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Grosse Kundgebung
für das Partnerschaftsgesetz
Das Volk muss an
die Urne. Der Abstimmungskampf beginnt mit der Berner Kundgebung am 23.
Oktober 2004
Von Martin Ender
Es war abzusehen,
dass die Gegner die nötige Anzahl Unterschriften gegen das Partnerschaftsgesetz
zusammenbringen. Lange hielten sie mit Zahlen zurück. Doch nun ist
klar, das Referendum ist zustande gekommen. Die schwullesbischen Verbände
sind nicht erstaunt und sie sind vorbereitet auf den Abstimmungskampf.
Erste öffentliche Aktivität ist die grosse Kundgebung in Bern
vom 23. Oktober.
In der letzen Ausgabe
des Cruiser berichtet der Journalist Boris Schneider über das "unsichtbare
Referendum". Mit seinen Recherchen deckte er auf, dass die Unterschriftensammlung
im Hintergrund lief. Konkrete Zahlen über die Unterschriftensammlung
waren nicht in Erfahrung zu bringen. Wenige Tage nach Erscheinen des Cruiser
kursierte die inoffizielle Zahl von 30'000 Unterschriften (50'000 Unterschriften
braucht es für das Referendum). Der Cruiser wollte es genauer wissen
und fragte bei den beiden Coopräsidenten des Referendumkomitees nach.
Am Tag, als die allgemeine Pressemitteilung verfasst wurde, erhielt auch
er die Antwort der beiden Herren Nationalräte Christian Waber und
Ruedi Aeschbacher, immerhin persönlich: "Das Referdunm ist zustande
gekommen."
Bestens vorbereitet
Die vier national agierenden schwullesbischen Organisationen kannten bis
dahin auch keine genauen Zahlen. Sie haben sich aber längst auf den
Abstimmungskampf vorbereitet. Bereits am 2. Oktober 2003 wurde in Bern
der Verein "JA zum Partnerschaftsgesetz gegründet". Die
Gründungsorganisationen waren Pink Cross (Schweizer Dachverband schwuler
Männer), Los (Lesbenorganisation Schweiz), Network (Verein für
schwule Führungskräfte) und Fels (Freunde, Freundinnen und Eltern
von Lesben und Schwulen). Zweck und Ziel des Vereins ist die Organisation
und Durchführung der Abstimmungskampagne zum eidgenössischen
Partnerschaftsgesetz. Damals wurde erwartet, dass eine Kampagne geführt
werden muss, heute ist es sicher.
Cruiser sprach mit
Vertretern dieser Verbände und wollte wissen, was bereits vorbereitet
ist und was in den nächsten Monaten angepackt wird. Für Network
sprach Oliver Fritz, für Pink Cross der Präsident Rolf Trechsel,
für Fels der Vitzepräsident Fritz Lehre und für Los die
Los-Frau und Mediensprecherin des Vereins "JA zum Partnerschaftsgesetz"
Lilian Schaufelberger".
Alle vier betonten,
dass von nun an nicht mehr die Organisationen, aus denen sie stammen,
im Kampf für das Partnerschaftgesetz auftreten werden, sondern der
von ihnen dafür extra gegründete Verein. Er soll die Koordination
der Aktivitäten übernehmen.
Pink Cross
Wie Rolf Trechsel erklärt, darf man sich aber nicht so vorstellen,
dass es eine von oben diktierte Inserate- und Plakatkampagne geben wird
und das wars. " Wir haben für diese Abstimmung Stärken,
die ganz logisch sind: Lesben und Schwule sind in allen Gesellschaftschichten
vertreten. Das muss man ausnützen und das bringt eine von oben gesteuerte
Plakat und Inseratekampagne allein nicht. Es wichtig, dass die Leute auch
im Bekannten- und Verwandtenkreise sich zu erkennen geben und für
die Vorlage werben. Die Betroffenen müssen in der Öffentlichkeit
sichtbar werden und es muss deutlich werden, dass wir das Gesetz wollen".
Die Aktivivitäten sind darauf ausgerichtet, dass wir mit der Basis
zusammen die Abstimmung gewinnen wollten und nicht nur einfach als Geldsammelmaschine
funktionieren. Geld ist sicher wichtig. Das brauchen wir zwar auch. Aber
vor allem ist Arbeitskraft gefragt."
Los
Auch Lilian Schaufelberger streicht heraus, dass Los als Dachorganisation
die direkte Verantwortung für die Kampange an den Verein "Ja
zum Partnerschaftsgesetz" abgibt. Was aber nicht heissen will, dass
frau untätig sein wird. DerBus, zum Beispiel, die Wanderausstellung
über schwullesbische Lebensweise trägt ja stark die Handschrift
der Los-Präsidiumsfrau Brigite Röösli. Er tourt bereits
seit längerem durch die Lande und tut dies weiter. Eine nicht zu
unterschätzende Aufklärungsarbeit auf die Abstimmung hin.
Network
Gemäss Oliver Fritz wird an der Demo in Bern von 23. Oktober "die
Verantwortung von den bestehenden grossen Organisastionen übergeben
an den Verein, den sie mitbegründet haben". Soll das heissen,
das Network sich von da an in den Aktivitäten zurückhält?
"Nein das nicht, aber es soll nicht Mehrfachkampagnen geben. Wir,
der Vorstand, sind nur für Kampagne zuständig: Produktion der
Plakate, Werbung Lesematerial, Spendenaufrufe, da haben wir auch bereits
viel gemacht. Die Kampagne wird national geplant, aber die Umsetzung passiert
in den Regionen, die bereits definiert und organisiert sind. Es gibt Regionale
Vereine mit Leuten, welche die praktische Arbeit machen: Stände,
Anlässe und Diskussionsrunden organisieren, Lokalpresse beobachten
und Leserbriefe schreiben.
Fels
Eine Sonderstellung unter den vier Gründungsorganisationen nimmt
Fels ein. Dieser Verein ist zwar auch eine natinale Organistion, aber
leistet seit jeher in erster Linie praktische Basisarbeit und das wird
der Verein in den nächsten Monaten genauso tun. "Wir haben in
der ersten Stunde den Verein "Ja zum Partnerschaftsgesetz" mitbegründet.
Wir sind mit zwei Delegierten dabei und werden den Abstimmungskampf unterstützen.
Dieses Thema wird im nächsten halben Jahr unser Aktivität ganz
klar bestimmen", sagt der Vizepräsident Fritz Lehre. Auf die
Frage, was er von dem Zustandekommen des Referendums hält, meint
er "Ich will das nicht gerade so dargestellt sehen. Aber eigentlich
ist die Abstimmung ein Chance für die lesbischwule Szene und für
uns Eltern, jetzt aktiv zu werden. Das Positive an der Abstimmung ist
doch, dass das Thema Partnerschaft im gesamten Schweizer Volk diskutiert
werden wird. Das bringt das Thema in der Gesellschaft auch vorwärts.
Was nützt ein Gesetz, das in der Bevölkerung zu wenig verankert
ist. Es wäre phantastisch, wenn erstmals weltweit ein ganzes Volk
so direkt darüber abstimmt. Die acht Wochen oder drei Monate vor
der Abstimmung sind natürlich eine Gelegenheit, sich zu zeigen und
dafür zu kämpfen. Hätte es kein Referendum gegeben, wäre
das Gesetz jetzt da. Die Akzeptanz in der Gesellschaft müsste auch
dann noch steigen. Unsere Arbeit als Eltern von Schwulen und Lesben ist
so oder so noch nicht fertig."
Treffpunkt Bern
Der Verein "Ja zum Partnerschaftsgesetz" hat bereits viel
Vorarbeit geleistet für einen erfolgreichen Kampf für das Partnerschaftsgesetz.
Wie aber von allen Seiten betont wurde, ist das Engagement aller Schwulen
und Lesben das Wichtigste. Darum sind alle erst einmal eingeladen, nach
Bern zu kommen zu einer Kundgebung aber auch zu einem grossen Fest am
23. Oktober. Ein Grossaufmarsch von Schwulen und Lesben soll ein klares
Zeichen setzen, dass wir das Gesetz wollen und eindrücklich zeigen,
dass wir den Auf Wiedersehen in Bern! Abgemacht?! 23. Oktober, 13.30,
Waisenhausplatz in Bern.
Eine Internetlösung
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