, dass gleichgeschlechtliche
Paare ihre rechtlichen Beziehungen bereits heute im Rahmen der bestehenden
Rechtsordnung frei und hinreichend vereinbaren könnten - so etwa
beim gegenseitigen Beistand und der Vertretungsbefugnis. Laut Büchler
würden auf diesem Weg aber nicht alle Rechtsbereiche zur Disposition
stehen: "Im Sozialversicherungsrecht, im Ausländerrecht und
im Steuerrecht sind keine Vereinbarungen möglich". So könne
etwa die Teilung des Vorsorgeguthabens bei Auflösung der Beziehung
nicht vereinbart werden. Im Bereich des Erbrechts würden der Verfügungsfreiheit
zudem durch das Pflichtteilsrecht Grenzen gesetzt. Die bestehenden Möglichkeiten
seien nicht ausreichend, um den Schutz gleichgeschlechtlicher Beziehungen
zu garantieren.
Benefiz-Party mit Mister Schweiz Sven Melig
Die Benefiz-Party-Reihe
Unzip veranstaltet am 4. September in der Zürcher Kanzlei eine grosse
Sause für den Verein "Ja zum Partnerschaftsgesetz". Mit
dabei als Barkeeper: Der amtierende Mr. Schweiz Sven Melig.
Der kürzlich
zum Mister Schweiz 2004 mutierte Sportartikelverkäufer gibt sich
tolerant: "Ich finde das Partnerschaftsgesetz in Ordnung. Wenn sich
zwei Menschen lieben, dann sollen sie auch die Möglichkeit haben,
sich rechtlich abzusichern und ihre Beziehung auf diese Weise öffentlich
zu machen", sagt er zum Cruiser. Spätestens nämlich seit
Sven zum schönsten Schweizer Mann gekürt wurde, hat sich sein
Bekanntenkreis um einige Schwule erweitert: "Im Showbusiness, in
dem ich mich seit der Wahl bewege, gibt es viele Homosexuelle, die ich
als offene und zuvorkommende Menschen erlebe und sehr schätze",
sagt Melig.
Wenn Melig so etwas wie die durchschnittliche Schweizer Hetero-Meinung
zum Thema Partnerschaftsgesetz vertritt, dann kann man einem Abstimmungskampf
beim Zustandekommen des Referendums eigentlich ganz getrost entgegenblicken.
Dennoch: Ein Abstimmungskampf muss erst einmal geführt werden - und
das kostet Geld.
Persil-Mitorganisator Micha Tobler lässt deshalb am 4. September
in der Zürcher Kanzlei eine seiner legendären Unzip-Benefizpartys
steigen. Mit dabei sind Sven Melig und die ehemalige Miss Schweiz Mahara
McKay, aber auch viele andere wie Haymo Empl von Star-TV, Marco Fritsche
von Viva Swizz, der amtierende Mister Gay André Scherrer und Andreas
Haag, der erste schwule Kandidat für den Titel des Mister Schweiz.
Einziger Wermutstropfen: Organisator Tobler hat es anscheinend versäumt,
die Nationalräte von EDU und EVP als Barkeeper zu gewinnen - bei
dieser Gelegenheit hätten sich diese nämlich einmal höchstpersönlich
und geschützt durch den massiven Tresen in der Kanzlei davon überzeugen
können, dass Schwule und Lesben ihnen sicher nicht an die Wäsche
wollen.
Der Erlös aus der Fete kommt dem Verein "Ja zum Partnerschaftsgesetz"
zugute, der von den Organisationen Pink Cross, Los, Network und Fels gegründet
wurde.
Samstag, 4. September,
Kanzlei Zürich, ab 22 Uhr
Spenden für den Verein "Ja zum Partnerschaftsgesetz" sind
erbeten auf das PC 30-687893-7. Weitere Informationen unter www.partnerschaft-ja.ch
Eine Internetlösung
der
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