Letzter Waschgang
Kein "Persil" mehr im Profitreff

Von Boris Schneider

Das Persil hat ausgewaschen. Nach mehr als zehn Jahren verschwindet damit eines der beliebtesten schwulen Partylabel aus dem Zürcher Nachtleben.

Schon während der Achtzigerjahre war die Barracke mit Flussgarten am Zürcher Sihlquai ein beliebter Treffpunkt der alternativen Szene. Alle zwei Wochen ging es dort in der Dampf-Bar schwul zu und her - studentisch, grün und alternativ. Im Jahr 1992 wurde aus dem Dampf das Persil. Markus Häfliger und Micha Tobler (Bild) legten damals Musik dort auf und preschten einige Jahre später mit der Initiative vor, den Waschgang doch wöchentlich abzuhalten. Es waren wilde Zeiten. In der Zwinglistadt durften sich die Bürger wegen des Tanzverbots an Auffahrt, Ostern, Pfingsten, am Bettag und an Weihnachten nicht rhythmisch bewegen. Und so wurde das Persil mit seinen Megaperls-Partys gerade an diesen Tagen zum Geheimtip, und das auch unter tanzwütigen Heteros.

Die Mischung hat's gemacht
Vielen Besuchern ist diese Zeit noch in lebhafter Erinnerung. Unvergessen sind die wechselnden Dekorationen: So verwandelten Micha und Markus den eher langweiligen Raum in einen herbstlichen Blätterwald oder in eine Wolke. Oder sie legten nach Dianas Tod ein riesiges Kondolenzbuch auf einen improvisierten, von vielen Kerzen erhellten Altar.
Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum das Persil so lange so erfolgreich war: Mit dem kostenlosen Eintritt und den günstigen Getränken entsprach es einem Bedürfnis der Leute. Und mit seinem Publikumsmix war es auch stets eine willkommene Alternative zu anderen, kommerzielleren Discos und Bars. Im Persil hatte es nicht nur Studenten, nicht nur Junge, nicht nur ältere Semester, nicht nur Ledertypen, nicht nur drogenverschlingendes Partyvolk - nicht nur, aber eben auch: "Die Bandbreite reichte von der Hausfrau bis zur Hochfinanz, und genau das hat viel zur friedlichen Stimmung beigetragen", erinnert sich Markus.

Verein Provitreff plötzlich dagegen
Dem Verein Provitreff, der die Anlässe in der Baracke am Fluss koordinierte, wurde das ganze Treiben allerdings im Jahr 1998 zu viel. Futterneid sei's gewesen, sagen die einen. Die schwulen Anlässe immer zum brechen voll und die eigenen schlecht besucht. Zu viele Emissionen, zu viel Lärm und Dreck hätten die Persil-Abende hinterlassen, sagen die anderen. Auf alle Fälle war nach einem heftigen Knatsch zwischen den Persil-Machern und dem Verein Provitreff erst mal Schluss.
Markus und Micha beschlossen, ihren Anlass in die Katakomben zu zügeln, den Vorläufer des heutigen Club UG. Nur wollte sich der Erfolg dort nicht so richtig einstellen. Wenn auch die gelegentlich an Wochenenden veranstalteten Megaperls-Partys ganz gut besucht waren, so sah es Mittwochs doch anders aus: "Es gelang uns nicht, die Leute an dort hinauszubringen", meint Markus. Immer mal wieder mietete sich das Duo auch in der Kanzlei ein und organisierte dort Partys, etwa für die Aidshilfe oder an den Eurogames. Auch von anderen Clubbetreibern wurden die beiden Veranstalter in jener Zeit oft angefragt, ob sie mit dem Persil Asyl beantragen wollten. Selbst ein Persil im Aaah stand mal zur Diskussion, daraus wurde aber nichts: "Das Persil ist keine Darkroom-Party", meint Micha. Das Labyrinth sollte schliesslich am Mittwoch dort einziehen.

Eine heissersehnte Wiedergeburt
Im Jahr 2001 fragte der Verein Provitreff Micha und Markus an, ob sie ihren Persil-Mittwoch wieder am Sihlquai abhalten wollten. Der Verein hatte den willkommenen Zustupf an die Finanzen vermisst. Die vier "Persil-Flashback-Partys" im Juli schlugen ein wie eine Bombe: "Die Leute strahlten wie Maienkäfer vor lauter Freude", erzählt Markus. So wurde beschlossen, im September 2001 wieder neu anzufangen, mit "mondäner Barmusik" und "urbaner Clubmusik". Zum ersten Mal kostete der Abend auch einen eher symbolischen Eintritt von zehn Franken, inklusive eines Getränkebons. Der Provitreff war inzwischen renoviert worden und die Miete beträchtlich gestiegen.
Der vorläufige Höhepunkt kam im Sommer 2002: Das Persil war regelmässig so voll, dass es schon fast eine Qual war. Auch im Folgejahren liefs noch gut. Nur: Während zu den Spitzenzeiten 300 bis 400 Leute kamen, wurden es jüngst doch etwas weniger. So wenig, dass die Veranstalter an den Mittwochen im Winter öfter mal drauflegen mussten. Sogar die traditionelle "Persil-Weihnacht" am 24. Dezember des vergangenen Jahres war schlecht besucht. Die Enttäuschung darüber stand Veranstaltern und Besuchern ins Gesicht geschrieben. "Der Konkurrenzdruck hat zugenommen", sagt Micha. Hinzu komme auch, dass viele Mitglieder des angestammten Publikums weniger weggehen würden. Und nicht zuletzt sitzt vielen das Geld nicht mehr so locker - moderate Preise hin oder her.

Weiter mit "Unzip!"
So kam der Entschluss, das Persil zu Grabe zu tragen. Markus hat aus beruflichen Gründen kaum noch Ressourcen. Micha hingegen denkt, dass das Bedürfnis für einen schwulen Abend am Mittwoch nach wie vor vorhanden ist. Unterstützt von Freund Dada will er die Mittwoche am Sihlquai unter seinem Partylabel "Unzip!" weiterführen. Das Rezept: Musikalische Öffnung in Richtung R&B und Hiphop, Kooperationen mit anderen Veranstaltern wie Boyakasha. Dennoch: Echte Fans wie der Schreibende werden dem "alten" Persil sicher noch ein paar Tränen nachweinen.

 

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