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Amerikas Schwule
und Lesben im Bush-Kater
Die Homo-Ehe ist
gescheitert, aber auch die eingetragene Partnerschaft ist umstritten
von Boris Schneider
Am 2. November
wurde in elf amerikanischen Bundesstaaten die Schwulen-Ehe mit einem Verfassungszusatz
verboten. Die These aber, wonach Präsident Bush die Wahlen vor allem
wegen "moralischen Werten" gewonnen hat, ist dennoch unhaltbar.
Am 2. November hat
Amerika gewählt. Der alte und neue Präsident heisst George W.
Bush. Gleichzeitig wurde in elf US-Bundesstaaten die Homo-Ehe auf Verfassungsstufe
verboten. Somit kann künftig auch kein lokales Gericht mehr verfügen,
dass Schwulen und Lesben die gleichen Rechte wie den Heteros zu garantieren
seien. In einigen Staaten geht das Verbot allerdings noch weiter: Verboten
bleiben soll teilweise nicht nur die kontrovers diskutierte "Schwulen-Heirat",
vielmehr lehnte die Bevölkerung einiger Staaten auch eine andere
Art der rechtlichen Gleichstellung, in der Form einer eingetragenen Partnerschaft
("Civil union"), vollständig ab.
Kater der Gay-Community
Der Kater bei den amerikanischen Schwulen und Lesben war nach der Wahl
gross: "Es ist schon hart, wenn einen die Mehrheit in einem Staat
nicht versteht und akzeptiert. Aber es ist noch viel härter, wenn
sie auch noch aktive Schritte unternimmt, um die Verfassung abzuändern,
damit einem Rechte durch die Verfassung genommen werden, die man gar nie
hatte", sagt Matt Foreman an der ersten, grossen Gay- and Lesbian-Conference
nach der Wahl in St. Louis, Missouri. Für die Gegner der Homo-Ehe
sind die deutlichen Abstimmungsergebnisse in Arkansas, Georgia, Kentucky,
Michigan, Mississippi, Montana, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon und
Utah eine Ermunterung, um jetzt forciert für ein landesweites Verbot
zu kämpfen: "Die Siege in den elf Staaten waren nur das Vorspiel
zur wirklichen Schlacht", sagte Matt Daniels von der Alliance for
Marriage nach der Wahl. Letztlich, so Daniels, werde aber nur ein in der
US-Verfassung verankertes Federal Marriage Amendment die Ehe zwischen
Mann und Frau wirksam schützen können. Ob Präsident George
W. Bush während der nächsten vier Jahre auf die Wünsche
seiner konservativen Basis eingehen wird, bleibt aber abzuwarten. Mindestens
in diesem Moment hat der Präsident genug andere Probleme.
Suche nach den
Gründen für die Niederlage
Auf dem amerikanischen Online-Gay-Magazin Advocate.com liefern sich inzwischen
diverse Kommentatoren einen heftigen Streit bei der Suche nach den Gründen
für die totale Niederlage der Schwulen und Lesben in elf Bundesstaaten.
"Ihr wollt wissen, warum wir in elf Staaten verloren haben?",
fragt Charles Karel Bouley provozierend. Und hat auch gleich die Antwort
parat: "Erstens: Weil ihr den Sieg zu wenig wolltet. Und zweitens:
Weil der Kampf für die Ehe die falsche Schlacht ist." Es sei
der so genannten Weisheit der Gay-Leaders zuzuschreiben, so Bouley, dass
man das Thema zur klassischen "Alles oder nichts"-Geschichte
überstrapaziert habe: "Eingetragene Partnerschaft? Nicht genug!
Schliesslich wollen wir keine zweitklassigen Bürger sein. Und wie
zweitklassig sind wir jetzt?" Die Community müsse sich neu organisieren
und auf eine Agenda einigen, die realistisch sei, so Bouley: "Lasst
doch endlich das Wort Ehe in Ruhe, um Gottes willen, und ich meine um
Gottes willen. Das Wort ist viel zu verzahnt mit Gott, mit Religion, mit
heterosexueller Heirat". Ein Kampf für eine eingetragene Partnerschaft
mit gleichen Rechten, aber unter einem anderen Namen, wäre laut Bouley
erfolgversprechender verlaufen.
Hat Bush wegen
moralischen Werten gewonnen?
In der Woche nach der Wahl war von vielen Kommentatoren die These zu hören,
dass der Präsident wegen seinem Einsatz für die moralischen
Werte das Rennen gemacht habe. Bush machte sich im Wahlkampf in der Tat
häufig gegen Abtreibung, Stammzellenforschung und Homo-Ehen stark.
Bei einer genaueren Betrachtung der Ergebnisse muss man aber zum Schluss
kommen, dass sich diese These nur mangelhaft erhärten lässt.
So bemerkt der Politikwissenschafter Paul Freedmann von der University
of Virginia im Online-Magazin Slate, dass in Staaten, in denen gleichzeitig
über ein Verbot der Homo-Ehe abgestimmt wurde, nur marginal mehr
Leute an die Urnen gingen. Während die Stimmbeteiligung in den anderen
Staaten 59,1% betrug, betrug sie in jenen elf Staaten 59,5%. "Verglichen
mit anderen Faktoren, die die Wahl beeinflussten, ist das ein mikroskopischer
Unterschied", so Freedman. Dies erklärt nicht, dass Bush die
Wahl wegen dem vielzitierten "Morality gap" gewonnen hat. Paul
Freedman zieht den Schluss, Bush habe die Wahl - so gewöhnlich und
unspektakulär das klingen mag - einzig gewonnen, weil ihm die Amerikaner
in der Terror-Bekämpfung mehr zutrauten als John Kerry.
Eine Internetlösung
der
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