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Kampagne gegen homophobe
Lyrics
Schwulenhass gehört
immer mehr zum Grundvokabular des Reggae
Von Hanspeter Künzler,
London
Homophobe "Lyrics"
gehören zur Reggae-Tradition. In den letzten Jahren sind solche Texte
richtiggehend blutrünstig geworden. Die britische Schwulengruppe
Outrage! hat ihnen erneut den Kampf angesagt.
"Shoot dem like
birds" singt Elephant Man und meint die Schwulen. Die Scare Dem Crew
führt auf einem Album zwischen den Stücken Hörspiele vor,
in denen Schwule umgebracht werden. Bounty Killer postuliert "Bun
a fire pon a puff and mister fagoty" (lasst die Schwulen im Feuer
brennen). Beenie Man will Lesben aufhängen - "hang chi chi gal
wid a long piece of rope" - und träumt vom perfekten Jamaica:
"I'm dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays".
Die Liste ist endlos. Ein mehr oder weniger "witzig" aufgetragener
Schwulenhass gehört wie Tiraden gegen Abtreibung, Polizeiinfor-manten,
untreue Freundinnen und Cunnilingus zum Grundvokabular des Reggae - so
wie der "Sport", Rivalen fertig zu machen. Dafür reicht
schon eine Anspielung darauf, dass einer schwul sein könnte. Im Gesetz
verankert Die Homophobie, jahrhundertelang von besonders orthodoxen Missionaren
eingetrichtert, ist in den Gesetzen verankert. Schwulsein ist gestattet,
schwul tun nicht. Wer bei intimen Handlungen unter Männern ertappt
wird, muss mit zwei Jahren Gefängnis und einem Aufenthalt im Arbeitslager
rechnen. Analverkehr wird mit sieben Jahren Knast bestraft. Gewalt gegen
Schwule gehört zum Alltag. 1997 wurde in den Gefängnissen gemeutert
- im Vorbeigehen wurden sechzehn schwule Mithäftlinge umgebracht.
Im letzten Juni wurde in Montego Bay ein Mann auf offener Strasse zu Tode
geprügelt, weil ein anderer Mann gemeint hatte, er hätte ihn
"angelächelt". Die Polizei erschien zwar, brachte aber
nur selber ein paar Tritte an und liess das Opfer sterben. Die Schwulenorganisation
J-FLAG nennt auf ihrer Website http://www.jflag.org/index.shtml
weder Namen noch Adressen. Es wäre zu gefährlich.
Neuer Anlauf von
"Outrage!"
Die Londoner Schwulenorganisation Outrage! machte schon vor zwölf
Jahren darauf aufmerksam, dass Buju Bantons "Boom Bye Bye" ein
Aufruf sei, Schwule abzuschiessen. Im vergangenen Sommer griff sie die
Kampagne neu auf. Es wurde eine Liste von Künstlern veröffentlicht,
deren Lyrics man für unakzeptabel erachtete: Beenie Man, Sizzla,
Elephant Man,Vybz Cartel, Bounty Killer, Capleton, Buju Banton, TOK. "Wir
erhielten einen Hilferuf von J-FLAG", erklärt David Allison,
der 70jährige Sprecher von Outrage. Im Juni war der jamaikanischen
Schwulenleader Brian Williamson tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.
Bei J-FLAG war man überzeugt, dass es ein homophob motivierter Mord
war. Die Polizei interessierte das nicht. Die Tatwaffen fand nicht sie,
sondern Mitglieder von J-FLAG: zwei Messer in einer Blut-lache. Die Outrage!-Kampagne
verfolgt zwei Ziele. Einerseits will man zeigen, dass Texte wie die eingangs
zitierten nicht akzeptabel sind: "Die Tatsache, dass viele Nicht-Jamaikaner
sie gar nicht verstehen, tut nichts zur Sache. Ein Aufruf zur Gewalt ist
in jeder Sprache verwerflich." Man verlangt von den Künstlern
Versprechen, keine homophoben Songs mehr zu schreiben oder auf-zuführen.
Wirtschaflicher
Druck
Die Forderung nach gewaltfreien Texten ist das eine. Andererseits
will man die Legalisierung der Homosexualität in Jamaika erreichen.
Das soll mittels wirtschaftlichem Druck geschehen. Der Verdienstausfall
boykottierter Reggae- Stars werde sich auch auf die nationale Steuerkasse
auswirken, und die negative Publicity schade dem Tourismus. Die Künstler
haben sich indessen noch nicht beeindrucken lassen.Typisch ist Sizzla.
Er meinte, nicht er habe sich zu entschuldigen, sondern die Schwulen -
sie würden gegen Gottes Gesetz verstossen. Mit noch militanteren
Antischwulen-Texten können die Künstler ihren Ruf als Feinde
babylonischer Dekadenz in ihrer Heimat noch festigen. Anderswo aber hat
Ourtage! erstaunliche Erfolge zu verbuchen. Beenie Man musste eine grosse
USA-Tournee absagen, weil die Tabakfirma RJ Reynolds ihr Sponsoring zurückzog.
Die Firma Puma hat das Sponsoring von Buju Banton gestoppt. Europa-Tourneen
von Buju und Beenie wurden gestrichen, dazu sieben US-Konzerte von Capleton,
zwei Englandtourneen von Sizzla und zwei Konzerte von Bounty Killer. Bei
den englischen MOBO-Awards (Music Of Black Origin) wurden die nominierten
Vybz Cartel und Elephant Man wieder denominiert. Das "Party In The
Park"-Festival musste abgesagt werden. "Es kann schon sein,
dass die Stars von heute sich nicht ändern werden", sagt David
Allison, "aber es kommt ja eine nächste Generation, und die
lernt es vielleicht, die Sache anders zu sehen."
Eine Internetlösung
der
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