Ladyboy-Charme gegen Rugbyspieler-Power
Die "Screwless Tuskers" erzielten beim Elefantenpolo einen Achtungserfolg

von Michael Lenz, Hua Hin


Elefantenpolo wird in Thailand seit vier Jahren gespielt. Zuvor ist der Sport seit Anfang der 80er-Jahre nur in Nepal und Sri Lanka betrieben worden. Das Turnier von Hua Hin ist heute ein etablierter Sportanlass und dient einem guten Zweck. Der grösste Teil des mit 10'700 US-Dollar angesetzten Startgeldes pro Team geht an das thailändische "National Elephant Institute". Für Aufsehen sorgte die thailändische Ladyboy-Mannschaft.

"Mein Geld für verrückte Hobbys auszugeben macht mir Spass", lacht Alf Leif Erickson, ehemaliger Anwalt aus Seattle. Er sammelt antike Korkenzieher, schwebt gerne im Heissluftballon durch die Lüfte und sponsert gar aus seinem Privatvermögen ein Team im Elefantenpolo. Erickson setzt noch eins drauf: das Team "Screwless Tuskers" besteht aus glamourösen thailändischen Ladyboys.

Bis vor einigen Jahren hatte Erickson seine vier Töchter in Nepal, dem Ursprungsland des Elefantenpolo, ins Rennen geschickt. "Jetzt sind sie verheiratet und haben keine Zeit mehr", erzählt er. So suchte der Wahlthailänder für das jährliche King's Cup Elefantenpoloturnier im thailändischen Seebad Hua Hin ein neues Team. Seine schräge Idee: Ladyboys. "Seien wir ehrlich, Elefantenpolo ist ja schon eine ziemlich schräge Angelegenheit", grinst Erickson. Es gehe ihm überhaupt nicht ums gewinnen: "Ich will Spass haben und das Elefantenpolo dient einer guten Sache." Der Reinerlös der Turniere gehe nämlich an Projekte zum Schutz und Erhalt von Elefanten. Mit Grausen erinnert sich Erickson an die ersten Misserfolge bei der Suche nach geeigneten Ladyboys in den Go-Go-Bars von Bangkoks Rotlichtviertel Patpong: "Die Mädels waren nicht die stabilsten. Drogen und Hormone vertragen sich wohl nicht gut."

Lieblinge der Journalisten

Songpol "Golf" Laohawiwattanachai, Chermarn "Toktak" Saengprasit und Joompot "Jum" Potiwanna - Freundinnen der Nichte der besten Freundin von Ericksons Gattin oder so - haben sichtlich eine Menge Spass beim 4. King's Cup Elephant Polo Tournament Anfang September in Hua Hin. Sie geniessen die Annehmlichkeiten des Luxushotels Anantara Ressort am Golf von Siam, einem der Hauptsponsoren des einwöchigen Elefantenpoloturniers. Auf dem heissen und staubigen Poloplatz - einem Gelände der thailändischen Armee - sind die drei Studentinnen die Darlings der zahlreichen Journalisten aus aller Welt. Zum Leidwesen der Sponsoren - Automobilhersteller, Banken oder auch eine schottischen Whiskeydestille - der anderen 13 Teams.

Wenig Zeit fürs Training

Dabei haben die zarten Damen in ihren rosa Poloshirts eigentlich kaum Zeit für Interviews. Vor den Spielen ist das Make Up zu richten; Augenbrauen müssen gezupft werden; die Frisur muss hergerichtet werden. Zudem gibt es viel zu tratschen und zu klatschen. Etwa über die etwa gleichaltrigen Jungs des Junior-Teams vom Weingut Sandalford in Westaustralien. So ist es keine Überraschung, dass die Winzerburschen am Ende des Turniers den Screwless-Tuskers-Preis "Am besten angezogene Mannschaft" gewinnen. Dermassen beschäftigt, blieb kaum Zeit für das Training. "Wir haben nur am Tag vor dem Turnier einmal mit Elefanten trainiert", grinst Toktak, immerhin zum zweiten Mal bei einem Elefantenpolo dabei und damit die Veteranin im Team. Golf und Jum haben nie zuvor auf einem Elefanten gesessen, geschweige denn Polo gespielt.

Spiel nach Regeln für Frauen

Die World Elephant Polo Association (WEPA) hat keine Probleme mit den Ladyboys und lässt sie unbesehen nach den Regeln für Frauen spielen. "Wir sind Gentlemen. Wenn Alf sagt, das sind Ladies, dann sind es Ladies", sagt WEPA-Vorsitzender James Manclark. Sichtlich unangenehm war es jedoch den ehemaligen Stars der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft All Blacks gegen die Transsexuellen antreten zu müssen. Ihren Sieg über die "Screwless Tuskers" mussten sich die Rugby-Kerle aber zu ihrer Überraschung hart erkämpfen. Die Damen zeigten Können und brachten die Kerle in den beiden je sieben Minuten dauernden Chukkas (Halbzeiten) an den Rand der Niederlage.

Aussenseiter

Dass Aussenseiter Chancen haben, stellte in den vergangenen beiden Jahren auch das deutsche Mercedes-Benz-Team unter Beweis. Unter Führung des erfahren Polospielers Oliver Winter holten die beiden Hamburger Kaufleute Dirk und Uwe Götz zwei Mal in Folge den Kings Cup. In diesem Jahr landeten sie auf dem dritten Platz. Die Screwless Tuskers kamen auf einen sensationellen 12. Platz. "Letztes Jahr waren wir auch 12., aber unter 12 Mannschaften", grinst Erickson. "Dieses Jahr waren es 14. Somit haben wir zwei Plätze gewonnen."

Wenngleich Ericksons Ladyboy-Mannschaft ziemlich am Ende der Rangliste fungierte, ihr Beitrag zum Schutz und Erhalt der Elefanten in Thailand ist ihnen hoch anzurechnen.

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